Sonntag, 5. April 2009

Auslegung von PC-Netzteilen

Bei der Frage, was für ein Netzteil der eigene PC nun braucht, liegen die meisten Benutzer völlig daneben und greifen zu viel zu hohen Werten. Üblicher Weise würde ein (meist altes und schon damals eher billiges) Netzteil zuvor getestet und dieses erfüllte seinen Zweck nicht - als Ergebnis muss also irgendwas mit mindestens 100W mehr her. Darum ein paar Tipps zur Auslegung des Netzteils:

Zunächst sollte der Stromverbrauch des Rechners ohne Netzteilverlust unter Last ermittelt werden. Messen lässt sich dieser nur schwer; wohl aber abschätzen: Man nehme die TDP des Prozessors, die der Grafikkarte (beide Angaben finden sich zum Beispiel in den entsprechenden Wikipedia-Artikeln; steht bei der Grafikkarte nichts, sind für PCI- und AGP-Karten pauschal 25W anzusetzen). Hierzu addieren wir pauschal 50W für das Kleinzeug sowie 10W pro Festplatte. Hierbei ergibt sich ein Wert zwischen 100 und etwa 400W; höhere Zahlen kommen so gut wie nicht vor!

Extrem wichtig ist, welche Zahl beim Netzteil man ansetzt. Heutige PCs wandeln nahezu alle Spannungen aus einer Eingangsspannung von 12V; dies war bei wesentlich älteren PCs noch völlig anders. Dies führt dazu, dass noch bis 2005 ein typisches 350W-Netzteil nur 15A auf der 12V-Leitung hatte, was unwesentlich mehr als die Hälfte der Nennleistung war. Dagegen haben heutige Netzteile in dieser Leistungsklasse meist um die 25A 12V, was 300W sind. Aus diesem Grund sollte man ältere Netzteile als '12V-Leistung + 50W' berechnen, was unter Umständen wesentlich geringere Werte ergibt.

Ein "viel hilft viel" ist keine gute Idee! Grundsätzlich sollte der Rechner niemals weniger als 20% der Nennleistung des Netzteils ziehen, da hier der Wirkungsgrad massiv abfällt (mit diesem Wert wird halt nicht mehr geworben...). Bei Rechnern mit leistungsstarken dedizierten Grafikkarten (Merkmal: PCI-Express-Karte mit zusätzlicher Stromversorgung) ist dies erst bei Netzteilen über 400W ein Problem. Bei kleineren PCs kann man leider das Problem nicht ganz umgehen, da es bei einem Leerlauf-Verbrauch von 40-50W halt bereits bei einem (im Handel derzeit nur in völlig veralteter Form verfügbaren) Netzteil mit 200-250W auftreten würde. Hierfür muss man sich also leider auf Tests verlassen, die den Wirkungsgrad bei sehr geringer Auslastung angeben.

Derzeit weitgehend als "Universalnetzteil" gilt das Enermax Pro82+ mit 385W. Dieses Netzteil reicht nach oben für dieverse PCs aus und hat den Ruf, auch bis runter zu einer Auslastung von nur 10% noch einen sehr guten Wirkungsgrad zu liefern. Baugleiche Netzteile werden von Saphire als "FirePSU" angeboten; hier ist auch eine Variante mit nur 325W geplant, die voraussichtlich bei PCs unter etwa 75W einen noch besseren Wert liefern würde.