Donnerstag, 13. Mai 2010

Das digitale Vergessen naht

Am Anfang dieses Monats gingen zwei eigentlich eher unscheinbare Meldungen durch die IT-Fachpresse, die in einem engen Zusammenhang mit dem "digitalen Vergessen" stehen.

Bei der ersten Meldung war der Zusammenhang noch recht klar: Die Firma Sony hat als vorletzter Hersteller von Disketten (ja, die Dinger, die immer dann kaputt sind, wenn man auf sie zugreifen will und auf die aus heutiger Sicht schlicht "gar nichts" passt) einstellen. Damit bleibt als letzter Anbieter die Firma Verbatim. Hier geht es immerhin nur um die Herstellung der Medien; Laufwerke dürften noch in so gigantischen Mengen vorhanden sein, dass hier kein Problem entsteht. Oder doch...?

Denn hier kommt die zweite Meldung. AMD hat ja nun seine neue Chipsatzfamilie vorgestellt. Kaum beachtet, aber eigentlich die größte Änderung in der PC-Technik der letzten 25 Jahre war hierbei die Abschaffung des IDE-Controllers. Sämtliche neuen Mainboards mit der "SB850" werden also nicht mehr in der Lage sein, all die von 1984 bis vor wenigen Jahren gebauten und teilweise noch heute neu erhältlichen Festplatten zu lesen. Damit betrifft das "Digitale Vergessen" auf einmal nicht mehr nur einen Datenträgertyp auf der Steinzeit der Informatik, bei denen eine einzige moderne Festplatte ausreicht, um auf ihnen vermutlich die Weltjahresproduktion an damaligen Datenträgern (oder genauer deren Daten) zu speichern, sondern eben einen Typ, auf welchem wirklich große Datenmengen gespeichert sind.

Darum jetzt und hier mein Aufruf: Prüft eure Langzeit-Archivierungen und verlagert die Daten von Zeit zu Zeit auf modernere Datenträger. Jetzt wäre wohl ein guter Zeitpunkt die IDE-Festplatten in diesem Bereich auszumustern!

PC-Netzteile im Wandel

In der c't 05/1998 fand sich wohl zum ersten Mal ein größerer Test von PC-Netzteilen. Getestet wurden damals ein gutes dutzend Netzteile mit einer Leistung zwischen 235 und 300W (letztere galten damals als "Highend-Monster"), also der damals übliche Leistung. bewertungsrelevante Kriterien waren vor allem die Störanfälligkeit und der Lärmpegel. Und der Wirkungsgrad? Nun, immerhin wurde ein solcher Wert bei 190W gemessen - die Werte waren gar nicht einmal schlecht und schwankten um die 80%. Alleine, das ganze fand keinerlei weitere Beachtung in dem Test.

So entstand in den folgenden Jahren auch ein teilweise seltsam anmutender Trend. Oft genug war "billig" das einzige Kriterium, dass für ein PC-Netzteil eine Rolle spielte. Irgendwann Anfang der 2000er Jahre kam dann wenigstens "leise" als weiteres Kaufargument dazu (wobei irgendwelche "ultra silent"-Sprüche jedes Netzteil zierten, selbst solche, deren Akustik eher an eine Flugzeugturbine erinnerte). Daneben gab es den Modding-Hype, der uns Netzteile mit beleuchteten Lüftern bescherte.

Doch was machte der Wirkungsgrad? Nun, er machte erstmal das Gegenteil des erhofften. Billigstnetzteile für 15€, mit Wirkungsgraden von 50 bis maximal 70% und oft völlig unsinnigen Leistungsangaben boomten - "Geiz ist Geil" eben. Überhaupt galt für Netzteile zunehmend "viel hilft viel" und die 235W-Netzteile wurden zunehmend selten; die Normalität waren jetzt Modelle mit 300 oder gar 500W. Die Rechner waren zwar nicht gerade sparsamer geworden, so viel aber dann doch nicht. Die einzige Gegenbewegung waren ein paar technophobe Ökofundis, die glaubten, dass diese hohen Zahlen auch den Verbrauch des Rechners darstellen und daher PCs böse fanden.

Bereits 2004 wurde ein Prüfsiegel für Netzteile mit einem besonders guten Wirkungsgrad vorgestellt. Unter der Bezeichnung "80 PLUS" wurden nun PC-Netzteile erstmals nach einem standardisierten Prüfverfahren auf ihren Wirkungsgrad hin überprüft. "Besonders gut" hieß damals bei einer Auslastung von 20, 50 und 100% jeweils einen Wirkungsgrad von 80%. Mit anderen Worten: Ein 500W-Monstrum verballert bei voller Leistung "nur" noch 125W in der internen Elektronik. Ja, das galt inzwischen als toll. So irgendwann 2006 kommen dann auch wirklich Netzteile mit diesem Prüfsiegel auf den Markt.

In den Folgejahren werden drei weitere, strengere Prüfsiegel eingeführt, was in der höchsten Stufe dann einem Wirkungsgrad zwischen 87 und 90% entspricht. Während die unterste dieser Stufen (mit 82% bei 20 und 80%iger Auslastung und 85% bei 50%iger Auslastung) sehr schnell auch bis in für die große Zahl der PCs interessante Leistungsklassen Verbreitung findet, dauert dies bei höheren Anforderungen um einiges länger.

Jetzt, Mitte des Jahres 2010 nun gibt es zumindest die Ankündigung von Netzteilen mit dem "80 PLUS Gold"-Prüfsiegel mit 400W Nennleistung und gar ein verfügbares solches mit 500W. Dieses verbrät dann nicht mehr 100, sondern nur noch 57,4W in seiner eigenen Elektronik.

Die wirklich eindrucksvollen Ergebnisse entstehen nun, wenn die oben erwähnten 15€-Netzteile durch so ein modernes Hochleistungsmodell ersetzt werden. In dem zugegeben extremen Fall, dass ein Rechner mit 250W Verbrauch 24/7 zu versorgen ist, sind pro Jahr unglaubliche 1200 kWh einzusparen - mit anderen Worten: 270€. In dem weitaus realistischeren Fall, dass der Rechner selbst nur 100W verbraucht, liegt die Einsparung nun bei etwa 440 kWh (rund 1/3 des Gesamtverbrauchs) oder noch immer beeindruckende 100€ pro Jahr - und man möge nicht vergessen, dass ein PC-Netzteil nicht nur ein, sondern eher 5 oder gar 10 Jahre seinen Dienst versieht. In diesem Moment werden dann die Anschaffungspreise der Netzteile vollkommen bedeutungslos.

Die Zukunft dieser Entwicklung lässt sich übrigens bereits erahnen, denn für Serversysteme sind bereits erste Netzteile mit dem "80 PLUS Platinum"-Prüfsiegel verfügbar, welches bei mittlerer Last gar einen Wirkungsgrad von 94% vorschreibt. Hoffen wir, dass solche Netzteile bald auch für Desktop-PCs zur Verfügung stehen.

Samstag, 1. Mai 2010

Alte PC-Teile ökologisch

Manche Leute sagen, es wäre umweltfreundlicher, einen PC sehr lange zu benutzen, manche man soll vor allem auf den Verbrauch achten. Bekanntermaßen versuche ich hier normalerweise einen Mittelweg zu gehen, bei dem verschiedene Komponenten unterschiedlich betrachtet werden. Eben diese Einzelbetrachtung möchte ich hier einmal darlegen.
  • Festplatten sind hier gleich ein besonders kompliziertes Feld: Die erforderliche Größe hängt vom Nutzerverhalten und der eingesetzten Software ab, neuere Platten lassen sich nicht immer in älteren PCs einsetzen (andersrum sehr wohl, abgesehen von der Schwelle IDE/SATA), Geschwindigkeit und Lärmpegel sind über die Zeit wesentlich besser geworden. Einzig der Stromverbrauch ist nur relativ wenig gesunken. Bis zu einer Größe von etwa 8GB (was allerdings nur für wenige Anwendungsfälle ausreicht) sind zudem CF-Karten mit einem Adapter eine extrem sparsame, geräuschlose und günstige Alternative. Zwischen 8 und 32GB wird diese Lösung hingegen eher teuer - genau diese beiden Zahlen sind übrigens die Kompatibilitätsschwellen alter Mainboards! Spätestens darüber muss eben eine Platte her - hier gilt "man nehme, was man kriegen kann", aber bitte wirklich nur eine Platte!
  • Optische Laufwerke haben sich seit Jahren kaum noch weiterentwickelt. Ob das Ding nun die DVDs mit 10x oder 20x ließt, ist in der Praxis kaum von Bedeutung, insofern sollte man hier fast alles aufheben. Reine CD-Laufwerke waren in der Anfangszeit dagegen aus heutiger Sicht doch sehr langsam und vor allem zum Schluss (solche über 50x) extrem laut. Der Stromverbrauch von den Dingern ist ausnahmslos bedeutungslos.
  • Soundkarten hat der typische "Altteilesammler" sowieso viel mehr, als er je gebrauchen kann. Seit etwa 10 Jahren hat jedes Mainboard einen Soundchip integriert, insofern kann man diese Karten wohl außer für sehr alte Systeme als nutzlos ansehen.
  • Netzteile sind bei mir stets die ersten Komponenten in der Mülltonne. Kein anderes Bauteil eines PC beeinflusst den Stromverbrauch auch nur ansatzweise so sehr wie diese. Zudem gibt es halbwegs vernünftige Netzteile (auch heute ist in dieser Kategorie noch viel Müll am Markt!) ab etwa 30€. Insofern sollte man nur die wenigen aufheben, von denen man weiß, dass sie etwas taugen.
  • Grafikkarten haben sich wohl von allen PC-Komponenten am schnellsten weiterentwickelt, dabei allerdings lange Zeit leider auch sehr stark im Stromverbrauch zugelegt. Irgendwelche 3D-Leistung alter Karten ist entsprechend aus heutiger Sicht weitgehend unabhängig von der konkreten Karte wertlos - ob man die 50.000-fache oder nur die 500-fache Leistung für aktuelle Spiele bräuchte, ist dann auch egal. Allerdings sollte die Karte von dem angedachten Betriebssystem unterstützt sein, sonst wird's zäh. Die 3D-Effekte tun dabei auch auf vergleichsweise antiken Karten (eigene Erfahrung mit ATI Rage 128 unter Mac OS und mit GeForce 2MX auf Ubuntu!).
  • Prozessoren haben eine sehr interessante Entwicklungskurve beim Stromverbrauch hinter sich. Bis etwa 2005 ist der Verbrauch von einst niedrigen einstelligen Werten zu Zeiten eines i386 auf über 100W angestiegen. Danach gab es einen relativ abrupten Knick (mit Core 2 bzw. Athlon 64) auf einen Verbrauch von in aller Regel deutlich unter 100W bei starker Last und vor allem einen Wert von nur 5-10W bei wenig bis gar keiner Last. Insofern würde ich die Pentium-4- und Athlon-XP-Generation grundsätzlich nicht weiter nutzen - hier ist ein neuerer Prozessor schneller und sparsamer. Bei älteren oder gar wesentlich älteren Prozessoren kann hingegen durchaus ein vergleichbarer oder gar geringerer Verbrauch zu heutigen Systemen auftreten.
  • Mainboards sind praktisch zwingend an den jeweiligen Prozessor gekoppelt. Zu Beachten ist eigentlich nur, dass manchmal ein minimal jüngeres Board etwa eine Adapterkarte für USB2, eine Netzwerkkarte oder eine Soundkarte unnötig macht, da solche Komponenten Onboard vorhanden sind. Modelle mit Onboard-Grafik wurden bereits zu Pentium-3-Zeiten angeboten, spielten aber lange Zeit nur eine Nebenrolle vor allem in den alleruntersten Preisklassen.
Noch ein Wort zur Software-Wahl: Ich rate dringend davon ab, auf alte Software zu setzen, welche nicht mehr von den Herstellern unterstützt wird. Hier sind spezielle Spar-Systeme eine bessere Wahl, da diese auf heutiger Technik aufsetzen und so wesentlich kompatibler sind und natürlich auch noch mit Sicherheitsupdates versorgt werden.