Montag, 18. April 2011

Die Absurdität der Abschreckung

Kaum ein Argument prägt die Gesetzgebung in unserer Gesellschaft so sehr, wie das der "Abschreckung", welches dann auch gleich für die Forderung nach schärferen Strafen herhalten darf. Hinterfragt wird diese Argumentation dabei selten, denn dann würde sie wohl wie eine Seifenblase zerplatzen…

Hinter dieser Argumentation steckt offenbar der Glaube, dass jede kriminelle Tat irgendeinen Nutzen für den Täter hätte, welcher dann durch eine besonders harte Strafe soweit gemindert würde, bis er die Tat aus Unrentabilität nicht mehr begeht. Dies mag für Finanzdelikte oder auch in Bereichen der organisierten Kriminalität gelten; für die allermeisten Straftaten sind harte Strafen aber völlig bedeutungslos und auf teilweise sogar kontraproduktiv. Straftaten, die aus den Affekt oder aufgrund eines Triebes werden Seitens des Täters überhaupt nicht; solche aus einer Notlage heraus nur stark reduziert auf ihre Folgen hinterfragt – dabei geht es sowohl um die Folgen der Tat selbst wie auch um die Folgen einer eventuellen Strafe.

Besonders offensichtlich wird dieses Problem bei Triebtätern – diese unterliegen einem inneren Zwang eine bestimmte Handlung zu begehen. Dieser Zwang ist nicht kontrollierbar und kann völlig den eigentlichen moralischen Vorstellungen der Person widersprechen. Folgerichtig ist es auch kein Widerspruch, wenn Triebtäter auf die Außenwelt als "völlig normale Menschen" wirken – solange nichts da ist, was diesen Zwang auslöst, SIND sie völlig normale Menschen. Bei Triebtätern bringen Strafen – gleich ob hart oder weniger hart – rein gar nichts. Das die Tat moralisch falsch ist, muss man diesen Leuten nicht sagen. Vielmehr muss man diese Personen wie Süchtige behandeln, die von ihrer Sucht zu befreien sind.

Nicht viel besser wird das ganze bei einer Straftat aus dem Affekt. Wohl jeder hat schon einmal aus Wut heraus irgendeinen Gegenstand in die Ecke geworfen oder auch nur jemanden, der einem auf die Nerven geht, angebrüllt. Eine solche Handlung ist objektiv betrachtet bestenfalls sinnlos, manchmal aber auch schädlich – wie man hinterher, wenn man den Gegenstand dann nur noch zusammenfegen kann oder der angebrüllte Chef einen gefeuert hat, selbst merkt. Auch hier gibt es nichts abzuschrecken, denn über die Folgen denkt man sowieso erst hinterher nach. Viel wichtiger wäre hier allerdings – soweit möglich – eine Wiedergutmachung. Wie weit eine Strafe dieser dient, kann man sicherlich geteilter Meinung sein; ich denke überhaupt nicht.

Bei Straftaten, die aus einer Notlage heraus geschehen, wird zum Teil dann durchaus über die Folgen der Tat nachgedacht – dies aber viel mehr als moralischen Geschichtspunkten denn aus Angst vor vermeintlich harten Strafen. In einer solchen Situation kann sogar dazu kommen, dass diese "Strafe" eigentlich eine Verbesserung gegenüber der derzeitigen Lage darstellen kann. Eine Abschreckung kann hier also durchaus nach hinten losgehen; solange die Tat selbst nicht mit der Moral des Täters kollidiert. Dies ist einer der Gründe, wieso einbrechende Junkies fast nie Waffen bei sich tragen – während sie Diebstahl als aus ihrer Not heraus als gerechtfertigt ansehen, gilt dies für Gewalttaten nicht. Diese moralische Grenze wird übrigens durch die von der Gesellschaft in Form von Strafen akzeptierte Form der "Gewalt" sehr stark beeinflusst – findet die Gesellschaft harte Strafen normal, wird auch der Einbrecher solches normal finden… Was tut man nun gegen solche Taten? Naja, am einfachsten die Not beseitigen – wer nicht in eine Notlage gerät, wird auch nicht aus einer solchen heraus eine Straftat begehen.

Jetzt kommen wir dann zu der einzigen Gruppe, wo eine Abschreckung theoretisch funktionieren könnte, den "Überzeugungstätern", also Personen, die in mehr oder minder vollem Bewusstsein dessen, was sie da tun, eine Straftat begehen. Hier mag man erst einmal an sadistische Mörder oder Terroristen denken; die Kriminalstatistik aber denkt hierbei viel mehr an Steuerhinterzieher.

Also müsste man jetzt eigentlich fordern: "Todesstrafe für Steuerhinterzieher!". Oder einfach pro angefangene 100€ einen Körperteil abhacken? DIESE Strafen würden abschrecken, aber dann beißen sich ja bestimmte Leute selbst…

Dienstag, 12. April 2011

Firefox 4 und die digitale Spaltung

Für die aktuelle Version des Webbrowsers Firefox gibt es eine mehr als interessante Statistik über die Downloads, in der einmal in sehr großem Umfange erfasst wird, wer von wo den Browser herunter lädt. Bei einer Gesamtzahl von inzwischen fast 77 Millionen Downloads und einem Zeitraum von jetzt drei Wochen lassen sich aus diesen Zahlen einige Erkenntnisse über die Verbreitung des Browsers und ziemlich direkt wohl auch des Internets in verschiedenen Teilen der Welt ablesen – immerhin hat mehr als 1% der Weltbevölkerung dieses Programm jetzt schon heruntergeladen…

Da wäre an erster Stelle die Verteilung auf die Kontinente: In Europa, Nordamerika und Ozeanien hat jeder zwanzigste bis jeder dreißigste Einwohner Firefox 4 heruntergeladen; in Südamerika schon nur noch jeder 70ste. In Asien ist es gerade einmal jeder 300ste, in Afrika sogar nur jeder 500ste.

Einzelne Staaten sorgen hier natürlich für riesige Ausreißer – etwa macht Ägypten, dass nicht einmal 10% der Bevölkerung Afrikas beherbergt über ein drittel aller Afrikanischen Downloads aus. Zusammen mit den anderen Mittelmeer-Staaten und Südafrika machen diese gar 3/4 aus, bei 20% der Einwohner. Der Totalausfall Libyens wundert wohl niemanden. Für den Rest Afrikas ergibt sich damit gar nur eine Quote von 1/1800 Einwohnern...

Die Werte aus Europa bergen dagegen wenige Überraschungen. In den Staaten, die keine EU-Mitglieder sind (Russland und die Türkei werden jeweils komplett zu Europa gerechnet), ist die Quote jeweils nur etwa halb so hoch wie innerhalb der EU, das war es dann aber eigentlich schon. Ebenfalls wenig überraschend ist Nordamerika, hier hat Mexiko eine Quote von 1/100, während sich die beiden reichen Nachbarn im Norden um die 1/15 bewegen. Südamerika beginnt mit Brasilien und einer Quote von 1/80. Im Rest des Kontinents sieht es nicht wesentlich anders aus; einzig Chile ragt mit 1/33 etwas heraus.

Der Wert Ozeaniens wird naturgemäß von Australien dominiert, eine Quote von 1/18 gibt es hier. Allerdings macht Neuseeland praktisch den kompletten Rest aus; das eigentlich größere Papua-Neuguinea kommt auf 1800 Downloads – eine Quote von 1/2800.

Die Aufteilung in Asien (in der Statistik ohne Russland und die Türkei gerechnet) ist für mich die überraschendste, da zumindest einige der vermeintlichen Entwicklungsländer mit durchaus nicht ganz niedrigen Quoten dienen können. An erster Stelle liegt hier Indien (Quote 1/500), dann bereits das von mir wesentlich niedriger erwartete Indonesien (1/100). Eine ähnliche Quote leisten sich auch die weiteren Staaten Asiens, interessanter Weise egal ob reich (Japan, Südkorea, Taiwan) oder eher arm (Vietnam, Philippinen, Malaysia, Thailand). Man vermisst indes das größte Land der Welt – in China gab es gerade einmal gut eine halbe Million Firefox-4-Downloads, was einer Quote von nur 1/2500 entspricht. Dagegen kommt das bettelarme Bangladesh (1/1000) richtig gut weg.

Natürlich sind die Zahlen kein direkter Gradmesser der Internet-Verbreitung in den jeweiligen Ländern, besonders deutlich wird dies an den Werten aus den reichen Staaten Ostasiens, welche eher durch eine niedrige Popularität von Firefox begründet sein dürften. Auch werden wohl in Ländern mit sehr schlechten Internet-Anbindungen andere Verbreitungswege aushelfen, während in jenen mit besonders guten solchen auch mal der Zweitrechner für einen zweiten Download in der Statistik sorgt. Trotz allem zeigen diese Staaten sehr deutlich, dass es weiterhin eine starke "digitale Spaltung" der Welt gibt. Diese ist zwar bei weitem nicht so gewaltig wie jene der Einkommen, dennoch aber ein Thema, über das man nachdenken sollte.