Montag, 16. August 2010

Interessenprofile wirklich ein Datenschutzthema?

Ich möchte einmal in Frage stellen, ob es sich bei den gerne als Datenschutzthema genannten "Interessenprofilen" wirklich um ein Datenschutzthema handelt, oder ob hier nicht vielmehr rein prinzipielle Sorgen auf sehr praktische Vorteile stoßen.

Ein solches Profil dient rein wirtschaftlich schlicht dazu, den Kunden zielorientierte Werbung zukommen zu lassen; also einem Ökofundi besser Werbung für ein neues Fahrrad als für einen 15L verbrauchenden SUV anzuzeigen und dem sozial interessierten Geek lieber einen Werbebanner mit geekingen Shirts als einen von Kik… Von diesem Prinzip profitieren im Grunde beide Seiten: Der Werbende hat bessere Chancen, dass die Werbung ihr Ziel auch erreicht; der Kunde trifft eher auf ein Werbebanner, das etwas bewirbt, was ihn auch interessiert. Noch größer der Profit für den Nutzer, wenn ihm über dieses System auch ihn vermutlich interessierende sonstige Inhalte zu sehen bekommt.

Im Internet werden solche Profile seit eh und je massenhaft erstellt. Werbebanner-Anbieter wissen ja auch, in welche thematische Ecke welche Seite gehört, auf der ihr Banner eingeblendet wird. Schon ist schnell identifiziert, welche IP welche Seiten besucht. Jetzt noch ein Cookie, um als den täglich wechselnden IPs einen Benutzer zu machen und fertig. Den Dingern zu entkommen, geht nicht wirklich, denn es gibt genug andere Wege, um einen Rechner eindeutig zu erkennen. All diese Profile sind übrigens anonym; ja die Anbieter haben gar kein Interesse daran, sich mit großer Mühe irgendwelche Merkmale zur Identifikation zu suchen – denen ist ziemlich egal, ob sie nun 'Herrn Fritz Meier aus Hintertupfingen' oder 'dem Benutzer mit Cookie Nummer 374' dieses spezielle Werbebanner anzeigen. Eben so wenig wird ihn eine zu genaue Unterteilung interessieren, die dann nur die Zahl der Werbekunden für diese Nische unnötig eingrenzt.

Eine Postadresse, wie sie bei Kundenkarten mit dem Profil verknüpft ist, um die Werbung denn auch zustellen zu können, ist zunächst auch noch harmlos. Interessant wird es erst, wenn das exakte Verhalten (also die Einzelevents) in Verbindung mit einer Adresse gebracht werden und diese exakte Information bei einer Stelle landet, die der profilierten Person aus diesem Einzelevent irgendeinen Strick drehen will. Jetzt stelle ich mir allerdings die Frage, was wahrscheinlicher ist: Dass dein Chef dich aus dem Sexshop kommen sieht oder dass ihm irgendwelche Profildaten in die Finger gelangen, aus denen zu erkennen ist, dass du zu diesem Zeitpunkt in einem Sexshop etwas mit einer EC-Karte (nehmen die überhaupt Kartenzahlung?) gekauft hast?

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