Mittwoch, 27. Oktober 2010

Warum wir (k)ein Integrationsproblem haben

Wo man in Deutschland derzeit hinhört, ist von einem "Integrationsproblem" die Rede. Doch dieses angebliche Problem tut nichts anderes, als uns den Spiegel vorhalten.

Nein Herr Wulff, das Judentum gehört nicht mehr zu Deutschland, denn die einst durchaus große Zahl an Juden in Deutschland hat hier ein Irrer vor gut 60 Jahren wahlweise vertreiben oder ermorden lassen. Heute stehen die Juden in Deutschland gerade noch auf Platz 10 der Religionsgemeinschaften; hinter diversen Orthodoxen Kirchen und hinter den Buddhisten! Dass sie dafür die Atheisten vergessen haben, ist sicherlich ein Versehen?

Was zu Deutschland, wie es ihre Wähler verstehen gehört, ist das Christentum – im Süden und Westen der Katholizismus; im Norden und Osten der Protestantismus. Beides unterscheidet sich nicht groß und schon gar nicht in den von seinen Mitgliedern getragenen Symbolen. Wo man dann doch noch Unterschiede erkennen kann, wird die jeweilige Minderheit dann auch immer noch gerne beschimpft – Katholiken sind schließlich alles Pädophile und Protestanten nehmen doch den Glauben nicht ernst…

Daneben gibt es ein paar geduldete Gruppen, die christliche Variante der Dhimmis – solange Atheisten, Buddhisten oder Anhänger von Naturreligionen die Klappe halten, werden sie als tolle Beispiele der Religionsfreiheit geduldet; fangen sie aber an, ihre eigenen Werte auszuleben, werden sie eingebremst. Fällt der Tag der Frühlingsanfang mit Karfreitag zusammen, haben die Christen auf einmal das Recht für einen Heiden die Religionsfreiheit außer Kraft zu setzen und diesem ihr eigenes Tanzverbot aufzuzwingen – bejubelt von den Medien, sie sich freuen, dass diesem Spinnern keine Chance zum Stören des christlichen Festes gegeben wird…

Und der Islam? Tja, der ist anders! Seine Anhänger verstecken ihren Glauben nicht; sie zeigen vielmehr offen, dass sie keine Christen sind – sie zeigen offen, dass sie an etwas anderes glauben und dass sie andere Werte und Normen haben. Natürlich unterscheiden sie sich hiermit in nichts grundsätzlichem von einem Atheisten, für den Götter Hirngespinste sind, von einem Heiden, für den alles in der Natur eine Seele hat, von einem Buddhisten, für den der Gleichmut der höchste Wert ist oder eben von einem Christen, der nichts mehr fürchtet als den Zorn des eigenen Gottes - nur machen die Moslems etwas schreckliches! Etwas absolut abscheuliches! Sie wagen es doch wirklich, ihren Glauben zu zeigen!

Und dieses Zeigen des Glaubens ist es, wovor konservative Kreise Angst haben. Zwangsheiraten? Nagut, bei echten Deutschen werden Heiraten eher verboten als erzwungen. Und die Ehrenmorde sind lieber finanzieller Art ("Enterbung"). Emanzipation der Frauen? Ja wer holt denn da das Bier! Den Rest ist Kleinkram…

Nein, wir haben kein Integrationsproblem. Wir haben nur ein Pluralismus-Problem! Wir müssen endlich verstehen, dass es unterschiedliche Werte in unserer Gesellschaft gibt. Es gibt keine "Leitkultur", es gibt nur die längst reale multikulturelle Gesellschaft! Und der Islam ist nichts weiter als eine dieser Kulturen. Genauso wie das Christentum nur eine von vielen ist. Ganz egal, ob es Atheisten, Christen, Moslems oder Heiden sind – sie alle sind nur eine Gruppe unter vielen und müssen verstehen, dass sie nicht die Norm sind! Nichts anderes braucht es.

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