Dienstag, 26. Oktober 2010

Warum 130g CO2 viel zu viel sind

Als einst festgeschrieben wurde, dass in der EU angebotene Autos ab 2015 im Durchschnitt einen CO2-Ausstoß von 130g nicht überschreiten sollen, wetterten insbesondere bayrische Politiker – sitzen dort doch gleich zwei Hersteller, die vor allem für sehr große und eben nicht gerade sparsame Autos bekannt sind – über die "Nation der Kleinwagenfahrer" und den einmal mehr wiederkehrenden Untergang des Abendlandes.

Nun geht das Jahr 2010 zu Ende und so langsam macht sich die entsprechende Entwicklung bemerkbar - mit einem je nach Sicht erfreulichen oder erschreckendem Ergebnis: Der Wert erweist sich als viel zu lasch.

Die Frage des technisch machbaren ist noch immer schwer zu beantworten, da verschiedene Hersteller bisher verschiedene Wege gehen, ohne diese miteinander zu kombinieren. Bei Toyota setzt man da auf einen aufwändigen Hybrid-Antrieb, welcher den 'Lexus CT 200h' Anfang 2011 auf 87g CO2 drücken wird - ein Kompaktklasse-Auto! Beim Fiat 500 setzt man auf die Rückkehr des Zweizylinders mit dann 95g und die deutschen Hersteller setzen auf Turbodiesel, mit denen etwa ein VW Polo auf 87g CO2 kommt. Die Ergebnisse unterscheiden sich also nicht groß; die Wege dahin dafür umso mehr. Peugeot hat jetzt für den 508 noch einen 200-PS-Diesel-Hybrid angekündigt, der einmal mehr die schon berühmten 99g schaffen soll.

Der doch erst in 5 Jahren als Durchschnitt über alle Modelle vorgeschriebene Wert von 130g wird bis hoch zur Kompaktklasse von praktisch allen Diesel-Modellen erfüllt, kaum ein Hersteller leistet sich nicht irgendeine 99g-Version. Benziner tun sich hier natürlich schwerer, aber auch hier sind 130g längst in breiter Basis erhältlich. Erst in der Mittelklasse - mit der dann die nennenswerten Stückzahlen auch so langsam aber sicher ihr Ende finden – die "obere Mittelklasse" stirbt ja so langsam aber sicher aus – tun sich dann auch die Dieselmotoren mit den 130g schwerer, was aber keineswegs heißt, dass es hier keine Modelle darunter gibt.

Im April dieses Jahres ließ sich dann auch Toyota als erster Hersteller feiern, der die 130g geschafft hat – zwar noch mit einer Zahl hinter dem Komma, dafür aber eben 5 Jahre früher als gesetzlich erforderlich. Die Modelle der Marke Lexus, die den Wert sicherlich nicht gerade drücken, sind dabei eingerechnet. Die Neuerscheinungen seitdem – die Hybridversion des Auris und dessen Edel-Schwester Lexus CT 200h mit je etwa 90g CO2 – sind hier sicherlich dem Durchschnitt auch nicht abträglich.

Sicherlich, viele andere Hersteller – vor allem jene, die in den letzten Jahren zu sehr auf SUVs gesetzt haben – sind noch nicht so weit, aber mich würde fast wundern, wenn diese die 130g nicht bis 2012 erreichen, dem ursprünglich von der EU für die gesetzliche Vorgabe geplanten Zeitpunkt.

Viel interessanter finde ich allerdings die Frage, wo sich der Verbrauch wohl bis 2015 einfinden wird. Vermutlich werden wir dann 130g-Autos nicht als durchschnittlich, sondern als Dreckschleudern ansehen. Einmal mehr ist der Markt offenbar schneller als die Politik ihm zutraute…

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