Montag, 9. August 2010

GVU als Löschtroll

Bei Wikipedia nennt man jemanden, der ohne oder mit fragwürdigen Argumenten und dem starken Verdacht einer persönlichen Aversion etwas löschen will, einen Löschtroll. Und genau dieses Verhalten zeigt jetzt offenbar auch die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich nicht etwa irgendeine staatliche Einrichtung, wie man sicherlich gerne den Anschein vermittelt, sondern eine Lobby-Organisation, die mit teilweise gnadenlos übertriebenen Mitteln gegen Urheberrechtsverletzungen vorgeht und einer der Haupt-Wortführer hinter Aktionen wie Raubkopierer sind Verbrecher ist.

Nun, und genau diese Organisation ließ nun bei dem Videoportal vimeo mindestens fünf Videos löschen, die unter einer freien Lizenz standen und sich zum Teil kritisch mit dem derzeitigen Urheberrecht auseinandersetzen oder zumindest von Kritikern dieses stammen. Konkret erwischte es vier Folgen der ausgezeichneten Podcasts "Elektrischer Reporter" von Mario Sixtus und das berühmte "du bist Terrorist"-Video; selbiges aber nur in einer Version.

Eine Begründung gibt es bisher nicht, Mario Sixtus hat – bisher erfolglos, da alle ihm bekannten Mail-Adressen tot sind – versucht, eine solche zu bekommen. Eine Vermutung gibt es aber schon, und diese ist sehr sehr übel. Unser Urheberrecht beinhaltet in Bezug auf Musik nämlich eine bisher von der Öffentlichkeit kaum beachtete Schuldvermutung: Einfach gesagt, wenn du Musik veröffentlichst, kann man dich dafür anzeigen, wenn du nicht beweisen kannst, dass du sie selbst gemacht hast. Dieser Stuss trägt den Namen "GEMA-Vermutung". Das ganze geht offenbar auf ein BGH-Urteil des Jahres 1986 zurück, ist also noch aus der reinen Offline-Zeit, als freie Musik, die dennoch in größerem Umfange auf Tonträgern verbreitet wurde, etwas weitgehend undenkbares war. Die Alternative zu dieser Erklärung wäre dann wohl mal wieder das berühmte Versehen, das man dann als "man kann ja mal versuchen, ob unsere Kritiker es schlucken, auf diese Art abgewürgt zu werden".

Ganz egal, wie die Begründung ist; selbst wenn der Inhalt eine *echte* Urheberrechtsverletzung darstellen würde (was ich für ausgeschlossen halte), zeigt dieses Vorgehen, wie das Urheberrecht als Mittel zur Zensur missbraucht werden kann – denn einem Kritiker das Leben schwerer zu machen, hat man ohne jeden Zweifel erreicht.

Quelle: Netzpolitik.org

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