Montag, 27. Juli 2009

UPDATE: Glühlampen-Fanatismus

Man hört es ja immer wieder: Energiesparlampen sind ja soo böse. Darum einmal ein paar Richtigstellungen hierzu. Auf die diversen esoterischen Äußerungen zu der "Lichtqualität" will ich hier nicht eingehen, sondern nur auf die umweltschutzrelevanten Fragen.

Das erste wäre die Energiebilanz. Dass man mit einer ESL massiv Strom sparen kann, ist unstrittig; im Falle einer 10W ESL zum Beispiel 50 kWh pro 1000 Stunden gegenüber einer 60W-Glühlampe bei gleicher Helligkeit. Nun kann ein Produkt grundsätzlich nicht mehr Produktionsenergie kosten, als es selbst kostet. Des weiteren ist Industriestrom alleine durch die Brennstoffkosten nirgendwo auf der Welt billiger als 10ct/kWh. Aus diesen beiden Punkten lässt sich für ESLs ein theoretisches Maximum von 50 kWh für die Produktioneenergie ermitteln (ergibt sich aus einem maximalen Kaufpreis von 5€ für normale Bauformen). Bereits nach diesen Zahlen ist nach 1000 Stunden die Energiebilanz einer ESL und einer Glühlampe identisch, danach (ESLs sollten mindestens 6000 Stunden halten, einige Modelle noch wesentlich mehr) spart die ESL dann immer Strom. Zur Erinnerung: 1000 Stunden sind etwa 1 1/2 Monate Dauerbetrieb oder knapp 3 Stunden pro Tag für ein Jahr. Tatsächlich muss man aus dem Kaufpreis aber auch noch Gewinne des Herstellers, dessen Lohnkosten und Steuern abziehen, die ja keine Energiekosten sind.

Die Energiekosten für die Entsorgung müssen bei einer ESL bereits im Kaufpreis enthalten sein, da die Hersteller diese Kosten übernehmen müssen.

Schadstoffe, insbesondere Quecksilber sind ein weiteres beliebtes Hetzthema. Hierbei darf in einer ESL maximal 5mg Quecksilber im Glaskolben enthalten sein (in der Praxis ist es weniger). Des weiteren wird aber bei der Stromproduktion in Kohlekraftwerken Quecksilber freigesetzt. Bereinigt mit dem deutschen Strommix sind dies 0,0147mg pro kWh (ohne eine Filterung der Kraftwerke wäre es übrigens noch mehr). In unserem obigen Beispiel also nach 1000 Stunden 0,735mg. Hier dauert es etwas länger, bis die Umweltbilanz besser ist, als bei der Glühlampe, es sind rund 6500 Stunden. Wird die ESL fachgerecht entsorgt, sind es jedoch 0 Stunden, denn deren Quecksilber lässt sich vollständig recyceln. Des weiteren gibt es inzwischen ESLs mit einem wesentlich geringeren Quecksilber-Gehalt. Philips bewirbt hier ein Modell mit 1,4mg, die Firma Megaman gibt einen Durchschnitt von "unter 2mg" für ihre gesamte Produktpalette an. Selbige Zahlen entsprechen dem durch Kohlestrom ausgestoßenen Quecksilber nach 2000-3000 Stunden. Übrigens wird das Quecksilber heute in Form eines Amalgams (wie man es aus Zahlfüllungen kennt) gebunden, wodurch das Gesundheitsrisiko nach unzähligen Studien bei 0 liegt, selbst wenn diese Substanz freigesetzt wird. Ein völliger Verzicht auf Quecksilber ist bisher leider noch nicht möglich.

Eine lokal erhöhte Quecksilberbelastung ergibt sich auch nur, wenn der Glaskolben einer ESL mit ungebundenem Quecksilber zerbricht (mir ehrlich gesagt noch nie passiert, einzig die Verbindung zwischen Glaskolben und Eletronik habe ich schon kaputt gekriegt). Gesetzlich wäre hier wünschenswert, sowohl diese Bindung vorzuschreiben wie auch den Quecksilbergehalt soweit zu reduzieren, wie dies der Stand der Technik heute erlaubt. So oder so ist jeder Nutzer einer ESL dazu aufgefordert, diese fachgerecht zu entsorgen (zumal, wenn die eigene Lampe diese Bedingungen nicht erfüllt), was bisher nur zu etwa 25% erfüllt wird.

Ein nicht so einfach zu erfassendes Problem ist der Abbau der Rohstoffe für die Herstellung von ESLs, also insbesondere Kupfer, Zinn und Aluminium, welcher teilweise Schadstoffe freisetzt. Eine genaue Erfassung hierzu gibt es bisher nicht.

Aussagen über radioaktive Stoffe generell in Leuchtstofflampen, also auch ESLs sind seit inzwischen fast 20 Jahren erledigt: seitdem sind derartige Lampen vom Markt verschwunden. Unsinnig sind Befürchtungen zu Elektromagnetischen Feldern. Derartige Felder sind in der Summe proportional zum Stromverbrauch und aus diesem Grunde bei einer ESL nur ~1/5 so hoch, wie bei einer Glühlampe. Der Einschaltstrom einer ESL entspricht übrigens für die ersten <0,1 Sekunden maximal dem, was eine normale Glühlampe dauerhaft benötigt; Aussagen, das man ESLs aus Verbrauchsgründen länger leuchten lassen sollte, sind also ausnahmslos falsch.

Kurz einmal zu anderen Punkten: Ein reales Problem vieler ESLs ist der Konflikt aus Lebensdauer und Einschaltzeit, hier gibt es aber bereits einige wenige (und teure) Exemplare, dieses Problem durch einen speziellen Aufbau (Stichwort "Elektrodenlos") komplett lösen. Auch schwankt die Einschaltzeit teilweise erheblich zwischen verschiedenen Modellen. Probleme mit Brummen oder Flimmern im Betrieb beziehen sich generell maximal noch auf extrem minderwertige Modelle.

Die Farbwiedergabe einer ESL ist - anders als bei einer Glühlampe - modellspezifisch. Es gibt hier verschiedenste Lichtfarben, wobei tendenziell die Auswahl mit steigendem Preis zunimmt. Relevante Werte sind 2700K (entsprechend einer Glühlampe), 4000K (Kaltweiß) und 7000K (Tageslichtweiß). Des weiteren gibt es Unterschiede dabei, wie gleichmäßig das Farbspektrum ist.

UPDATE

Inzwischen hab ich noch eine Studie der Firma Osram zur Energiebilanz von Leuchtmitteln gefunden. Kurzfassung: 25 Glühlampen benötigen für die Produktion etwa doppelt so viel Energie wie 2,5 ESLs oder eine LED-Lampe. Über die gesamte Lebensdauer von 25.000 Stunden ist hier von jeweils weniger als 2% der Gesamtenergie für die Produktion die Rede (rechnerisch wären das um die 100 kWh); also ein völlig bedeutungsloser Wert, wenn man die riesigen Unterschiede in der Nutzungsenergie vergleicht. Die Zahlen sind damit sogar noch etwas besser als meine obigen Berechnungen über den Kaufpreis - die energietische Amortisierung ist hiermit schon nach rund 650 Stunden erledigt.

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