Dienstag, 8. März 2011

Lösungsansatz für E10

Derzeit ist ja nun der Biosprit E10 in aller Munde. Eine Mischung aus Panikmache und völligem Unwissen der Verbraucher über so ziemlich *alles*, was dieses Themenfeld betrifft hat hier verbunden mit realen Problemen mal wieder zum medialen GAU geführt.

Aus diesem Grunde einmal der Versuch, das ganze so zu erklären, dass es alle verstehen – in einem Text, der wahrscheinlich vernichtende Zukunftsängste schüren wird, aber nur so kann man endlich einmal das Bewusstsein für die erforderliche Änderung schaffen.

Benzin und Diesel werden aus Erdöl gewonnen. Einer Substanz, die daneben vor allem auch für die Herstellung jeder Art von Kunststoffen und für die Produktion von Düngemitteln gebraucht wird. Von allen Verwendungen überwiegt die als Brennstoff für Autos und zu einem kleineren Teil als Heizöl.

Doch Erdöl ist eine endliche Ressource, die in wenigen Jahren aufgebraucht sein wird. Mit dem Ende des Erdöls wird unsere Zivilisation, so wie wir sie heute kennen, zusammenbrechen. Und es stehen Kriege zu befürchten, deren einziges Ziel darin besteht, so viele Menschen wie nur möglich zu töten, um diese als Nahrungskonkurrenten los zu werden. Einen ersten, vergleichsweise winzigen Vorgeschmack lieferte die Krise 2008 in den USA und diente als letzter Auslöser der Revolutionen im arabischen Raum.

Parallel dazu steigt die Nachfrage nach Erdöl derzeit insbesondere in China, wo 2010 etwa 15 Millionen Autos verkauft wurden – vornehmlich an Personen, die zuvor kein Auto besaßen. Zum Vergleich in Deutschland wurden im gleichen Zeitraum etwa 3 Millionen Autos verkauft, wobei der Gesamtbestand nur um knapp eine halbe Million stieg. Auch in den kommenden Jahren wird die Zahl der Autos weltweit deutlich steigen.

Wann das Erdöl am Ende sein wird, weiß niemand genau, da die Angaben zu dem noch vorhandenen Erdöl nicht überprüft werden können. Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), welche etwa die Hälfte der weltweiten Ölförderung und zwei Drittel der proklamierten Vorräte besitzen, hat bereits in den 1980er Jahren eine Regelung eingeführt, dass die Fördermengen im Verhältnis der noch vorhandenen Vorräte zwischen diesen Staaten verteilt werden. Das Ergebnis war vor allem eine deutliche Anhebung der von den Staaten behaupteten Vorräte. Genauere Aussagen zu diesen sind in den entsprechenden Staaten Staatsgeheimnisse. Auch hat trotz anhaltender Förderung kein einziger OPEC-Staat jemals verbrauchte Erdölvorräte offiziell gemeldet. Dies lässt befürchten, dass die Vorräte dieser Staaten deutlich übertrieben sind und bereits 1985 nur bei der Hälfte der für heute behaupteten Mengen lag, wovon etwa die Hälfte bis heute nachweislich verbraucht wäre.

Die weltweite Ölförderung ist seit 2004 nicht weiter gestiegen; selbst als die Preise Mitte 2008 so hoch waren, dass sich eine weitere Steigerung gelohnt hätte, blieb diese aus. Dies wird von verschiedenen Experten als Indiz gewertet, dass sich die derzeitige Förderung nicht mehr weiter steigern lässt. Die weiteren Steigerungen bei dem Verbrauch an Benzin wird vor allem durch Kraftstoff-Anteile gedeckt, welche aus Pflanzen entstehen. In den USA, China und Europa sind hierzu in den vergangenen Jahren unterschiedlichste Anteile zwischen 5% (wie bisher in Deutschland) und 85% (welches in diversen Ländern optional angeboten wird) eingeführt worden.

Zwar werden vereinzelt neue Ölquellen gefunden, diese sind jedoch viel zu klein, um einen Mangel längerfristig aufzuhalten und oft erst bei Ölpreisen noch weit über dem heutigen kostendeckend förderbar. Die meisten Schätzungen gehen davon aus, dass im Verlauf der kommenden 10 Jahre die weltweite Ölförderung beginnen wird zu fallen. Hierbei wird von einem Rückgang von etwa 5% pro Jahr gerechnet – bei parallel steigender Nachfrage. Diese Nachfrage reagiert zudem nur sehr wenig auf Preissteigerungen – zwar wird weltweit über die Preise geklagt, jedoch nur selten der Verbrauch durch weniger Fahrten oder eine defensivere Fahrweise entsprechend reduziert. Bereits der Ausfall von gerade einmal 2% derzeit in Libyen hat den Ölpreis um etwa 20% steigen lassen, so dass bei einem nachhaltigen Rückgang eine Preissteigerung zu erwarten ist, die unseren Benzinpreis selbst bei Erlass sämtlicher Steuern auf ein Niveau weit über dem derzeitigen treiben würde.

Die bisherigen Einsparungen beim Benzinverbrauch reichen nicht ansatzweise aus, um die zukünftig sinkende Ölförderung abzufangen. Hierfür müsste der Gesamtbestand aller Fahrzeuge weltweit dauerhaft jedes Jahr in etwa dem Umfange sparsamer werden, wie dies die Neuwagen in Deutschland im Jahr 2010 gegenüber dem Jahr 2009 getan haben.

Unsere einzige Chance ist es daher so schnell wie möglich völlig vom Öl weg zu kommen. Hierfür müssen verschiedene Lösungen miteinander kombiniert werden.

So viele Fahrzeuge wie möglich, müssen hierzu bald durch elektrisch angetriebene Fahrzeuge ersetzt werden. Diese benötigen für ihren Betrieb zwar Strom, jedoch keinerlei Erdöl. Auch Autofahrten, auf die völlig verzichtet werden kann, etwa indem sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln absolviert werden, reduzieren den Erdölverbrauch deutlich.

Noch sind Elektroautos relativ teuer und haben eine stark eingeschränkte Reichweite, weshalb sie nur für einen kleinen, jedoch im Zuge zu erwartender Verbesserungen beider Merkmale stetig wachsenden Kreis interessant sind. In dieser Übergangszeit werden wir weiter mit Verbrennungsmotoren fahren, für die ein niedriger Erdöl-Verbrauch essenziell wichtig ist. Ein Teil der Reduzierung des Erdöl-Bedarfs leisten bessere Motoren; einen anderen die Ethanol-Beimischung.

Für einige Fahrten werden auch längerfristig Verbrennungsmotoren erforderlich sein. Diese werden dann mit einem reinen Ethanol-Kraftstoff betrieben werden müssen. Hierbei kann aus ökologischen Gründen die Gesamtförderung nicht nennenswert über das heute schon vorhandene Maß von 10% erhöht werden. Dies bedeutet, dass der Gesamtverbrauch aller verbliebenen Verbrennungsmotoren gerade einmal diese 10% des heutigen Verbrauchs betragen darf. Die anderen 90% des Verbrauchs müssen durch technische Verbesserungen, Elektrofahrzeuge und schlichten Verzicht entfallen. Es steht anzunehmen, dass Fahrzeuge, die heute als "extrem sparsame Kleinwagen" gelten, in etwa 20 Jahren die einzigen Fahrzeuge sind, deren Unterhalt noch wenigstens für Berufsfahrer finanzierbar bleibt. Weitere, hier nicht näher erörterte Probleme entstehen aus dem erforderlichen Ersatz von Erdöl in anderen Bereichen.

Keine Kommentare: