Dienstag, 7. September 2010

Energiekonzept mit viel heißer Luft

Zu der derzeit viel diskutierten Verlängerung der Restlaufzeiten der Kernkraftwerke gehört auch noch ein vergleichsweise wenig diskutiertes Gesamtkonzept. Positiv an diesem Konzept ist erst einmal seine Existenz als solche, denn oftmals enden die "Konzepte", die man hier und da so hört bereits mit der Stromproduktion. Leider fehlen diesem Konzept jedoch so richtig zündende Ideen, es lässt sich auch beim besten Understatement wirklich nicht als "abitioniert" bezeichnen und schon fast erschreckend oft finden sich Begriffe wie "Aufklären" und "Eigenverantwortung" in den falschen Zusammenhängen. Offenbar plant man, dass im Zuge der Laufzeitverlängerung eingenommene Geld in den Ausbau erneuerbarer Energieen und vor allem in mehr Effizienz zu investieren, anders kann ich mir nicht erklären, wieso sich hier diverse Faktoren positiv entwickeln.

Für die Energieversorgung des Jahres 2050 geht man von einem EE-Anteil von gerade einmal 50% aus. Der Strom käme demnach zur Hälfte aus Windkraft, zu 1/4 aus Solarenergie und Geotherie zusammen und zu je etwa 1/12 aus Wasser, Erdgas und Steinkohle (!). Das etwas seltsame "ohne Laufzeitverlängerung wäre alles schrecklich"-Szenario kommt dagegen auf insgesamt mehr als 1/3 für die fossilen Energieträger, da zum einen von einem deutlich höheren Energiebedarf ausgegangen wird und zum anderen das Wachstum bei der Windkraft geringer angesetzt wird. Dazu muss man wissen, dass es Studien gibt, die bereits für das Jahr 2030 (!) eine 100% regenerative Versorgung auch ohne eine Laufzeitverlängerung für möglich halten. Selbiges ist auch das Ziel der niedersächsischen Piratenpartei für ihr eigenes Bundesland.

Der schon angedeutete geringere Energiebedarf durch die Laufzeitverlängerung liegt man eben bei 50% bis 2050 und bereits 20% bis 2020. Erreicht werden soll dies durch mehr Effizienz, die durch "Eigenverantwortung" und "Aufklärung" erreicht werden soll. Soweit so toll – konkreter wird man auch nur an zwei Stellen. Zum einen sollen E-Autos (Achtung, Festhalten!) von Parkplatzgebühren befreit werden und dürfen auf Busspuren fahren. Mit anderen Worten, die Kommunen zahlen das doch bitte. Außerdem will man die Förderung für die Gebäudesanierung aufstocken (hatte man die nicht gerade erst gekürzt?).

Noch an einer anderen Stelle wird Geld ausgeben, und zwar für Offshore-Windparks. Hier wird von 75 Mrd. Bedarf geredet, deswegen gibt man auch großzügig deren 5 (nein, kein Tippfehler von mir!).

Was haben wir sonst noch? Achja, CCS, wobei da die Betreiber schon abwinken "in Deutschland nicht durchsetzbar", einen Plan (nein, kein Geld) für den Ausbau des Stromnetzes inklusive Aufklärung der Bürger, über deren Dächer dann die Leitungen laufen sollen und ebenfalls Aufklärung für Onshore-Windenergieanlagen.

Insgesamt also recht wenig, aber wenn man von den erwarteten 78 Mrd. € zusätzlicher Gewinne der Stromkonzerne nur 26 einsacken will, ist das wohl wenig verwunderlich.

Was mir fehlt, ist eben ein etwas ambitioniertes Ziel oder eine wirklich gute Idee. Ein paar Ideen auf die Schnelle:
  • Für die Stromproduktion muss jeder Betreiber genau erklären, wieso an irgendeinem Standort nicht der CO2-technisch ideale Neubau vorgesehen werden soll. Dazu setzen wir einen hübschen Grenzwert für den CO2-Ausstoß von Neuanlagen. Liegt eine über diesem, ist auch keien Ausnahme zu bekommen. CCS gibt's hier natürlich nicht!
  • Eine Kennzeichnungspflicht für den Energiebedarf im Betrieb für *sämtliche* elektrischen Geräte in sehr deutlicher Form sowohl mit einem jährlich angepasstem Marktvergleich wie auch mit konkreten Zahlen.
  • Kleine Nettigkeit für Autos, weil mir das immer wieder begegnet: Ist von einem Modell eine nicht weniger als 10% schwächere Variante mit geringerem Verbrauch verfügbar, muss ein entsprechender Warnhinweis angebracht werden. Derzeit kaufen viele in dem Glauben an "wenig Leistung wird wohl sparsam sein" noch Autos mit leistungsschwachen und billigen aber nicht eben sparsamen Grauguss-Motoren.
  • Wiederaufforstung von aufgegebenen landwirtschaftlichen oder militärischen Flächen. Ich vermute, damit wäre die erforderliche CO2-Bilanz fast alleine erreichbar…
  • Verschärfung der EnEV soweit, dass Neubauten noch in dieser Legislaturperiode regenerativ versorgte Passivhäuser sein *müssen* oder eine Begründung geliefert werden muss, wieso eine regenerative Versorgung nicht möglich ist. Sprich: Jeder Neubau hat im Regelfalle _gar keinen_ Heizenergiebedarf mehr.
  • Massive Verschärfung der CO2-Grenzwerte für Autos: die 130g werden nicht als Durchschnitt, sondern als Höchstwert festgelegt. Nur 5% der von einem Hersteller produzierten Modelle dürfen über diesem Wert liegen. Damit bleibt Platz für ein paar "guckt mal, was wir können"-Modelle, die Mehrzahl aber muss massiv auf Verbrauch optimiert werden. Ich persönlich halte die Grundlagen für einen Durchschnitt von 95g auch ohne den Einsatz von Elektroautos bereits heute für gegeben.
  • Apropos Elektroautos: Diese werden mit einer scheinbar hohen Kfz-Steuer von 250€ belegt, dafür kriegen die Käufer aber 5000€ geschenkt. Unterm Strich rentiert sich das ganze für die Käufer immer noch, weil die Verbrauchskosten ja vergleichsweise verschwindend gering sind. Dafür lassen wir den Parkplatz-Quatsch weg.

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