Samstag, 30. Juli 2011

Die Smartphone-Revolution

Das Internet ist in den Köpfen vieler "Offliner" noch gar nicht angekommen, da kündigt sich jetzt so langsam die nächste Revolution an – die der Smartphones.

Hat der Buchdruck das Wissen von dem einzelnen Buch befreit, Radio und Fernsehen gleich von jedem Datenträger beim Nutzer und das Internet von der festen Rollenverteilung von Sender und Empfänger, so erledigt das Smartphone die Befreiung von Häusern und dem, was so dazu gehört (Stromnetz, Telefonanschluss). Es bleiben nur noch eine sporadische Stromversorgung (ich bin mir sicher, auch dies ist dank Solarzellen nur noch eine Frage der Zeit) und das Mobilfunknetz.

Für eine Stubenhocker-Nation wie Deutschland spielt dies kaum eine Rolle; entsprechend ist es auch nicht verwunderlich, hierzulande öfters das allseits beliebte "das braucht man nicht!" zu hören – klar, wenn sich das Leben sowieso nur um Umfeld der eigenen Telefondose abspielt. Schon im Mittelmeerraum sieht die Sache anders aus. Das Handy am Ohr gehört ja schon länger zum Klischee-Italiener. Festnetz braucht der schon lange nicht mehr zum Quaseln. Noch deutlicher wird das ganze in Entwicklungsländern, in denen längst die Zahl der Handynutzer die der Festnetz-Anschlüsse um ein Vielfaches übersteigt – in Kenia kommen beispielsweise auf einen Festnetz-Nutzer 30 mit Handynutzer. Smartphones sind dort nicht nur "Edel-Handys", sie sind das Büro in der Westentasche – und zwar ein Büro, dass sich nicht mit der lausigen Stromversorgung herumschlagen muss.

Der Begriff "Büro in der Westentasche" deutet dann schon die zweite Dimension dieser Revolution an, wobei es diese eher noch untertreibt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden dutzende Geräte entwickelt, die uns das Leben leichter machen sollen. Und nun kommt da so ein Smartphone und macht sie gleich in Rudeln mehr oder weniger überflüssig:
  • Das offensichtlichste Opfer ist das klassische Handy. Warum, muss man wohl nicht fragen.
  • PDAs gibt es heute schon gar nicht mehr, denn so teuer ist das GSM-Modul nicht, dass ein solches zu einem (einfachen) Smartphone macht.
  • Die Uhr ist schon dank des Handys längst in die Tasche gewandert.
  • Festnetz-Telefon? Das ist eh schon tot.
  • Ein Handy als Notizzettel geht manchmal; durch die T9-Tastatur aber eher schlecht als Recht. Mit einem Smartphone dank virtueller oder sogar realer Tastatur kein Thema.
  • Ein Navigationssystem? Macht das Smartphone – allem Unken zum Trotz übrigens meistens mit ähnlicher Genauigkeit.
  • Digitalkamera? Wenn sie ein richtiges Objektiv hat, hat sie noch Vorteile (mal sehen, ob das auch irgendwann kommt), aber wenn da eh nur eine Winz-Linse drin sitzt, tut's auch hier das Smartphone.
  • Das Radio wird vom Smartphone einfach mal assimiliert (sprich: Die meisten können das halt auch). Ansonsten dank des Internets früher oder später wohl eh egal.
  • Seine Daten auf einem USB-Stick umher tragen, dürfte wohl auch bald ein Ende haben. Das Smartphone macht das im Nebenjob.
  • Einen PC (egal, ob nun Desktop oder Laptop) braucht man auch nur noch, wenn das große Display oder die hohe Leistung gefragt sind; die heute häufigste Anwendung (das Surfen im Netz) erledigt mal wieder das Smartphone.
Einige weitere Anwendungen werden hier in Zukunft noch folgen.
  • Einen Fernseher kann ein Smartphone dank der niedrigen Bandbreiten und der damit verbundenen Kosten heute noch nicht ersetzen und DVB-T kann bisher noch kein einziges Gerät. Aber das sind alles lösbare Probleme.
  • Wozu eigentlich eine Taschenlampe? Wer hat nicht schon einmal sein Handy-Display als solche missbraucht. Der Akku ist problemlos dazu in der Lage, ein ein auf die gewünschte Lichtfarbe eingestelltes Display über Stunden zu versorgen. Einzig dessen Helligkeit reglementiert hier. Mit der richtigen Maximal-Helligkeit kann das Smartphone dann sogar als eine deutlich umfangreichere Notbeleuchtung dienen – man denke auch hier mal wieder an Entwicklungsländer mit ihrem lausigen Stromnetz.
In meinem Haushalt gibt es außerhalb der Küche kaum ein elektrisches Gerät, dass man in der "Smartphone-Ära" wirklich noch braucht. Klar, das eine oder andere ist in irgendeiner Form durch seine Spezialisierung im Vorteil: Am PC schreibt es sich dank richtiger Tastatur schneller und viele Anwendungen haben es auch leichter; die Stereo-Anlage klingt besser als so ein Handy-Lautsprecher und ein großer Fernseher erzeugt eine völlig andere Atmosphäre als so ein 4"-Winzling – aber wirklich unumgänglich brauchen im Sinne von "ohne diese Funktion ist man von der Welt abgehängt"? Nö.

Insofern bietet diese Geräteklasse eine gute Chance, den "digital devide" sehr deutlich zu verkleinern – denn der Effekt von guter und schlechter Internetanbindung ist im Vergleich zu dem Fall von gar keiner nur noch sehr klein. Und ist dieser erste Schritt erst einmal getan, ist es für den nächsten nicht mehr wirklich weit. Wer weiß, vielleicht ist es bei einem internationalen IT-Projekt irgendwann genauso üblich, dass dort Leute aus Mombasa mitarbeiten, wie heute solche aus Mailand, Manhatten, Moskau oder inzwischen auch Mumbai…

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