Mittwoch, 4. August 2010

Nation der Kleinwagenfahrer

Vor inzwischen einigen Jahren tobte der damalige bayrische Ministerpräsident Erwin Huber, in dessen Bundesland vornehmlich für europäische Verhältnisse eher große Autos und insbesondere keine Kleinwagen gebaut werden, dass Deutschland bzw. Europa durch die Begrenzung des CO2-Ausstoßes zu einer "Nation der Kleinwagenfahrer" werden würde. Nicht nur, dass vielen, die einen Sinn für Umweltschutz haben oder denen die europäische Definition von "Kleinwagen" eigentlich schon viel zu groß geworden ist, das Problem dieser Feststellung bis heute ein Rätsel geblieben ist, nein das ganze ist auch einfach eine Frage der Sichtweise.

Als ich heute die neuesten Errungenschaften meiner Modellautosammlung betrachtete, kam mir nämlich der Gedanke, ob wir nicht bei der entsprechenden Definition schon lange eine solche Nation sind. Also schnell einmal einen VW Golf V zwischen die drei gestellt. Da sieht doch Deutschlands meistverkauftes Auto wirklich wie ein Kleinwagen aus. Die Drei als Vergleich dienenden sind übriges keineswegs Luxusautos, im Gegenteil. Alle drei entstammen der jeweils billigsten Marke des jeweiligen Konzerns, sind aber sogenannte "Full-size cars". Die etwas kleinere Kategorie der "mid-size cars" war in den USA um 1960 entstanden, noch kleinere Modelle gab es hingegen nicht. Verkauft wurden mit weit überragender Stückzahl die full-size Modelle.
  • Das Fahrzeug ganz links ist ein 1970er Ford Custom. Das Fahrzeug stellte Fords Einstiegsversion in die full-size cars dar, in höherer Ausstattung aber mit weitgehend identischer Karosserie war der Wagen als als Ford Galaxie und Ford LTD erhältlich.
  • Das weiße Fahrzeug relativ weit hinten ist ein 1968er Plymouth Fury I. Die höheren Modelle hießen wenig einfallsreich Fury II, Fury III und VIP.
  • Das schwarze Fahrzeug ist selbst, wie man unschwer erkennen kann ein PKW-Basierender Pickup. Die Basis des 1959er Chevrolet El Camino sind die full-size cars von Chrevrolet aus jenem Jahr, mit denen er sich dann auch die Abmessungen und die gesamte Formensprache teilt – selbst die damals üblichen Heckflossen sind hinten angedeutet. Diese großen hießen dann in aufsteigender Ausstattung Biscayne, Bel Air und Impala. Daneben gab es eine ganze Reihe Kombis als Brookwood, Parkwood, Kingswood und Nomad. Damit war – abgesehen von der Corvette – dann die PKW-Modellpalette von Chevrolet in jenem Jahr auch erschöpft.
Alle drei Fahrzeuge haben eine Länge von etwa 5,4 bis 5,5m (selbiges gilt für die Full-size cars von Chevrolet der Jahre 68-70, von denen es leider auch nur den El Camino als Modell gibt). Damit überragen diese Modelle einen aktuellen (!) BMW 7er lang um 20-30cm. Der damalige BMW 2800 (auch wieder die Langversion) war gerade einmal 4,8m kurz. Ein aktueller VW Golf (Golf V und VI sind bis auf wenige Millimeter gleich lang) kommt auf dagegen winzige 4,2m. Ein VW Käfer war auch nur 5-10cm kürzer…

So gesehen: Sind wir wohl schon lange eine Nation der Kleinwagenfahrer. Und es stört niemanden.

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