Sonntag, 1. August 2010

Der Grundfehler der Esoterik

Wo immer man sich die Begründungen von Esoterikern ansieht, findet man den immer wieder gleichen Fehler. Zunächst einmal ist eine Grundannahme dieser Lehre, dass es keinen Zufall gibt. Diese Aussage ist zunächst gar nicht SO falsch, denn tatsächlich beruht jeder Vorgang in der Natur auf einem Prinzip von Ursache und Wirkung. Allerdings machen die Esoteriker dabei einen entscheidenden Fehler. Viele natürliche Vorgänge sind so komplex, dass eine Vorhersage ob der großen Zahl an Variablen vollkommen unmöglich ist. Legendär ist wohl das Beispiel des Schmetterlings, der einen Sturm auslösen kann. Bei Unfällen redet man in diesem Falle von einer "Verkettung unglücklicher Umstände". Ein fiktives Beispiel eines Verkehrsunfalls, bei dem ein Auto ins schleudern gerät und jemanden überfährt:


Da war dann am Auto eine wichtige Schraube aufgrund eines wegen einer Party übermüdeten Mechanikers locker. Weil die Kollegin in der Endkontrolle gerade Stress zu Hause hat, wird der Fehler hier auch übersehen. Die Kiste, wegen er er abrupt ausweichen muss, wurde von einem überladenen Paketboten verloren und das da nun auf dem Gehweg gegenüber jemand geht ist alleine auch kein seltener Fall.

Alles für sich sind gefühlt nicht einmal besonders seltene Fälle, die alle ihre individuelle Ursache haben. Nur die Wahrscheinlichkeit, dass all dies genau so zusammen kommt, ist im Vergleich dazu verschwindend gering (Mathematisch das Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten). Tatsächlich sind bereits die vorgenannten Einzelaspekte in ihrer Wahrscheinlichkeit das Produkt vieler Einzelwahrscheinlichkeiten, was dann eine fast unendliche Kette erzeugt, die sich unter Umständen sogar gegenseitig beeinflussen können – vielleicht hatten die beiden Hersteller-Mitarbeiter ein gerade beendetes Verhältnis miteinander, was dann zu dem Stress bei der einen und dem Frustsaufen beim anderen führt? Hier glauben Esoteriker nun, dass das Endereignis irgendeine eigene Ursache hätte. Selbige Aussage ist wissenschaftlich falsch; denn *nichts* hat eine einzige Ursache alleine. Dies gilt übrigens auch nicht für Vorgänge, die scheinbar zwingend eintreten, wie etwa dass einer Ausweicht, wenn da eine Kiste steht – denn die Kiste muss da ja erstmal stehen und jemand da auch lang kommen. Ähnlich kann es auch passieren, dass ein Kettenraucher nie Lungenkrebs bekommt; eine andere Person aber schon nachdem sie ein einziges Mal von einem Raucher angehaucht wurde. Denn es muss nur ein einziges Teer-Teilchen an der falschen Stelle landen. Dies ist natürlich bei dem Raucher wesentlich wahrscheinlicher, weil wesentlich mehr da sind, aber eine Garantie gibt es nicht.

Dass diese einzelnen Ursachen für irgendein Ereignis nun aus wissenschaftlicher Sicht auch noch vollkommen absurd sind, da es an jeglicher Wirkkette zwischen den Ereignissen und der vermeintlichen Ursache fehlt, ist hier nur noch ein meist eher unterhaltsamer Nebenaspekt. An dieser Stelle unterscheiden sich übrigens Esoteriker nicht großartig von religiösen Menschen, die glauben, dass alles gottes Wille sei.

Nicht mehr unterhaltsam sondern gefährlich wird Esoterik jedoch, wenn die Leute in dem Glauben an irgendwelche einfachen Ursachen Verhaltensweisen an den Tag legen, die die Eintrittswahrscheinlichkeit für Probleme drastisch erhöht.

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