Sonntag, 13. März 2011

Wenn Regeln nicht mehr helfen

Durch meinen Twitter-Ticker wanderte vorhin die Meldung zum Tod des Schauspielers Dietmar Mues. Der Name sagte mir erst einmal nichts, also habe ich einmal recherchiert. Mues, seine Ehefrau und zwei weitere, ebenfalls nicht unbekannte Personen sind als Fußgänger im Zuge eines der wohl schwersten Verkehrsunfälle Hamburgs in den letzten Jahren geworden – bei diesem Unfall sind mehr Menschen gestorben, als im hamburgischen Straßenverkehr in einem durchschnittlichen Monat.

Die Freie und Hansestadt Hamburg hat seit einigen Jahren sehr erfolgreich die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle reduziert, auf 30-40 pro Jahr. Dieser Wert dürfte weltweit einer der niedrigsten sein. Zum Vergleich: Der sicherste Staat der EU ist Malta mit mehr als doppelt so vielen Toten pro Einwohnerzahl; der Bundes-Durchschnitt ist etwa beim dreifachen.

Doch alle Sicherheit hilft nicht gegen absoluten Irrsinn, der in diesem Falle schon fast an mutwilligen Mord erinnert: Ein offenbar komplett zugedröhnter Autofahrer ist mit massiv überhöhter Geschwindigkeit mit einem Fiat Punto durch Hamburg Eppendorf gerast. Ob und mit was jemand zugedröhnt ist, ist für mich dabei zwar eine Erklärung, aber keine Rechtfertigung – an dieser Stelle bin ich ziemlich radikal: Wenn jemand auch nur mit einem minimalen Rauschzustand (dafür reicht für mich eine Zigarette!) einen Unfall verursacht, darf diesem gerne auf Lebenszeit der Führerschein entzogen werden. Dummer Weise war er dabei nicht alleine, denn der ebenfalls nicht unbekannte Schauspieler Peter Striebeck war mit seinem Golf Cabrio an der riesigen Kreuzung Lehmweg/Eppendorfer Baum "im Weg". Diese Kollision verlief noch einigermaßen glimpflich, jedoch hat sich der Wagen des Rasers danach überschlagen – etwas, was für mich recht deutlich sagt, wie schnell dieser Irre gefahren sein muss, denn rund 1 Tonne Leergewicht reagieren bei selbst bei 80 km/h nicht auf diese Art. Gelandet ist der Wagen in einer Gruppe Passanten, von denen vier starben und acht zum Teil schwer verletzt wurden.

Bei jedem Unfall stellt sich natürlich die Frage, wie man einen solchen verhindern kann. Ich gehöre hier nicht zu den Leuten, die deswegen jedes Auto bei 30 km/h abriegeln wollen oder andersherum einfach Fußgänger verbieten wollen. Jedoch sollte man einmal die Frage stellen, ob es wirklich sinnvoll ist, wenn wir Straßen durch unsere Städte bauen, die in ihrer Breite einer Rennstrecke in nichts nachstehen. Die beste Regel ist nämlich immer noch die Physik; dieser kann sich auch ein zugedröhnter Idiot nicht entziehen. Wäre die Straße wesentlich enger gewesen, hätte die Raserei vielleicht lange vorher an einer Hauswand ihr Ende gefunden. Es mag sein, dass dies für den Raser nicht gut ausgegangen wäre; aber dabei hätte es – hart ausgedrückt – wenigstens den richtigen getroffen…

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