Sonntag, 9. August 2009

Energiepolitik 2020-2030

Es gibt kaum eine Partei in Deutschland, in deren Programm sich nicht irgendwelche hohlen Floskeln zum Thema Klimaschutz bzw. Energiepolitik finden. Konkrete Ziele, was wann und vor allem wie erreicht werden soll, gibt es leider praktisch nie.

Aus diesem Grunde habe ich hier einmal einen Vorschlag. Das ganze basiert auf den Annahmen einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2008. Nach dieser ergibt sich, so keine Vorschriften geändert werden, für 2020 folgendes Bild:

  • Noch 3 AKWs (die 3 Konvoi-Reaktoren Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2) mit zusammen 4,5 GW Leistung
  • Eine vergleichsweise winzige Menge Braunkohlekraftwerke (irgendwas um die 10 GW zusammen), durchweg aus Anlagen die nach 1990 in Betrieb gegangen sind, jedoch andererseits kaum eines nach 2010.
  • Eine zu heute mehr oder weniger konstante Menge an Steinkohlekraftwerken, allerdings ebenfalls in weiten Teilen erneuert.
  • Einen deutlich größeren Anteil an Gaskraftwerken, insbesondere GuD
  • Einen gewaltig größeren Anteil an erneuerbaren Energien, die, wenn der nächtliche Tiefstand im Verbrauch und ein Maximum im Wind zusammenkommen, kurzzeitig fast 100% der Energieversorgung decken können. Über das Jahr betrachtet ergibt sich allerdings "nur" ein Anteil von etwa 25%.
  • Selbst an dem Tage des maximalen Stromverbrauches (ein Mittwoch Mittag im Januar) einen Überschuss von über 15 GW Kraftwerksleistung.
Hieraus ergeben sich vor allem diese Folgerungen:
  • Wir bauen 15 GW zu viele neue Kraftwerke.
  • Die 15 GW Grundlast-Kraftwerke (AKWs und Braunkohle) und die bisher gesetzlich vorgesehene Bevorzugung von erneuerbaren Energien kollidieren.
Relevant für die Umweltfrage ist abseits von den AKWs der CO2-Ausstoß pro kWh der einzelnen Kraftwerkstypen. Dieser liegt derzeit bei Braunkohle bei maximal 1100, bei Steinkohle bei maximal 850, bei Gas bei 400 (GuD eher 300) und bei allen anderen Formen teilweise weit unter 100 g/kWh. Neu gebaute Anlagen kommen bei Braunkohle auf unter 900, bei Steinkohle gar auf etwa 650 g. Insofern erzeugt alleine der Markt für 2020 einen CO2-Grenzwert von etwa 900 g. Und genau mit diesem Grenzwert sollte man imho arbeiten.

AKWs und Braunkohle pauschal 2020 abzuschalten, klingt auf den ersten Blick nach einer einfachen Lösung, ist dies aber nicht unbedingt, da zu dem fraglichen Zeitpunkt noch einige wenige Steinkohlekraftwerke mit sehr schlechter CO2-Bilanz übrig sein dürften, während die Konvoi-AKWs eine wesentlich bessere CO2-Bilanz aufweisen und eh zu den sichersten Kraftwerken ihrer Art weltweit gehören. Eine komplette Abschaltung der Braunkohle sehe ich jedoch als erstrebenswert an. Im Atomkonsens wurde darüber hinaus bisher (von den Medien wenig beachtet) eine Reststrommenge von rund 107 TWh vom Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich zur weitgehend "freien Verteilung" genannt. Würde man diese auf die 3 Konvoi-Reaktoren anwenden, ergäbe dies eine Verlängerung der Restlaufzeit um je 3 Jahre. Zu überlegen ist, ob man zudem das AKW Krümmel vorzeitig stilllegt und dessen Restlaufzeiten ebenfalls auf die 3 Konvoi-Reaktoren verlagert. Das ergäbe weitere 2 Jahre. In diesen 5 Jahren wäre der Bau eines bezüglich der CO2-Bilanz bestmöglichen Ersatzes problemlos möglich, während man parallel die Stilllegung der verbliebenden Steinkohle-Kraftwerke vorantreiben könnte. Damit besteht die Chance, im Jahre 2025 einen faktischen CO2-Grenzwert von 300-400 g/kWh zu erreichen, also 1/3 des heutigen.

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