Donnerstag, 16. September 2010

Wikipedia und der falsch verstandene Relevanzbegriff

In der Diskussion um die sogenannte "Relevanz" bei Wikipedia scheinen viele nicht zu verstehen, wonach diese Kriterien festgelegt sind oder wozu es solche überhaupt gibt. Hierbei grassieren zumeist irgendwelche wirren Theorien über den Sinn dieser Kriterien – die freundlicheren glauben an eine wie auch immer begründete Absicht zur Begrenzung der Artikelanzahl, die weniger freundlichen auch an Absichten zur Unterdrückung unbequemer Themen. Das ganze gerne verbunden mit panikmachendem Unsinn wie der Aussage, dass Wikipedia schrumpfen würde.

Angelegt wurden diese Kriterien aber zu genau dem gegenteiligen Zweck! Nach der Zeit des anfänglichem wilden Wachstums der Wikipedia gab es nämlich genau das gegenteilige Problem; eine ganze Reihe von Benutzern wollte die Themenauswahl wesentlich strenger eingrenzen – manche propagierten gar noch als die Artikelzahl bereits deutlich 6-stellig war eine Wikipedia von etwa 10.000 Artikeln, die dafür allerdings besonders genau geprüft sein sollten. Zwischen den meisten Benutzern gab es jedoch einen Konsens, dass ein Thema dann für Wikipedia geeignet – "relevant" – ist, wenn es zu diesem Literatur, umfangreiche Medienberichte (bitte zu unterscheiden von "einmaligen Nachrichten"!) oder ähnliches gibt; brauchbare Quellen eben, um daraus einen Artikel zu schreiben. Da dies aber in den wenigsten Artikeln zu erkennen war (der "Einzelnachweis" war noch nicht erfunden und bis heute nicht in allen Artikeln eingeführt), entstanden zunächst oft über 100 Löschdiskussionen jeden Tag – eine kaum handhabbare Masse! Um dies nun irgendwie einzudämmen, wurden Kriterien gesammelt, bei denen man diese Quellen nicht mehr nachweisen muss, sondern einfach als vorhanden annehmen kann. Beispielsweise bezweifelt niemand, dass es zu einer Stadt, einem Bundesminister oder einem Papst Quellen gibt. Mit der Zeit entstand so ein umfangreicher Wust an Kriterien, die eigentlich alle nur eine Konkretisierung der einen einzigen Frage nach den Quellen sind.

Aus diesem Grund kann man eben auch einen "bequellten" Artikel schreiben, ohne sich Gedanken über die Relevanz machen zu müssen – denn diese Quellen selbst verschaffen ja die Relevanz.

Insofern kann man die Relevanzkriterien auch Kriterien, nach denen die Benutzer der WIkipedia ohne eine Einzelfallprüfung davon ausgehen, dass zu einem Thema eine Außenwahrnehmung existiert nennen. Ob das jetzt aber unbedingt die bessere Bezeichnung ist?

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