Donnerstag, 13. Mai 2010

PC-Netzteile im Wandel

In der c't 05/1998 fand sich wohl zum ersten Mal ein größerer Test von PC-Netzteilen. Getestet wurden damals ein gutes dutzend Netzteile mit einer Leistung zwischen 235 und 300W (letztere galten damals als "Highend-Monster"), also der damals übliche Leistung. bewertungsrelevante Kriterien waren vor allem die Störanfälligkeit und der Lärmpegel. Und der Wirkungsgrad? Nun, immerhin wurde ein solcher Wert bei 190W gemessen - die Werte waren gar nicht einmal schlecht und schwankten um die 80%. Alleine, das ganze fand keinerlei weitere Beachtung in dem Test.

So entstand in den folgenden Jahren auch ein teilweise seltsam anmutender Trend. Oft genug war "billig" das einzige Kriterium, dass für ein PC-Netzteil eine Rolle spielte. Irgendwann Anfang der 2000er Jahre kam dann wenigstens "leise" als weiteres Kaufargument dazu (wobei irgendwelche "ultra silent"-Sprüche jedes Netzteil zierten, selbst solche, deren Akustik eher an eine Flugzeugturbine erinnerte). Daneben gab es den Modding-Hype, der uns Netzteile mit beleuchteten Lüftern bescherte.

Doch was machte der Wirkungsgrad? Nun, er machte erstmal das Gegenteil des erhofften. Billigstnetzteile für 15€, mit Wirkungsgraden von 50 bis maximal 70% und oft völlig unsinnigen Leistungsangaben boomten - "Geiz ist Geil" eben. Überhaupt galt für Netzteile zunehmend "viel hilft viel" und die 235W-Netzteile wurden zunehmend selten; die Normalität waren jetzt Modelle mit 300 oder gar 500W. Die Rechner waren zwar nicht gerade sparsamer geworden, so viel aber dann doch nicht. Die einzige Gegenbewegung waren ein paar technophobe Ökofundis, die glaubten, dass diese hohen Zahlen auch den Verbrauch des Rechners darstellen und daher PCs böse fanden.

Bereits 2004 wurde ein Prüfsiegel für Netzteile mit einem besonders guten Wirkungsgrad vorgestellt. Unter der Bezeichnung "80 PLUS" wurden nun PC-Netzteile erstmals nach einem standardisierten Prüfverfahren auf ihren Wirkungsgrad hin überprüft. "Besonders gut" hieß damals bei einer Auslastung von 20, 50 und 100% jeweils einen Wirkungsgrad von 80%. Mit anderen Worten: Ein 500W-Monstrum verballert bei voller Leistung "nur" noch 125W in der internen Elektronik. Ja, das galt inzwischen als toll. So irgendwann 2006 kommen dann auch wirklich Netzteile mit diesem Prüfsiegel auf den Markt.

In den Folgejahren werden drei weitere, strengere Prüfsiegel eingeführt, was in der höchsten Stufe dann einem Wirkungsgrad zwischen 87 und 90% entspricht. Während die unterste dieser Stufen (mit 82% bei 20 und 80%iger Auslastung und 85% bei 50%iger Auslastung) sehr schnell auch bis in für die große Zahl der PCs interessante Leistungsklassen Verbreitung findet, dauert dies bei höheren Anforderungen um einiges länger.

Jetzt, Mitte des Jahres 2010 nun gibt es zumindest die Ankündigung von Netzteilen mit dem "80 PLUS Gold"-Prüfsiegel mit 400W Nennleistung und gar ein verfügbares solches mit 500W. Dieses verbrät dann nicht mehr 100, sondern nur noch 57,4W in seiner eigenen Elektronik.

Die wirklich eindrucksvollen Ergebnisse entstehen nun, wenn die oben erwähnten 15€-Netzteile durch so ein modernes Hochleistungsmodell ersetzt werden. In dem zugegeben extremen Fall, dass ein Rechner mit 250W Verbrauch 24/7 zu versorgen ist, sind pro Jahr unglaubliche 1200 kWh einzusparen - mit anderen Worten: 270€. In dem weitaus realistischeren Fall, dass der Rechner selbst nur 100W verbraucht, liegt die Einsparung nun bei etwa 440 kWh (rund 1/3 des Gesamtverbrauchs) oder noch immer beeindruckende 100€ pro Jahr - und man möge nicht vergessen, dass ein PC-Netzteil nicht nur ein, sondern eher 5 oder gar 10 Jahre seinen Dienst versieht. In diesem Moment werden dann die Anschaffungspreise der Netzteile vollkommen bedeutungslos.

Die Zukunft dieser Entwicklung lässt sich übrigens bereits erahnen, denn für Serversysteme sind bereits erste Netzteile mit dem "80 PLUS Platinum"-Prüfsiegel verfügbar, welches bei mittlerer Last gar einen Wirkungsgrad von 94% vorschreibt. Hoffen wir, dass solche Netzteile bald auch für Desktop-PCs zur Verfügung stehen.

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