Donnerstag, 8. Juli 2010

Warum freie Computerspiele scheitern

Ohne Zweifel gibt es eine ganze Reihe von Freien Computerspielen, die entweder selbst ein sehr interessantes Spielprinzip entwickelt haben oder ein solches kopieren. Leider aber leiden diese Spiele oft nicht nur an einem Mangel an fähigen Grafikern, sondern noch viel mehr an dem Entwicklungsprinzip selbst. Freie Software wird traditionell von den Anwendern so geschrieben, dass sie selbst damit umgehen können. Dies führt schon bei normalen Anwendungen oftmals zu einer eher gewöhnungsbedürftigen Bedienphilosophie, was bei Spielen natürlich nicht anders ist. Aber an eine komische Bedienung kann man sich mehr oder weniger schnell gewöhnen und diese oftmals auch einfach ändern.

Bei einem Spiel kommt nun aber noch ein Problem dazu. Der Entwickler ist zugleich der Haupttester, oft genug wohl sogar der einzige für den Entwicklungsprozess relevante Tester. Selbiges hat einen extrem schwerwiegenden Einfluss auf den Schwierigkeitsgrad der Spiele: Während man kommerzielle Computerspiele auf der untersten Stufe oft in aller Ruhe durchspielen kann und selbst verpasste Möglichkeiten, die eigene Spielkraft zu verbessern das Spiel zwar schwerer, keineswegs aber unlösbar machen, ist dies bei nahezu sämtlichen Freien Spielen undenkbar.

Schon fast legendär ist in diesem Zusammenhang des Strategiespiel "Battle for Wesnoth". Wenn man dort im Verlauf einer Kampagne einen besonders weit ausgebildeten Charakter verliert, hat man oftmals nicht einmal mehr eine theoretische Chance, das Spiel zu gewinnen. Ähnliche Probleme zeigen fast alle mir bekannten freien Spiele, was auch logisch ist - der Entwickler hat das Spiel so extrem oft durchgespielt, dass er ganz genau weiß, wie er aus irgendeiner Situation am besten herauskommt.

Besonders deutlich wird dieses Problem übrigens auch bei Remakes von alten Arkade-Spielen - so gibt es etwa ein Remake von Konamis "Road Fighter", den man selbst auf der untersten von drei Stufe nur mit perfekten Reflexen durchspielen kann - die höheren Stufen sind ohne jahrelanges Training wohl gar nicht spielbar. Zugleich findet sich auf Youtube ein Video, wo einer der Entwickler das Spiel auf der höchsten Stufe perfekt durchspielt. An gleicher Stelle gibt es dann auch Videos des Originalspiels, bei welchem man auf einer vergleichsweise leeren und geraden Straße bei ungefähr der halben Geschwindigkeit fährt…

Auf diesem Grunde doch einmal ein Wunsch an all jene, die ein freies Computerspiel entwickeln: Versucht euch bei den Schwierigkeitsgraden nicht an euren eigenen Fähigkeiten, sondern an denen der unbedarften Benutzer zu orientieren. Dass für euch selbst die höchste Stufe nur eine leichte Herausforderung darstellt, muss so sein!

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