Sonntag, 25. Juli 2010

Unglücke und die Menschenwürde

Es gibt Tage, da fehlen einem die Worte - gestern war ein solcher. Schon die anfängliche kleine Meldung "10 Tote bei Massenpanik auf der Loveparade" erzeugte wohl bei jedem einen Schock. Umso genauer man sich informiert, umso größer wurde das entsetzen darüber, wie bei dieser riesigen und eigentlich stets fröhlichen Party so eine Katastrophe mit inzwischen neunzehn Opfern werden konnte. Nicht nur, dass 1,5 Millionen Menschen direkt vor Ort waren, wohl nicht wenige weitere wollten noch da hin oder waren in den letzten 20 Jahren bei einer Loveparade. Und wenn nicht, so kennt man womöglich zumindest den einen oder anderen, der einmal da war. Entsprechend geht vielen – auch mir – diese Sache wirklich nahe.

Das solche Katastrophen dann auch zu einigen seltsamen bis fragwürdigen Kommentaren führt, ist man ja schon fast gewohnt – aber auch in dieser Hinsicht brauchte man diesmal harte Nerven. Der erste Aufreger waren da ein paar (oder war es nur einer? Der Inhalt war eigentlich immer der gleiche) Idioten offenbar aus den USA, die bei Twitter das nun mehr als gefragte Hashtag #loveparade für ihren Spam missbrauchten.

Das die Menschenwürde auch in Deutschland nicht viel wert ist, musste dann natürlich einmal mehr die BILD beweisen, indem sie es für nötig hielt, eine Bildergalerie aus Fotos der Toten mit extra viel Werbung zusammenzustellen. Da wollte man bei RTL nicht nachstehen, ersparte einem aber wenigstens die Werbemengen.

Der wirkliche Abschaum ließ zunächst zum Glück noch auf sich warten – holte dies aber heute in Person von Eva Herman nach. Diese freute (!) sich nun darüber, dass eine "höhere Macht" diesem "schändlichen Treiben" ein Ende gesetzt hatte (weitere Zitate will ich hier den Lesern ersparen). Solche Äußerungen gibt es aus christlich-fundamentalistischen Kreisen bei Katastrophen immer mal wieder – etwa beim Hurrikan Katrina 2005. Zum Glück haben aber von diesen die meisten etwas, was Frau Herman offenbar fehlt: Genug Anstand, ihre eigene Nichtachtung der Menschenwürde und eigentlich auch christlicher Werte, wenigstens für sich zu behalten. Wenn diese Worte ein Ggutes haben, dann wohl, dass die Frau damit die letzten Reste von Respekt, die sie noch irgendwo bei "normalen" Menschen besessen hat, zu verlieren. Dennoch stellt man sich bei solchen Ergüssen auch die Frage, ob eine unbegrenzte Meinungsfreiheit wirklich immer so ideal ist…

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Kann nur zustimmen, was sich Eva Hermann dort erlaubt zeugt nicht mehr von Menschlichkeit, sowie Respekt gegenüber den Verbliebenen..

AUCH wenn sie ihre falschen Beileidsbekunden am Ende verfasst.

lg, minze.