Dienstag, 13. Juli 2010

Automobiles Downsizing

Irgendwann Ende 2007 wurde von der EU nach ziemlich zähen Verhandlungen ein "Flottenverbrauch" für die Automobilindustrie beschlossen. Alle von einem Konzern hergestellten Fahrzeuge sollen hierbei im Durchschnitt einen bestimmten CO2-Ausstoß nicht übersteigen. Nachdem die Hersteller einst versprochen hatten, bereits 2008, nach dieser Formel einen Wert von 130g zu erreichen – jedoch ohne Ausnahme weit daran gescheitert sind, die Realität lag eher bei 160g – sollte ursprünglich für das Jahr 2012 ein Wert von 120g festgeschrieben werden. Nachdem insbesondere die deutsche Bundesregierung dies versucht hat zu blockieren – legendär ist hier ein tobender Erwin Huber (CSU), der sich vor einer "Nation der Kleinwagenfahrer" fürchtete – "einige" man sich auf 130g bis 2015. Ein wachsweicher Wert, aber besser als nichts.

In der Zeit vor dieser Regelung war die Automobilindustrie relativ träge geworden – die von den Kunden geforderten Leistungen, zumeist im Bereich von 50 bis 150 PS ließen sich bei einem von den Kunden gleichermaßen akzeptierten Verbrauch von 7-9L/100km problemlos auch mit vergleichsweise uralten Motoren erreichen. Einen wirklich neuen brachte man eigentlich nur, wenn man damit die Produktionskosten senken konnte.

Nun aber musste man reagieren – 130g CO2 entsprechen etwa 5,5L Superbenzin oder 5L Diesel auf 100km. Um diesen Durchschnitt zu erreichen, werden nun vor allem drei Maßnahmen angewendet. Als erstes werden die Kunden durch Werbung und veränderte Angebote ("Premium-Kleinwagen") dazu gebracht, die schon existierenden sparsameren Autos mehr zu kaufen. Maßnahme Nummer zwei ist die Verbesserung der Effizienz der vorhandenen Modelle und Maßnahme Nummer drei das Experimentieren mit völlig neuen Lösungen, die eine wirklich massive Reduzierung des CO2-Ausstoßes bedeuten – hier sind vor allem Elektroautos zu nennen.

Ich möchte hier einmal die zweite der oben genannten Maßnahmen genauer betrachten. Diese besteht im Grunde aus zwei Teilen: Dem "Downsizing" und diversen technischen Zusatzspielereien.

Downsizing bedeutet hierbei nichts anderes, als dass eine Effizienzsteigerung nicht in mehr Leistung sondern in weniger Verbrauch investiert wird. Im Diesel-Bereich hat sich weitgehend herstellerübergreifend eingebürgert, alle Kleinwagen und Kompaktklasse-Modelle mit einem CO2-Ausstoß von erstaunlich exakt 99g anzubieten. Hier scheinen sich weitere Verbesserungen derzeit nur sehr begrenzt zu lohnen. Bei Benzinern wird nun statt den 1,5L-Motor von 100 auf 150 PS zu steigern, dieser durch einen 1,2L-Motor mit 100 PS ersetzt – so geschehen in diversen VW-Modellen. Die Leistung bleibt die gleiche; der Verbrauch sinkt massiv. Gerade dieser 1,2L-TSI-Motor hat inzwischen erstaunlich weit die Runde gemacht und soll im kommenden Jahr sogar im VW Passat B7 zum Einsatz kommen, im nicht viel kleineren Skoda Octavia wird er sogar schon angeboten und führt zu einem CO2-Ausstoß von 134g. Im Audi A1 und Seat Ibiza stehen gar nur 118g zu Buche; das geringere Gewicht hilft. Für die Zukunft ist zudem ein 1L-Dreizylindermotor mit 60 bis 85 PS geplant.

Einen noch radikaleren Schritt ist der italienische Fiat-Konzern gegangen. Im Fiat 500 wird sich zwar weiterhin trotz seines Namens kein 500ccm-Motor finden, wohl aber ein mit 875ccm ebenfalls sehr kleiner Zweizylinder. Für das Motörchen hat man bei Fiat alle Register gezogen, mit variabler Einspritzung, Turbolader und einer ströhmungsoptimierten Brennkammer (daher auch der krumme Hubraum) steht nun ein Verbrauch von 4,1L/100km oder 92g CO2 zu Buche – das ganze bei 85 PS. Eine Version mit 105 PS, womit wir auf dem Niveau von Volkswagens 1,2L TSI des vorherigen Absatzes sind, ist zudem angekündigt. In dieser Form dürfte er dann seinen Weg mindestens bis rauf in die Kompaktklasse finden und dürfte auch dort nicht nur jeden Benziner hinter sich lassen, sondern selbst den in Herstellung und Versicherung deutlich teureren Dieselmotoren Konkurrenz machen. Durch die kompakte Bauform ist zudem eine Hybridversion des Fiat 500 möglich (wer den vollgestopften Motorraum kennt, kann sich dies kaum vorstellen!). Daneben soll der Motor dann auch mit 65 PS als Saugmotor auf den Markt kommen. In dieser Version dürfte er dann als erster Benziner überhaupt unter die 4L/100km-Marke fallen.

Die weitere Liste von Fahrzeugen unter 99g CO2 ist übrigens arg überschaubar. Vom VW Polo V gibt es eine optimierte "BlueMotion"-Version, die durch allerlei kleine Tricks auf 87g kommt, der Smart fortwo liegt als Diesel bei 88g und der Toyota Prius III bei 89g.

Vor diesem Hintergrund wird dann auch klar, dass die bereits diskutierte Verschärfung des CO2-Grenzwertes auf 95g gar kein so absurdes Ziel ist, denn die technischen Grenzen werden bisher noch von keinem Fahrzeug ausgenutzt und einen eigentlich viel einfacheren Weg zu weniger Verbrauch hat man noch gar nicht angekratzt: Wirklich weniger Leistung, die dann doch nicht genutzt wird. SO lange ist es nicht her, dass 100 PS noch selbst in Mittelklasse-Autos von Premium-Herstellern aufpreispflichtig waren…

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