Mittwoch, 30. September 2009

"Ökologischer Fußabdruck"

Im Netz finden sich diverse Rechner für den sogenannten "Ökologischen Fußabdruck"; also die Frage wie sehr der eigene Lebensstil der Umwelt schadet. Doch versuche ich über diese Programme einmal mein Verhalten einzustufen, stoße ich immer wieder auf das gleiche Problem: Die Gefragten Angaben sind viel zu ungenau.

Das Muster-Negativ-Beispiel gibt es auf "Latschlatsch.de": Es wird gefragt, wie viel Zeit pro Tag man "Unterhaltungsgeräte" nutzt - da muss ich jetzt nur an Leute denken, die ihre 60"-Glotze als "Hintergrundgedudel" nutzen während sie am 500W-Gamer-PC sitzen, um zu wissen, was die Zahl taugt. Die dürften jedenfalls in einer Stunde mehr verbraten als ich am ganzen Tag hier. Selbiges kann ich schonmal vorweg nehmen: KEINE EINZIGE Seite gibt einem die Möglichkeit, den eigenen Stromverbrauch direkt einzugeben; obgleich sich oftmals um die 10 Fragen nur auf dieses Thema beziehen.
Auf der gleichen Seite fehlt auch gleich die Frage nach dem Dämmstandard der Wohnung - also unsanierter Altbau mit Einfachverglasung führt zu dem gleichen Ergebnis wie ein Passivhaus. Das Ergebnis ist übrigens entsprechend: Würde ich die Fragen ehrlich beantworten (wer hat da noch Lust zu bei solchen Seiten?), käme ein Wert über dem Bevölkerungsschnitt heraus.

Ein paar bessere Rechner gibt es auch noch; zumeist liege ich da dann um 1/3 unter dem Durchschnitt. Einer der ausführlichsten Rechner gibt es unter www.mein-fussabdruck.at. Das ganze ist zwar für Österreich gedacht, aber die Fragen lassen sich problemlos auf Deutschland übertragen. Auch sonst ist das ganze nicht perfekt (eine ähnliche Marotte ist nicht zu fragen, wie VIEL, sondern wie OFT man Fleisch isst), aber ansonsten isses wohl wie in der Politik: Das kleinste Übel...

Mittwoch, 23. September 2009

Trendwende beim Stromverbrauch von Grafikkarten?

Heute nun sind die ersten Tests zu AMDs neuer Grafikchip-Serie Radeon HD 5850/5870 aufgetaucht. AMD hatte hier (für die 5870) nicht weniger als die doppelte Rechenleistung einer 4870 bei praktisch gleichem Stromverbrauch gegenüber einer 4890 versprochen (was wiederum nicht weit über der 4870 liegt). Zudem hat AMD erstmals eine Aussage zum Verbrauch im Leerlauf gemacht.

Doch was ist nun dran an den Versprechungen? Fangen wir mit der Leistung an: Diese bleibt minimal hinter einer "Radeon 4870 X2" zurück, was vermutlich daran liegt, dass die Speicherbandbreite nicht ebenfalls verdoppelt wurde. Dennoch handelt es sich bei der 5870 um die mit riesigem Abstand schnellste Karte mit nur einer GPU am Markt - der bisherige Spitzenreiter "nVidia GeForce GTX 285" wird um 25-30% überboten. Um den alten Kalauer aufzuwärmen: Mit dieser Karte kann man in der Tat Crysis (fast) ruckelfrei auf einem 30"-Display spielen.

Der Stromverbrauch war mit 188W versprochen, eine "Radeon 4890" hat 190W. Hier sollte es also eine minimale Verbesserung geben. Hierbei gehen die Ergebnisse etwas auseinander. Während Computerbase 15W mehr gegenüber der 4890 misst, kommt PC Games Hardware (die den Verbrauch der Karten direkt messen) tatsächlich auf die versprochene Zahl für die 5870, aber auf wesentlich mehr für die 4890. Diese 15W machen aber nicht wirklich etwas aus, denn hier folgt die eigentliche Sensation: Der Verbrauch im Leerlauf war von AMD mit 27W versprochen worden - nun, herausgekommen ist noch wesentlich weniger. 9W mehr als für die "Radeon 4670" (zu der andere Quellen 8W schreiben) wären 17W. Das sind 9W weniger als für die "GTX 285" und vor allem 45W weniger als für die Radeon 4890.

Mit anderen Worten: Gegenüber AMDs bisherigen Topmodell spart diese Karte 1 kWh pro Tag rumidlen oder rund 100€ Stromkosten in einem Jahr. Gegenüber der praktisch gleich schnellem "Radeon 4870 X2" reden wir gar von 60W im Idle und unglaublichen 178W unter Last.

Glückwunsch AMD, das ist mal WIRKLICH eine Verbesserung! Ich hoffe nur, dass die kleineren Karten (egal ob die 5850 oder die 57xx) genauso deutliche Verbesserungen beim Stromverbrauch bringen. Verbrauch der 4670 mit der Leistung der 4870 kombiniert wäre doch mal was :)

Dienstag, 22. September 2009

Deutschland deine Radwege

Man hört ja gerne mal Autofahrer singen "die Radfahrer fahren alle auf den Straßen, dabei sind da doch soo schöne Radwege". Nun, die Ausbeute von heute, gesammelt auf 6km hin und den gleichen Weg zurück.

  • Ein Feldweg, wie er um Buche steht: 2 jeweils 30cm Breite befahrbare Streifen, unterbrochen nur von regelmäßigen bis zu 10cm tiefen _Löchern_. Zum Glück hab ich MTB-Reifen, mit einem normalen Rad hätte ich mir wohl an den Steinen in und an diesen Löchern die Reifen aufgeschlitzt.
  • Den Glasscherbenhaufen beim örtlichen Kaufland gab es da Freitag schon - auf der Straße wird sowas *sofort* korrigiert.
  • Fast an gleicher Stelle werden die Löcher immerhin jetzt vom Kies der angrenzenden Baustelle wieder gefüllt. Nur leider reißen die LKW dabei auch ständig neue.
  • Ein Stückchen Sandweg. Schön, wenn man sich wundert, wieso plötzlich der Vortrieb gegen 0 tendiert - kein Wunder bei 5cm Einsacktiefe (ja, mitm MTB; Rennradler wären da wohl geflogen). Das Rad sieht zudem seitdem aus wie Sau :/
  • Wie gut, dass ich ein tierlieber Mensch bin. Anderenfalls gäbe es auf der Strecke jetzt 2 verletzte Hunde mehr. Der Dackel, der mich zur Vollbremsung veranlasst hat (wenn sich Frauchen bückt, gehe ich davon aus, dass sie ihn auch festhält!), wäre wohl schlicht platt gewesen.
  • Ein Kreisel, von dem ich auch ein Foto habe: http://www.flickr.com/photos/31365699@N07/3877758502/ - wie das da funktioniert, kapierten die Autofahrer in der Zeit dann auch nicht; wen wundert's. Danach (auf dem Bild nicht zu sehen) muss man übrigens auf der linken Seite fahren - offenbar ist es den Autofahrern nicht zuzumuten, an der nächsten Kreuzung nochmal zu halten (dort mitm Auto rausfahren kann man ebenfalls vergessen).
  • Für Autofahrer gibt's Verkehrszeichen wie 101, 103, 108/110, 112 oder 120/121. Wo sind deren Gegenstücke für Radfahrer? 3m Kurve, 30° Gefälle hatte ich heute auch mehrfach dabei.
  • Absolutes Meisterwerk: Schild 237 und darunter ein kleines "Ende" - bedeutet ja nur mal eben das Gegenteil vom 237 (richtig wäre hier ein 254). Wo es weiter geht? Tja, dass muss man dann schon selbst rausfinden (meist mit viel Umweg auf der anderen Seite).
  • Die Einfahrt zum Kaufland hat man auch verbessert: Die Absenkung des Bordsteins ist weg (im Gegensatz dazu die der Grundstücksumrandung noch da). Kann man als Radfahrer entweder auf der Straße absteigen und das Rad hochheben oder 30m Umweg fahren, wo die Autofahrer reihenweise die Kurve schneiden. Oder man tut was für seine Lebenserwartung und fährt auf dem Gehweg.

Freitag, 4. September 2009

Falsche Prämisse beim Umweltschutz

Diskussionen rund um Umweltschutz kranken oftmals an einem immer wieder gleichen Problem. Wird eine Verbesserung dadurch erreicht, dass die Effizienz eines Produktes verbessert wird, wird unter Garantie irgendein Umweltverband schreien, dass das so wahlweise sogar eine Verschlechterung sei oder zumindest doch viel zu wenig.

Ein schönes Beispiel sind die angeblichen "Bonzenautos" unserer Politiker. Hier wird nicht etwa gefragt, warum die S-Klasse der Minister denn über 10l verbrauchen muss, sondern warum sie eine S-Klasse fahren. Das gleiche Ziel - einen Verbrauch von etwa 7l - kann man derzeit auf 2 Wegen erreichen: Durch einen S 400 Hybrid oder durch einen C 180 (genauer: Die C-Klasse verbraucht sogar noch etwas mehr). Doch absolut NIEMAND fordert öffentlich, dass unsere Politiker doch bitte ein Hybridauto einsetzen sollen. Überall wird nur gefragt, "warum die so große Autos haben müssen".

Das gleiche Phänomen kann man auch bei Flachbildschirmen (wobei hier die Tendenz zur Überkompensation schon knapp existiert), bei PCs (wo die Verbesserungen der letzten Jahre in der Diskussion *völlig* ignoriert werden) oder bei den Sparlampen (dass das Licht einer 25W-Glühlampenfunzel scheiße ist, stört auch niemanden!) beobachten. Umweltschutz ist offenbar nur dann "guter" Umweltschutz, wenn er mit Verzicht einher geht.

Das Ergebnis ist verheerend: Warum sollte man ein Produkt kaufen, dass effizienter ist, wenn einem eingeredet wird, dass man damit auch nicht besser sei? In der Folge wird Umweltschutz vollends ignoriert. Nicht selten geht die Reaktion aber weit darüber hinaus - Umweltschützer werden als "Ökospinner" abgestempelt und selbst Produkte, die *nur* Vorteile haben, werden nicht gekauft. Gerne wird Umweltschutz als als "Neid" verstanden und sein eigentlicher Zweck bestritten.

Aus diesem Grunde sollte unsere Umweltpolitik sich wesentlich mehr darauf konzentrieren, Produkte zu fördern, die besser für die Umwelt sind _ohne_ dabei irgendwelche Nachteile zu haben. Und es muss auf Vorteile dieser neuen Produkte, die über "es ist besser für die Umwelt" hinausgehen, hingewiesen werden. Oftmals sind hier nämlich durchaus Eigenschaften, nach denen der Markt verlangt hat bei. Auf diese Art lassen sich bereits deutliche Verbesserungen im Umweltschutz erreichen; wesentlich mehr, als jemals mit der "Verzichte, sonst bist du böse!"-Methodik erreicht wurde. In den wenigen Fällen, wo man ohne Verzicht nichts erreicht, ist ein solcher dann auch weitaus eher durchsetzbar.