Freitag, 5. August 2011

Das neue öffentlich

Bei Facebook heißt die Einstellung "Freunde deiner Freunde", Google+ nennt sie etwas abstrakter "erweiterte Kreise" – die Einstellung, mit der man nicht jeden, aber eben auch nicht nur die eigenen Kontakte auf die eigenen Beiträge zugreifen lässt. Für Diskussionen durchaus eine sinnvolle Einstellung, denn nur weil zwei Personen die gleichen Freunde haben, müssen sie noch nicht selbst welche sein.

In der Offline-Welt waren diese "Freunde der Freunde" überwiegend Leute, die man selbst flüchtig kannte, etwa von Partys oder von denen man zumindest aus Erzählungen der eigenen Freunde einmal gehört hat. Doch in der Internet-Welt stimmt dies nicht mehr, denn in einem Bestand von teilweise über 1000 "Freunden" wird eigentlich jeder hinzugefügt, den man irgendwie kennt (böse Zungen behaupten "jeden, von dem man schon einmal gehört hat") – die "Freunde der Freunde" aus der Offline-Welt sind hier also längst drin enthalten. Und weil das ganze jeder so macht, geht es von der anderen Seite genauso – man gibt die Seite also eigentlich für die "Freunde der Freunde der Freunde der Freunde" frei.

An dieser Stelle wird dann das Kleine-Welt-Phänomen relevant. Nach dieser ist jeder Mensch mit jedem anderen Menschen über gerade einmal sechs Stufen bekannt. Die oben genannte Einstellung sind vier Stufen. Und die beiden letzten Stufen? Das sind Personen, die nicht einmal jemanden flüchtig kennen, der einen selbst flüchtig kennt – also Leute, die sich mit Sicherheit nicht für einen interessieren.

Insofern, wo ist eigentlich der Unterschied zwischen "Freunde deiner Freunde" und "Öffentlich"?

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