Dienstag, 12. April 2011

Firefox 4 und die digitale Spaltung

Für die aktuelle Version des Webbrowsers Firefox gibt es eine mehr als interessante Statistik über die Downloads, in der einmal in sehr großem Umfange erfasst wird, wer von wo den Browser herunter lädt. Bei einer Gesamtzahl von inzwischen fast 77 Millionen Downloads und einem Zeitraum von jetzt drei Wochen lassen sich aus diesen Zahlen einige Erkenntnisse über die Verbreitung des Browsers und ziemlich direkt wohl auch des Internets in verschiedenen Teilen der Welt ablesen – immerhin hat mehr als 1% der Weltbevölkerung dieses Programm jetzt schon heruntergeladen…

Da wäre an erster Stelle die Verteilung auf die Kontinente: In Europa, Nordamerika und Ozeanien hat jeder zwanzigste bis jeder dreißigste Einwohner Firefox 4 heruntergeladen; in Südamerika schon nur noch jeder 70ste. In Asien ist es gerade einmal jeder 300ste, in Afrika sogar nur jeder 500ste.

Einzelne Staaten sorgen hier natürlich für riesige Ausreißer – etwa macht Ägypten, dass nicht einmal 10% der Bevölkerung Afrikas beherbergt über ein drittel aller Afrikanischen Downloads aus. Zusammen mit den anderen Mittelmeer-Staaten und Südafrika machen diese gar 3/4 aus, bei 20% der Einwohner. Der Totalausfall Libyens wundert wohl niemanden. Für den Rest Afrikas ergibt sich damit gar nur eine Quote von 1/1800 Einwohnern...

Die Werte aus Europa bergen dagegen wenige Überraschungen. In den Staaten, die keine EU-Mitglieder sind (Russland und die Türkei werden jeweils komplett zu Europa gerechnet), ist die Quote jeweils nur etwa halb so hoch wie innerhalb der EU, das war es dann aber eigentlich schon. Ebenfalls wenig überraschend ist Nordamerika, hier hat Mexiko eine Quote von 1/100, während sich die beiden reichen Nachbarn im Norden um die 1/15 bewegen. Südamerika beginnt mit Brasilien und einer Quote von 1/80. Im Rest des Kontinents sieht es nicht wesentlich anders aus; einzig Chile ragt mit 1/33 etwas heraus.

Der Wert Ozeaniens wird naturgemäß von Australien dominiert, eine Quote von 1/18 gibt es hier. Allerdings macht Neuseeland praktisch den kompletten Rest aus; das eigentlich größere Papua-Neuguinea kommt auf 1800 Downloads – eine Quote von 1/2800.

Die Aufteilung in Asien (in der Statistik ohne Russland und die Türkei gerechnet) ist für mich die überraschendste, da zumindest einige der vermeintlichen Entwicklungsländer mit durchaus nicht ganz niedrigen Quoten dienen können. An erster Stelle liegt hier Indien (Quote 1/500), dann bereits das von mir wesentlich niedriger erwartete Indonesien (1/100). Eine ähnliche Quote leisten sich auch die weiteren Staaten Asiens, interessanter Weise egal ob reich (Japan, Südkorea, Taiwan) oder eher arm (Vietnam, Philippinen, Malaysia, Thailand). Man vermisst indes das größte Land der Welt – in China gab es gerade einmal gut eine halbe Million Firefox-4-Downloads, was einer Quote von nur 1/2500 entspricht. Dagegen kommt das bettelarme Bangladesh (1/1000) richtig gut weg.

Natürlich sind die Zahlen kein direkter Gradmesser der Internet-Verbreitung in den jeweiligen Ländern, besonders deutlich wird dies an den Werten aus den reichen Staaten Ostasiens, welche eher durch eine niedrige Popularität von Firefox begründet sein dürften. Auch werden wohl in Ländern mit sehr schlechten Internet-Anbindungen andere Verbreitungswege aushelfen, während in jenen mit besonders guten solchen auch mal der Zweitrechner für einen zweiten Download in der Statistik sorgt. Trotz allem zeigen diese Staaten sehr deutlich, dass es weiterhin eine starke "digitale Spaltung" der Welt gibt. Diese ist zwar bei weitem nicht so gewaltig wie jene der Einkommen, dennoch aber ein Thema, über das man nachdenken sollte.

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