Sonntag, 8. August 2010

Umweltpolitische Erfolge

Umweltpolitisch aktive Personen, gemeinhin auch einfach "Ökos" genannt, haben ja den Ruf, überall nur dagegen zu sein. Dies ist sicherlich insofern richtig, dass die meisten öffentlichen Großprojekte die Probleme, die sie vermeintlich lösen, eigentlich nur verlagern und in ihrer Gesamtheit verstärken. Aber darum will es mir hier gar nicht gehen, sondern darum, was die Umweltpolitik in den vergangenen rund 30 Jahren in Deutschland bereits erreicht hat. Zu diesen Erfolgen möchte ich einmal einen groben Überblick liefern und verdeutlichen, wie es uns ohne diese erginge.

An erster Stelle hätten wir da die Abgase und den Verbrauch der Autos. Das meistverkaufte Auto 1080 war einmal nicht der Golf, sondern ein Mercedes; genauer der W123. Ein Auto, dass zwar partout nicht kaputt zu kriegen ist, allerdings auch ein recht gutes Beispiel dafür, wie es damals an der Verbrauchs-Front aussah. Der Verbrauch lag irgendwo bei 12L/100km, auch wenn später Versionen mit 10L nachgeschoben wurden. Schadstofffilterung ist völlig unbekannt, ein Katalysator war erst ganz zum Ende der Produktionszeit wohl eher experimentell erhältlich. Heute heißt das meistverkaufte Auto wieder Golf und verbraucht in den meisten Versionen um 6L. Die Geschichte der Abgasnormen beginnt überhaupt erst 1992 und seitdem ist der erlaubte Kohlenstoffmonoxid-Ausstoß auf rund 1/3 und der von Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden auf zusammen ein Siebtel der damaligen Grenzwerte gesunken. Im Ergebnis führt dies vor allem dazu, dass der Gesamtverbrauch in Deutschland zugelassener Autos trotz ihrer leider weiter steigenden Zahl seit Mitte der 1990er Jahre sinkt. Bis man wieder auf dem niedrigen Niveau von 1960 ist, müsste er sich allerdings noch einmal halbieren… Autoabgase bleiben natürlich nach wie vor ein Thema, allerdings weitaus weniger dramatisch als etwa in Ostasien, wie das anschauliche Foto aus Peking einmal ohne und einmal mit der dortigen Smog-Glocke zeigt. Selbige wird bei einem Regenschauer "ausgewaschen" (so dass sie dann überall am Boden landen…), so dass nur dann einmal klare Sicht existiert. Auf dem Foto rechts "scheint die Sonne".

Das nächste große Erfolgsthema ist der Müll. In Deutschland sind Mülldeponien inzwischen verboten; eine Müllverwertung (Teilweise Recycling, teilweise leider noch Müllverbrennung) ist inzwischen vorgeschrieben. Im Ergebnis gibt es also keine Müllberge, wie auf dem anschaulichen Foto aus dem Umland von Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik (rechts). So sah es in Europa mancherorts vor 30 Jahren auch noch aus, auch wenn diese Gebiete wenigstens abgegrenzt waren.
Was ohne eine Abgrenzung passiert, veranschaulicht dagegen das Foto hier auf der linken Seite: Der Müll landet irgendwann in einem Gewässer und von davor der Küste anderer Länder.
Daneben gelangen in Deutschland auch keine Schadstoffe mehr als neuen Deponien in den Boden und von dort ins Grundwasser. Leider gibt es noch genug Altdeponien, die nur sehr schwer abgebaut werden können, da dieser Müll erst einmal aufwändig sortiert werden müsste – und das kann man in so einem halb verrotteten Zustand vergessen.

Mit Bildern wie diesen erscheint mir die manchmal etwas nervige Mülltrennerei in Deutschland jedenfalls recht klar als das kleinere Übel!

Gleich weiter geht es mit wenigstens einer Komponente des Energieverbrauchs, welcher dann doch mal gesunken ist: Die Heizenergie. Eine erste Vorschrift, die irgendwie vorgab, wie ein Haus gedämmt sein müsse, trat 1977 in Kraft. Die damaligen Werte sind lasch ohne Ende, aber immerhin es gab einmal welche. Inzwischen ist diese Vorschrift recht streng und bis 2019 wird wohl EU-Weit vorgeschrieben sein, dass ein Haus alleine über die Abwärme seiner Bewohner geheizt wird. Dies führt natürlich auch dazu, dass Klimaanlagen in Deutschland unüblich sind. Die Situation in den USA demonstriert dagegen wenn auch etwas überspitzt das Foto hier rechts: Keinerlei Dämmung, aber eine Klimaanlage…

Neben diesen Regelungen gibt es noch eine unendliche Liste von kleinen und nicht ganz so kleinen Regelungen zu Industrieabgasen und diversen Schadstoffen (von Asbest über Blei bis Cadmium und Quecksilber), die ich hier und jetzt zunächst nicht näher erörtern will. Auf jeden Fall kann man erkennen, dass unsere "Ökos" durchaus vieles erreicht haben, was man schnell als selbstverständlich annimmt, so man es nicht mit der Situation in Ländern ohne solche Regelungen vergleicht. (Alle Fotos aus Wikimedia Commons, unter CC-BY-SA)

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