Donnerstag, 9. Dezember 2010

Die Chinesen kommen! Wirklich?

Die letzten Tage habe ich mich – vornehmlich um eine ganze Reihe neuer Wikipedia-Artikel zu erstellen – einmal mit chinesischen Autos beschäftigt. Dabei begegnen einem natürlich auch Aussagen zu Verkaufszahlen und Einschätzungen über den chinesischen Markt.

Zunächst einmal muss man verstehen, dass ausländische Hersteller in China nicht selbst ein Werk bauen können, sondern einen inländischen Partner brauchen, dem das Werk de iure gehört. Alternativ kann man die Autos mit horrenden Zöllen importieren. Dieses Modell ist keineswegs neu; einzig sein Umfang ist außergewöhnlich: Praktisch jeder namhafte Hersteller ist in China mit einem solchen Partner am Werk. Und genau diese dominieren auch den Markt.

Chinesen kaufen vor allem Stufenheck-Limousinen mit etwas unter 4,5m Länge. "Vor allem" heißt hier, dass in einem üblichen Monat die 10 meistverkauften Modelle durchweg dieser Klasse entstammen und bereits diese zusammen etwa 2/3 der Gesamt-Verkaufszahlen ausmachen – alle anderen Fahrzeugklassen sind also Randerscheinungen. Entsprechend sieht das Angebot aus: Viele Hersteller haben zwei oder gar drei Modelle dieser Größe (meist das aktuelle westliche, den unmittelbaren Vorgänger und ein minimal modernisierter Modell einer eigentlich höheren Klasse von vor 20-30 Jahren.

Dass chinesische Autos in Crashtests in anderen Ländern regelmäßig eine Klatsche kriegen (was hier bisher nach Europa kam, gehört noch zur Elite!), ist in China durchaus bekannt. Bei den meisten chinesischen Herstellern gehören Airbags für den Fahrer noch immer zur Sonderausstattung und ob der Wagen ABS hat, sollte man auch besser überprüfen. An ESP oder irgendwelche neumodischen Helferchen braucht man gar nicht zu denken; das einzige mir bekannte Fahrzeug, bei dem es ESP wenigstens optional gibt, ist der Emgrand EC8…

Aufgrund der großen Einkommens-Unterschiede – von Leuten, die auch im westlichen Sinne reich sind bis zu Leuten nahe oder unter der absoluten Armutsgrenze gibt es in China alles – gibt es Autos in zahlreichen Preiskategorien. Die chinesischen Hersteller bedienen hiervon vornehmlich die untersten. Der oben schon genannte Emgrand ist einer der ersten Versuche eines chinesischen Herstellers direkt und nicht nur über den Preis mit Marken wie etwa Chevrolet zu konkurrieren. Der Hersteller, in diesem Falle Geely hat aber noch drei weitere Modelle preislich darunter angesiedelt: Den Geely MK, welcher preislich und teilweise auch optisch einem Dacia Logan ähnelt; den Geely CK, welcher die besondere "Ehre" hat, bei einem diesmal in Südamerika durchgeführten Crashtest nach EuroNCAP-Kriterien 0 von 5 Sternen bekommen zu haben und die Modelle der Marke Maple, welche in Chile von verschärften Sicherheitskriterien vom Markt gefegt wurden und deren Versuch einer Einführung in Slowenien ähnlich endete – bei denen ist dann die Sicherheit Glückssache; insofern passt das Kleeblatt als Logo wohl.

Da es bisher kaum höherpreisige und -wertige einheimische Autos gibt und diese entsprechend noch kein Vertrauen bei den Kunden aufbauen konnten, kaufen die Chinesen, wenn sie es sich irgendwie leisten können, ausländische Marken. Die Ironie der Geschichte will es dabei so, dass ausgerechnet Volkswagen die erfolgreichste Marke in China ist. Weitere sind die GM-Marken Buick und Chevrolet sowie Hyundai und Kia aus Südkorea.

Chinesische Autos entwickeln sich allerdings weiter, so dass Modelle wie jene von Emgrand oder auch die Marke Riich von Chery so langsam zumindest in die Nähe der unteren Preisklasse in Europa kommen. Nur, bei den Modelle, die unsere Sicherheitsbestimmungen erfüllen, ist es mit dem Preisbrecher eben auch vorbei…

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