Donnerstag, 15. Oktober 2009

Neue Herangebensweise an die Energiebilanz von PCs

In den letzten Jahren war der beste Weg, die Umweltbilanz des eigenen PCs zu verbessern, ihn durch einen neuen zu ersetzen - die (über den Kaufpreis erahnbare) Produktionsenergie war oft binnen kürzester Zeit wieder eingespart. Doch nachdem sich im Bereich des Leerlauf-Verbrauches eine gewisse Sättigung eingestellt hat, sieht die Sache etwas anders aus.

Einen großen Schritt gibt es derzeit noch einmal im Bereich der Grafikkarten, wo in den letzten Tagen von ATI eine ganze Reihe neuer Karten vorgestellt wurde, die insbesondere im Leerlauf (in dem sich Grafikkarten nun einmal die meiste Zeit befinden) wesentlich weniger verbrauchen als noch die Vorgeneration. In Verbindung mit intels Core i7 870 liegt somit selbst ein absoluter Highend-PC bei etwa 65W im Leerlauf.

Bei diesen Zahlen werden weitere, zukünftig zu erwartende Einsparungen (etwa durch SSDs, weitere Verbesserungen der Stromsparmodi von CPU und GPU oder durch effizientere Netzteile) weniger interessant. Eine finanzielle wie energetische Refinanzierung benötigt wesentlich länger - und genau an diese verlängerten Refinanzierungszyklen gilt es sich in Zukunft auch im Kaufverhalten anzupassen. In Zeiten, in denen es keine ökologische Todsünde mehr ist, den PC mit etwas mehr Leistung zu versehen, gilt naturgemäß auch die Regel nicht mehr, dass der PC so wenig Leistung wie möglich und so viel wie nötig haben sollte. Stattdessen gilt es in Zukunft, die Nutzungsdauer des Rechners soweit, wie irgendwie möglich zu verlängern. In den letzten Jahren hat sich für diesen Bereich vor allem die Grafikkarte als begrenzender Faktor erwiesen, während selbst die ersten Dualcores von vor inzwischen über 4 1/2 Jahren sind noch immer nur in wenigen Fällen ein Hindernis!); also sollte eben diese Grafikkarte in Zukunft aus ökologischer Sicht lieber etwas größer bemessen werden (welch Unterschied zur Vergangenheit!). Dieser Wert hat aber Grenzen, da sich Grafikkarten zum einen nicht nur in der Leistung weiterentwickeln und zum anderen sehr schnelle Karten so viel mehr Geld kosten, dass sich die ganze Sache dann auch nicht mehr lohnt.

Als Beispiel nehmen wir die erste Generation der DirectX10-Grafikkarten (Radeon HD 2000, GeForce 8000). Modelle, die Mitte 2007 etwa 300€ kosteten sind noch heute in der Lage, leistungsmäßig mit Karten für etwa 80€ mitzuhalten. Mit leichten Einschränkungen lassen sich auch die Highend-Modelle der letzten Generation von DirectX9-Karten (Radeon X1xxx, GeForce 7000) noch verwenden, in dem gleichen Leistungsbereich liegen Mittelklasse-Modelle der ersten DX10-Generation. Karten der Generation davor erweisen sich aus heutiger Sicht hingegen als untauglich - unabhängig davon, was sie damals gekostet haben.

Die Leistung von Grafikkarten fällt also um eine der großen Leistungsstufen pro Generation, wobei die drei obersten problemlos, die vierte mit Einschränkungen (vor allem Egoshooter muss man etwas runterdrehen) eingesetzt werden können. Betrachten wir den Preis also nur in Hinblick auf die Langzeit-Tauglichkeit, sollte sich der Kaufpreis in etwa in dem Bereich des dreifachen einer der aktuell gerade noch uneingeschränkt einsetzbaren Karten bewegen. Derzeit liegt dieser Bereich bei einer Radeon HD 4770 oder einer 9800GT und damit bei 80€. Das dreifache davon sind 240€ und eine Radeon HD 5850, ATIx zweitschnellste Karte. In der anderen Richtung läuft die Betrachtung übrigens ähnlich: Eine GeForce 8800 GTS ist durchaus noch ausreichend und war zu ihrer Zeit ebenfalls das zweitschnellste Modell (die absurd überteuerte 8800 Ultra einmal ausgelassen). Ein weiterer Vorteil der Planung für drei Generationen ergibt sich daraus, dass sowohl DirectX9 wie auch 10 jeweils drei Karten-Generationen überdauerte.

Für den Rest des Rechners gilt dagegen: Behalten, so lange wie es irgendwie geht - was die drei Jahre bei weitem übersteigen kann. Die alles entscheidende Aussage liegt aber in etwas, was vor allem die "Öko-Muffel" begeistern wird: Umweltschutz wird in Zukunft nicht mehr durch "Verzicht auf Leistung" erreicht, sondern im Gegenteil durch Highend-PCs, die dann so lange benutzt werden, bis sie eher Lowend sind.

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