Freitag, 24. Januar 2014

Arm gerechnet

Da erzählt uns Frau Merkel nun also, dass "man in Deutschland durchschnittlich 3000€ pro Monat verdient". So manch einer fragt sich da "echt jetzt?". Und tatsächlich ist die Zahl ziemlich wertlos – es handelt sich dabei nämlich offenbar um das Brutto-Durchschnittseinkommen. Also mit Steuern und Abgaben – klar, von denen haben wir auch was (auch wenn das viele nicht wahr haben wollen), nur halt nicht so direkt. Netto sind's dann schon nur noch (Zahl von 2010, aber so grundlegend anders wird's heute nicht sein) 1800€.

Zudem aber auch inklusive der statistischen Ausreißer – und da wird es dann interessant, denn diese Ausreißer können sowohl mathematisch (es gibt ja keine negativen Löhne) wie auch gesellschaftlich (Grundsicherung) nur in einer Richtung auftreten – nach oben. Weitaus brauchbarer ist hier der Median. Diesen Wert bekommt man vereinfacht ausgedrückt, wenn man alle Leute nach Einkommen sortiert und das Einkommen von dem genau in der Mitte nimmt. Da sindwa dann bei knapp 1600€ (der Unterschied ist prozentual übrigens seit vielen Jahren weitgehend konstant). Die Zahl kommt einem dann schon vertrauter vor, näch? ;)

Tatsächlich ist der Median auch für die Preisgestaltung der Wirtschaft (zumindest bei Massengütern) der wichtigere. 3 Artikel à 100€ Gewinn bringen halt in Summe weniger als 300 Artikel à 10€ Gewinn.

Kommen wir nun zur Armut. Also "arm", oder genauer "relativ arm im Vergleich zur Gesamtbevölkerung" ist man, wenn man auf weniger als 40% dieses Median kommt; das sind dann um die 600€. Doch von "Armut" redet man bei uns meist gar nicht (das sind nämlich nur sehr wenige, zumal schon Leute mit Grundsicherung oftmals da drüber liegen [Mietzahlung durch den Staat!]), da nimmt man dann lieber "von Armut gefährdet". Hier habwa dann 60% des Median, also schon deutlich mehr – so erwischt man dann natürlich auch mehr Leute (um die 15%).

Diese Beurteilung durch eine Zahl ist dabei natürlich nicht ganz unproblematisch – zumal ja auch das Vermögen nicht betrachtet wird. Wer also aufhört zu arbeiten und von seinem Ersparten lebt, ist "relativ arm", obwohl er eigentlich genug Geld hat. Andersherum haben wir alle Hausratversicherungen, weil halt auch "relativ reich" zu sein nicht dazu führt, dass man sich mal eben alles auf einmal neu kaufen kann. Auch Verschiebungen in der Kaufkraft wirken sich nicht auf – steigen die Preise, aber nicht die Löhne, so kommen zwar weniger Leute mit ihrem Geld aus, nur "relativ arm" sind trotzdem nicht mehr.

Insofern: "Arm" ist man nicht, weil das irgendeine Statistik sagt, sondern aufgrund der eigenen Lebensumstände – und da sollte man sich eher einmal fragen, ob man die ganzen Konsum-Bedürfnisse, die einem von der Werbung ständig eingeredet werden, wirklich braucht.

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