Samstag, 1. Mai 2010

Alte PC-Teile ökologisch

Manche Leute sagen, es wäre umweltfreundlicher, einen PC sehr lange zu benutzen, manche man soll vor allem auf den Verbrauch achten. Bekanntermaßen versuche ich hier normalerweise einen Mittelweg zu gehen, bei dem verschiedene Komponenten unterschiedlich betrachtet werden. Eben diese Einzelbetrachtung möchte ich hier einmal darlegen.
  • Festplatten sind hier gleich ein besonders kompliziertes Feld: Die erforderliche Größe hängt vom Nutzerverhalten und der eingesetzten Software ab, neuere Platten lassen sich nicht immer in älteren PCs einsetzen (andersrum sehr wohl, abgesehen von der Schwelle IDE/SATA), Geschwindigkeit und Lärmpegel sind über die Zeit wesentlich besser geworden. Einzig der Stromverbrauch ist nur relativ wenig gesunken. Bis zu einer Größe von etwa 8GB (was allerdings nur für wenige Anwendungsfälle ausreicht) sind zudem CF-Karten mit einem Adapter eine extrem sparsame, geräuschlose und günstige Alternative. Zwischen 8 und 32GB wird diese Lösung hingegen eher teuer - genau diese beiden Zahlen sind übrigens die Kompatibilitätsschwellen alter Mainboards! Spätestens darüber muss eben eine Platte her - hier gilt "man nehme, was man kriegen kann", aber bitte wirklich nur eine Platte!
  • Optische Laufwerke haben sich seit Jahren kaum noch weiterentwickelt. Ob das Ding nun die DVDs mit 10x oder 20x ließt, ist in der Praxis kaum von Bedeutung, insofern sollte man hier fast alles aufheben. Reine CD-Laufwerke waren in der Anfangszeit dagegen aus heutiger Sicht doch sehr langsam und vor allem zum Schluss (solche über 50x) extrem laut. Der Stromverbrauch von den Dingern ist ausnahmslos bedeutungslos.
  • Soundkarten hat der typische "Altteilesammler" sowieso viel mehr, als er je gebrauchen kann. Seit etwa 10 Jahren hat jedes Mainboard einen Soundchip integriert, insofern kann man diese Karten wohl außer für sehr alte Systeme als nutzlos ansehen.
  • Netzteile sind bei mir stets die ersten Komponenten in der Mülltonne. Kein anderes Bauteil eines PC beeinflusst den Stromverbrauch auch nur ansatzweise so sehr wie diese. Zudem gibt es halbwegs vernünftige Netzteile (auch heute ist in dieser Kategorie noch viel Müll am Markt!) ab etwa 30€. Insofern sollte man nur die wenigen aufheben, von denen man weiß, dass sie etwas taugen.
  • Grafikkarten haben sich wohl von allen PC-Komponenten am schnellsten weiterentwickelt, dabei allerdings lange Zeit leider auch sehr stark im Stromverbrauch zugelegt. Irgendwelche 3D-Leistung alter Karten ist entsprechend aus heutiger Sicht weitgehend unabhängig von der konkreten Karte wertlos - ob man die 50.000-fache oder nur die 500-fache Leistung für aktuelle Spiele bräuchte, ist dann auch egal. Allerdings sollte die Karte von dem angedachten Betriebssystem unterstützt sein, sonst wird's zäh. Die 3D-Effekte tun dabei auch auf vergleichsweise antiken Karten (eigene Erfahrung mit ATI Rage 128 unter Mac OS und mit GeForce 2MX auf Ubuntu!).
  • Prozessoren haben eine sehr interessante Entwicklungskurve beim Stromverbrauch hinter sich. Bis etwa 2005 ist der Verbrauch von einst niedrigen einstelligen Werten zu Zeiten eines i386 auf über 100W angestiegen. Danach gab es einen relativ abrupten Knick (mit Core 2 bzw. Athlon 64) auf einen Verbrauch von in aller Regel deutlich unter 100W bei starker Last und vor allem einen Wert von nur 5-10W bei wenig bis gar keiner Last. Insofern würde ich die Pentium-4- und Athlon-XP-Generation grundsätzlich nicht weiter nutzen - hier ist ein neuerer Prozessor schneller und sparsamer. Bei älteren oder gar wesentlich älteren Prozessoren kann hingegen durchaus ein vergleichbarer oder gar geringerer Verbrauch zu heutigen Systemen auftreten.
  • Mainboards sind praktisch zwingend an den jeweiligen Prozessor gekoppelt. Zu Beachten ist eigentlich nur, dass manchmal ein minimal jüngeres Board etwa eine Adapterkarte für USB2, eine Netzwerkkarte oder eine Soundkarte unnötig macht, da solche Komponenten Onboard vorhanden sind. Modelle mit Onboard-Grafik wurden bereits zu Pentium-3-Zeiten angeboten, spielten aber lange Zeit nur eine Nebenrolle vor allem in den alleruntersten Preisklassen.
Noch ein Wort zur Software-Wahl: Ich rate dringend davon ab, auf alte Software zu setzen, welche nicht mehr von den Herstellern unterstützt wird. Hier sind spezielle Spar-Systeme eine bessere Wahl, da diese auf heutiger Technik aufsetzen und so wesentlich kompatibler sind und natürlich auch noch mit Sicherheitsupdates versorgt werden.

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