Donnerstag, 14. Juli 2011

Hartz IV und der Stromverbrauch

Der MDR hat gerade gemeldet, dass die Regelsätze bei Hartz IV für die Stromkosten zu niedrig seien. Dass dieses Ergebnis aus der "Studie" herauskommt, war ja eigentlich vor der Meldung klar (weil sonst gibt's keine Meldung), das Ergebnis ist dennoch zu hinterfragen.

Zunächst einmal sei zu erklären, wie dieser Regelsatz definiert ist: Für die erste Person in einem Haushalt sind dies 321,60€; für jede weitere Person 96,60€ zusätzlich. Aus irgendeinem Grund gibt es hiervon eine Abweichung für die dritte Person von 257,28€ (in dem konkreten Beispiel ein zweiter Erwachsener; während alle anderen Personen Kinder sind?). Für einen 4-Personen-Haushalt stehen so beispielsweise 722,08€ zur Verfügung.

Die Staffelung hat relativ wenig (um nicht zu sagen gar nichts) mit der Realität zu tun. Einen Unterschied, ob es sich bei einer Person um einen Erwachsenen oder ein Kind handelt, gibt es in den üblichen Verbrauchsstatistiken *nicht*.

Für die Verbrauchsberechnung hat der MDR leider den Fehler gemacht, den Durchschnittsverbrauch inklusive Warmwassererzeugung anzusetzen (der afaik zu den Heizkosten fällt), wodurch die Zahlen recht deutlich erhöht sind. Eine den realen Durchschnitten sehr nahe kommende Formel sind 1000 kWh "Grundumsatz" für die leere Wohnung und 500 kWh pro darin lebende Person. Übertragen wir das ganze einmal auf die Berechnungsgrundlage des Regelsatzes, geht man offenbar davon aus, für knapp 100€ 500kWh Strom (macht genauer einen Arbeitspreis von 19,32ct) und für 31,80€ die Grundgebühr zu kriegen.

Diese Preise sind sehr vorsichtig ausgedrückt utopisch. Die Grundgebühr liegt in der Realität bei mehr als dem doppelten; die Arbeitspreise nähern sich der 25ct-Marke.

Interessant ist das Beispiel des 3-Personen-Haushaltes, da hier ja dieser ominöse Erwachsenden-Satz enthalten ist. Selbiges gibt bei mir hier tatsächlich einmal einen recht gut passenden Wert (mit Grundversorger kostet's hier 670€). Das liegt daran, dass 250€ für eine weitere Person in meiner Rechnung (anders als beim MDR!) dann doch mal zu viel sind. Am besten kommen zwei Erwachsene ohne Kinder weg – irgendwie mal wieder bezeichend für die Hartz-IV-Gesetzgebung.

Ein sinnvoller Satz ist analog der oben schon angedeuteten Formel deutlich einfacher zu konstruieren als das derzeitige Modell: 450€ für die erste Person und 150€ für jede weitere. Ob Kind oder nicht, darf hier keine Rolle spielen. Warmwasser per Strom muss davon unabhängig mit 300€ pro Person bezahlt werden. Bei diesem Zahlen werden die Kommunen wahrscheinlich mehr als interessiert sein, den Leuten beim Stromsparen zu helfen - auch da hab ich gerade ein nettes Projekt gesehen.

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