Samstag, 13. Juni 2009

Warum "Zukunftssicherheit" bei Hardware kein Kaufgrund sein darf

Wann immer man in irgendeinem Internetforum fragt, was für einen PC man sich kaufen sollte, kommt die Aussage, dass der neue PC doch bitte "Zukunftssicher" sein soll - zu praktisch 100% ein Synonym für "überdimensioniert".

Tatsächlich sollte man aber genau das Gegenteil tun: Die Hardware so auslegen, dass sie für das, was man heute machen will gerade eben ausreicht. Selbst wenn man in 6 Monaten deswegen wieder aufrüsten muss ist diese Methode preisgünstiger. Warum?
  1. In den meisten Hardwarebereichen haben die preisgünstigsten Produkte sehr sehr deutlich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. EIn schönes Beispiel sehen wir in diesem Test. Die beiden langsamsten Prozessoren im dem Test (der X2 4850e und der X2 6000+) führen das P/L-Rating mit riesigem Vorsprung an. Kein Wunder: Der 4850e kostet um die 50€ und die schnellsten CPUs, die es derzeit gibt, leisten "gerade einmal" das doppelte, kosten aber rund das ZWANZIGfache. Bei Grafikkarten ist es nicht ganz so extrem, aber auch hier kostet eine GeForce GTX285 das vierfache der Sieger im P/L-Rating, leistet aber nur das doppelte.
  2. PC-Preise sinken. Eigentlich eine Binsenweisheit, aber oftmals vergessen. 2006 kostete ein Core 2 Duo zwischen 183 und 530 US-$, bei Taktraten zwischen 1,86 und 2,66GHz. Und heute? Recht gut mit dem Spitzenmodell (C2D E6600) von damals ist der Pentium Dual-Core E6300 für um die 80€. Man hätte also damals einen E6600 für 500€ kaufen können oder einfach einen - für jede Aufgabe ausreichenden - C2D E6300 (jetzt wird's kompliziert; da wurde nämlich eine Bezeichnung wiederverwendet) für 180€ und heute einen Pentium E6300 für 80€ und hätte für in Summe 240€ ein sogar noch leicht schnelleres System.
  3. Netzteile und Mainboards sind Komponenten, die gerne überdimensioniert gekauft werden. Beim Netzteil "bedankt" sich dieses durch einen erhöhten Anschaffungspreis (jenseits der 500W steigen die Preise *richtig* an) oder durch einen lausigen Wirkungsgrad bei Office-Arbeit. Bei Mainboards werden gerne Modelle mit zwei PCIe-Slots empfohlen - aber mal ehrlich, wer will denn wirklich ein SLI- oder Crossfire-System aufbauen? Doch eigentlich nur eien Verschwindende Minderheit.
  4. Auch sollte man sich fragen, wie lange diese Zukunft wirklich ist. Mein letzter Rechner war von 2005, damals habe ich nicht auf Zukunftssicherheit geachtet, also hatte die Kiste Sockel 754, DDR1-RAM, eine AGP-Grafikkarte und eine IDE-Festplatte. Hätte ich auf "Zukunftssicherheit" geachtet, wäre es wohl Sockel 939 geworden, vielleicht auch mit PCI-Express und SATA-Platte. Und heute dann? Sockel 939 ist genauso tot wie der 754, CPUs dafür gibt es schon lange nicht mehr und auch mit dem letzten kann man keinen Blumentopf mehr gewinnen. Die damaligen PCI-Express-Boards hatten dafür eine aktive Kühlung (mit kleinen Schreilüfter) und DDR2-RAM gab es eh noch nicht.
    Heute ist es akut die Frage AM2+ oder AM3 für AMD-Prozessoren. AM3 hat den Vorteil, dass man vielleicht (!) auch nach 2011 noch Prozessoren dafür bekommt; bei AM2+ wird allgemein davon ausgegangen, dass das dann nicht mehr geht. Erkauft wird diese erhoffte Zukunftssicherheit mit höheren Preisen für Board und Speicher - und 2011 schmeißt man das AM3-Board dann doch weg, weil man vielleicht eien intel-CPU will, oder einem SATA/600, USB 3.0 oder irgendein anderer neuer Standard fehlen - oder weil AMD mal wieder aus irgendeinem grund die Pinbelegung geändert hat; etwa weil (wie derzeit bei intel) der PCIe-Controller in dem Prozessor wandert.
  5. Auch beim Stromverbrauch ist (zumeist) "langsamer = besser". Zwar unterscheiden sich heutige Rechner im Idle-Verbrauch kaum noch, unter Last sind die Unterschiede allerdings riesig. Und wieso bis zu 100W mehr verbrauchen, wenn man davon nichts hat?

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