Montag, 24. August 2009

Glühlampe, Akt II

Spiegel-TV hat heute einen Bericht veröffentlicht, dessen Unsinnigkeit kaum zu übertreffen ist. Eine offensichtliche Hetzrede gegen Energiesparlampen, bei der kein einziger Vorteil auch nur erwähnt wurde, dafür jede Menge teilweise schlicht erlogene Nachteile. Dabei beruft man sich reihenweise auf einen "Test" der Zeitschrift Ökotest, der bereits für seine lausige Qualität bekannt geworden ist - und hier noch durch einige Peinlichkeiten mehr auffällt. In diesem Test waren übrigens unter den getesteten 16 ESLs ganze *drei* Modelle namhafter Hersteller (je eine von GE [mir selbst noch nirgends begegnet], Philips und Osram). Die anderen 13 Modelle sind Noname-Produkte, zumeist von den Hausmarken von Lebensmittelhändlern!

Die erste Aussage betrifft die Farbtemperatur. Hier soll angeblich eine ESL kälteres Licht haben, als das Tageslicht. Tatsächlich ist es andersrum: "kaltes Licht" bedeutet eine hohe Farbtemperatur. Nun hat das Tageslicht zwischen 15000 und 27000K. ESLs gibt es zwischen 2700 und 6500K - also wesentlich wärmer (!) Und Glühlampen? 2200-3000K, also ähnlich warm, wie die wärmsten ESLs.

Lustig weiter geht es mit einem Strahler, bei dem die ESL in Wahrheit wesentlich dunkler sein soll, als eine vergleichbare Glühlampe. Ob diese Aussage stimmt, kann ich auf die Schnelle nicht überprüfen; was ich aber prüfen kann, ist dass diese Aussage _nicht_ für irgendwelche Standard-ESLs gilt. Aber warum sollte man aus einer Ausnahme nicht die Regel machen?

Gleich der nächste Aspekt ist die Farbwiedergabe - dass hier für viele ESLs wirklich ein Mango besteht, wird gerne (völlig übertrieben) ausgeschlachtet. Dass es ESLs mit einem besseren Lichtspektrum gibt, "vergisst" man dagegen.

Zur Erheiterung noch 2 Damen, die sich anhand einer Röhrenform-Billig-ESL über die gar so hässliche Bauform eben dieser auslassen. Wohl noch nie von ESLs in Glühlampenform gehört...

Zwischendurch haben wir noch selten gehörten Käse über elektromagnetische Felder - gehört ja dazu, wenn der "Ökotest" von einem "Baubiologen" (anderes Wort für "Strahlen-Esoteriker") durchgeführt wird. Tatsächlich ist diese (völlig bedeutungslose) Strahlung proportional zur elektrischen Leistung, also genauso kleiner als bei einer Glühlampe.

Zum Ende kommt noch der Quecksilber-Aspekt, den ich ja schon vor einigen Wochen zerlegt habe. Auch hier wird völlig übertrieben: "die Hersteller verwenden wesentlich mehr als erlaubt" (tatsächlich verwenden die großen Hersteller zwischen 1/3 und 40% des erlaubten; eine Überschreitung der Grenzwerte wäre ein Fall für die Gewerbeaufsicht und sonst gar nichts), "fällt eine Lampe herunter, ist das extrem gefährlich" (tatsächlich müsste dafür erstmal der Glaskolben zerbrechen; das in einem Fieberthermometer das _200fache_ an Quecksilber ist, wurde natürlich "vergessen"). Kein Wort dagegen über das eingesparte Quecksilber aus der Stromproduktion, kein Wort über Amalgam-Bindungen (die das Quecksilber-Problem dann endgültig lösen) - etwas positives über ESLs zu schreiben, wäre ja auch schlimm.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Interessant, danke für den Blog post. :-)

-- zerwas