Dienstag, 31. Januar 2012

Die Angst vor dem Internet

Da trollt nun heute also ein kaum bekannter CDU-Politiker die Netzcommunity mit der Aussage, dass das ja alles nur Minderheiten und Zeiterscheinungen wären. Auf die Details seiner Aussagen will ich gar nicht näher eingehen, denn diese sind mir gar nicht wichtig.

Die viel interessantere Frage ist doch, warum jemand solches Geschreib ablässt. Viele vermuten hier Interessen der Content-Industrie; immerhin wurde ja in dem Text auch zu deren Verteidigung aufgerufen. Doch schon nicht wenige Kommentare gehen weiter und bescheinigen dem Autor eine allgemeine Angst vor neuem. Ich würde hier (und auch in vielen vielen anderen Fällen!) viel konkreter werden: Dieser Mensch hat Angst vor dem Internet! Nicht mehr und nicht weniger.

Ich meine damit keine Angst vor irgendwelchen Inhalten im Netz oder davor, wie das Netz irgendwelche Wirtschaftszweigen nützt oder schadet. Ich meine Angst vor der Struktur des Internets als solcher. Diese Angst ist in "bürgerlichen" Kreisen weit verbreitet – denn das Internet repräsentiert in einer vermutlich nie, zumindest aber in den letzten 2000 Jahren nicht dagewesenen Form das, wovor bürgerliche mit großem Abstand die meiste Angst haben: Die Anarchie.

Das Internet kommt dem Ideal der "Herrschaftslosen Gesellschaft" so nahe wie nichts anderes es je getan hat. Die ganzen ungeschriebenen Gesetze, die das reale Leben regulieren, existieren hier nicht. Ein "Recht des Stärkeren" gibt es nicht, denn es gibt keinen wirklich stärkeren – jeder, der minimale Anforderungen erfüllt, kann selbst zum Autor werden; wird dabei Leser finden und mit seinen Beiträgen die Meinungsbildung beeinflussen. Auch die in der Offline-Welt so ordnende Regulierung durch Angebot und Nachfrage verpufft – denn ein Blog verursacht dem Autor keine Kosten, die er durch eine Ausrichtung auf möglichst viele Leser decken müsste. Ja, oftmals wirken nicht einmal die niedergeschriebenen Gesetze, denn die hängen immer noch an den Grenzen, welche die reale Welt an allem Ecken und Enden durchziehen.

Diese Struktur führt nun dazu, dass man das Netz nicht kontrollieren kann. Das Netz macht, was es will, wie es will und wann es will. Schlimmer noch, es verhält sich oft genug nicht einmal berechenbar! Und hier nun setzt die Panik der Bürgerlichen ein – denn diese sind es gewohnt, dass alles in "geordneten Bahnen" verläuft. Also wird nun versucht, das Internet – so wie jede andere Technologie auch – so lange zu regulieren, bis es sich nicht mehr von schon bekannten Dingen unterscheidet. Dumm halt nur, dass dies beim Internet so gar nicht funktioniert…

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