Freitag, 20. August 2010

Löschungen bei Wikipedia vermeiden

Ich möchte an dieser Stelle einmal erklären, wie man am wirksamsten die Löschung eines selbst erstellten Artikels bei Wikipedia vermeiden kann.

Hierfür muss man als erstes einmal die Löschprozedur verstehen. Einen Löschantrag kann und darf jeder stellen, auch ein unangemeldeter Benutzer. Letztere und auch Neulinge sollten sich dies aber nicht zur Haupt-Tätigkeit machen, denn "Berufslöscher" sind in WP inzwischen ungerne gesehen; die zwei alteingesessenen ("Weissbier" und "Eingangskontrolle") dienen hier wohl zum einen der Abschreckung, haben zum anderen aber einen gewissen Bestandsschutz. So eine Löschdiskussion kann nun auf vier Arten enden: Der Artikel wird behalten oder gelöscht; jeweils kurzfristig oder nach einer Woche. Insgesamt bewegt sich die Überlebenschance eines zur Löschung vorgeschlagenen Artikels schon seit Jahren um die 50%, wenn nicht inzwischen noch höher. Ist der Löschantrag offensichtlicher Unsinn (Extrembeispiel jemand will den Artikel zu Angela Merkel wegen Irrelevanz löschen), fliegt der Antrag schnell raus – nennt sich bei Wikipedia dann "LAE" (Löschantrag entfernt"). Ist der Artikel offensichtlicher Unsinn (Ein angeblicher "Internet-Promi" mit 0 Google-Treffern ist wohl ein Fake), wird umgehend gelöscht. Ebenso gibt es für viele Themen umfangreiche Datenbanken, in denen das Thema als "Existenznachweis" erwähnt sein sollte. Selbiges gilt auch, wenn keine Indizien zu erkennen sind, dass das Thema relevant sein könnte. Ein gerne mal vorkommender Fall wäre etwa ein Sportverein, über den da schön drin steht, dass er in irgendeine bedeutungslosen Liga Fußball spielt (solche Anlagen gibt es zu Hauf und wären nicht relevant), vergessen wurde aber, dass die Abteilung im Tischtennis deutscher Meister wurde. Sowas wird dann natürlich halt auch fix gelöscht, wenn es nicht vorher einer merkt – das ganze wird "SLA nach LA" genannt, also "Schnelllöschantrag nach Löschantrag" (oder besser: Nach eindeutiger Löschdiskussion). Hier merkt man schon, dass es auch noch den "SLA" ("Schnelllöschantrag") alleine gibt, das ist dann für den offensichtlichen Unfug ("Mein Tischnachbar stinkt"), aber auch für "Artikel", die nur aus einem Satzfragment bestehen oder wo der Antragsteller sich sicher ist, dass der Artikel nix wird! Einsprüche sollten dort schnell erfolgen, und zwar direkt unter dem Antrag und begründet. Für die Abarbeitung nach einer Woche bleiben die Artikel, bei denen die Sache nicht so eindeutig ist, und genau hier kann der Autor selbst was retten.

Die wichtigste Frage ist die Erfüllung der Relevanzkriterien durch den Artikel. Diese Kriterien sind nicht immer so ganz logisch, weshalb man da am besten einmal selbst reinguckt. Das diese Relevanz erfüllt ist, muss natürlich auch in dem Artikel stehen, denn niemand kann hellsehen und das ganze ist in der Regel sowieso die wichtigste Information. "Angela Merkel ist eine studierte Physikerin." interessiert eher wenige, "Angela Merkel ist deutsche Bundeskanzlerin." definiert dagegen klar die Relevanz und liefert auch gleich die wichtigste Aussage zur Person. Oftmals (ganz besonders bei Firmenartikeln!) ist es wichtig, dass diese Relevanzmerkmale auch durch eine entweder unabhängige oder gesetzlich zur Wahrheit verpflichtete Quelle belegt werden kann. Der berühmte Satz "weltweit führendes Unternehmen" von der eigenen Website führt als Werbung eher zur Schnelllöschung; schreibt sowas aber eine überregionale Tageszeitung über das Unternehmen, sieht die Sache ganz anders aus. Ansonsten ist es sehr förderlich, sich die Löschdiskussion einmal durchzulesen; insbesondere auch die Antragsbegründung und eventuell die Begründung weiterer "Löschen"-Kommentare. Hieraus ist recht schnell zu erkennen, was man am Artikel noch ändern muss und ob es womöglich auch schlicht nicht möglich ist, den Artikel zu retten, weil das Thema eben wirklich nicht relevant ist.

Die Auswertung der Löschanträge nach einer Woche erfolgt nach den gelieferten Argumenten, NICHT nach der Anzahl derer, die "Löschen" oder "Behalten" schreiben. Wenn der Antragstext lautet "Irrelevant" und 30 Leute da drunter schreiben "hübsches Foto, behalten", wird natürlich trotzdem gelöscht; andersrum wird der Artikel aber natürlich auch behalten, wenn alle 30 dem Antragsteller zustimmen, aber nach 3 Tagen einer kommt "ehy, der Typ war mal Minister in XY!" (mit Belege natürlich, Scherzkekse gibt es auch da). Irgendwo dazwischen ist dann der Bereich, in dem der auswertende Admin einen Würfel nimmt (aus Sicht des Admins empfielt es sich, so eine Entscheidung dann zu begründen; das Eingeständnis des Würfelns dürfte der eigenen Reputation abträglich sein). Wenn du meinst, dass der Admin da völligen Käse entschieden hat, sprich ihn an und erkläre ihm, welches Argument er denn da nun übersehen haben soll – das ganze funktioniert übrigens in beiden Richtungen. Hat man den Eindruck, hier gegen eine Wand zu reden, gibt es irgendwann auch noch die Löschprüfung als Revisionsinstanz. Hier wird NICHT neu entschieden, sondern nur die Entscheidung überprüft. Anders als vor Gericht darf man aber auch neue Argumente einbringen; im Extremfalle sogar auf eine veränderte Faktenlage hinweisen.

Ein paar Tabu-Argumente für Löschdiskussionen gibt es auch noch:
  • "Das hat doch einen Artikel in 10 anderen Sprachen!" (manche Werbespammer schaffen bis zu 20, einfach mal maschinell übersetzt.)
  • "Aber Amazon.de hat auch einen Artikel, wieso dann mein geplanter Webshop nicht?" (Selbsterklärend, oder?)
  • Richtig böse ist die Variante "Aber die völlig unbekannten Bands X und Y haben auch einen Artikel!" (da kann es dann passieren, dass diese beiden recht bald auch keinen Artikel mehr haben, weil sie bisher schlicht übersehen wurden)
  • Jegliche Argumente, in Richtung "Löschen ist doch sowieso doof" werden schlicht ignoriert. Die Löschseite ist nicht für Grundsatzdiskussionen da.

Am sichersten Ruhe vor dem ganzen Löschgekaspere hat man, wenn aus dem Artikel so klar hervor geht, warum dieser Artikel hier steht, dass dies auch die Leute verstehen müssen, die es eigentlich gar nicht verstehen wollen. Dazu gehört neben einer Nennung des Relevanzmerkmals am besten gleich im ersten Satz auch eine möglichst umfangreiche Nutzung von unterschiedlichen Einzelnachweisen vorzugsweise von Stellen, die sogar ein kompletter Offliner kennen müsste.

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