Montag, 26. April 2010

Deutschland, Land des Wandels

In der jüngeren deutschen Geschichte gibt es eine Tradition - die Tradition, sich wandeln zu können.

Der erste große Wandel erfolgte 1945 mit dem Ende des zweiten Weltkriegs sehr abrupt. Aus einem Land, welches zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen hatte und gegen so ziemlich jeden Nachbarn irgendwann Krieg geführt hatte, wurde ein Motor der europäischen Einigung. Heute werden Kriege selbst dann abgelehnt, wenn sie aus eigentlich altruistischen Motiven entstanden sind. Unvorstellbar, dass die NS-Diktatur mit einem platten "Kampf um Siedlungsraum für das eigene Volk" einst Anhänger gewinnen konnte.

Einen weiteren Wandel kennzeichneten die "68er". In dieser Zeit regierte Deutschland ein Kanzler, der wohl wie keiner vor oder nach ihm mit dem Makel des "NS-Mitläufers" befleckt war - doch unter just diesem entstand mit den Worten "es sind halt andere Zeiten" die große Strafrechtsreform, in der aus heutiger Sicht unsinnige, zu NS-Zeiten noch für KZ-Einweisungen missbrauchte Straftatbestände weitgehend oder komplett abgeschafft wurden.

Heute nun steht dieses Land vor einem weiteren Wandel. In kaum einen Land dieser Welt dient ein Automobil so sehr als Statussymbol und Symbol scheinbarer Freiheit. Vier der weltweit führenden Hersteller von Premium-Autos (Audi, BMW, Mercedes-Benz und Porsche) stammen aus diesem Land, diverse weitere gehören zu 100% deutschen Konzernen (Bugatti, Lamborghini, Rolls Royce, Bentley) und es fällt mir schwer, weltweit eine ähnliche Zahl von Unternehmen zu finden, die auch nur eine ähnliche Bedeutung haben. Gerne wird über die USA gespottet, in denen riesige Pickups mit aberwitzigen Verbrauchswerten das Straßenbild dominieren - dabei jedoch ausgeblendet, dass Deutschland in diesem Kriterium gleich danach folgt. Längst ist aus dem Symbol der Freiheit ein Symbol des täglichen Zwangs, der Umweltverschmutzung und des allgemeinen Verkehrsstress mit seinen Staus und Unfällen geworden. Aus diesem Grunde rufe ich jeden dazu auf, versucht einmal mehr den Wandel - weg vom Auto wann immer es geht. Und es geht weitaus öfter, als euch vielleicht auf den ersten Blick klar ist…

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