Sonntag, 15. März 2009

Sparsamer PC?

So langsam kann ich es nicht mehr hören... Jeden zweiten Tag kommt irgendwer, dessen PC-Kenntnisse bestenfalls als "gefährliches Halbwissen" einzuordnen sind und erzählt, das ja moderne PCs total scheiße wären, weil sie so unendlich viel Strom verbrauchen. Ermittelt wird diese Aussage aus der Existenz von netzteilen mit über 1 kW Nennleistung oder aus der "TDP" von Prozessoren. Darum hier einmal ein paar Fakten zu diesen Zahlen:

  • Die TDP eines Prozessors ermittelt sich aus einem Stufen-System (intel: 35, 65, 95, 125W; AMD: 45, 65, 95, 125, 140W) und dem Stromverbrauch, wenn alle Prozessorkerne (bis zu vier) komplett ausgelastet sind. Eine TDP von "95W" sagt also nichts anderes aus, als das der Prozessor im schlimmsten Fall über 65W verbrauchen kann.
  • Über den Stromverbrauch, solange der Rechner nicht ausgelastet wird, sagen diese Zahlen gar nichts aus; dieser liegt vielmehr bei sämtlichen neueren (genauer: bei AMD nach 2005 ["Athlon 64"], bei Intel nach Herbst 2006 ["Core"]) Prozessoren bei 3 bis 10 W.
  • Für einen kompletten Rechner ohne eine dedizierte Grafikkarte kommt man so weitgehend unabhängig von der Rechenleistung auf einen Verbrauch von 50W und weniger. Ein solcher Rechner wird im extrem Fall (größter verfügbarer Prozessor und Rechner wie auch Onboard-Grafik komplett ausgelastet) auf etwa 220W kommen.
  • Erst mit einer dedizierten Grafikkarte, wie sie praktisch ausschließlich für 3D-Spiele erforderlich ist, entsteht ein höherer Stromverbrauch, der jedoch weiterhin auch unter Last nicht über 400W steigen wird. Darüber hinaus kommen nur Systeme mit SLI oder Crossfire, die aber nach Stückzahlen völlig bedeutungslos sind.
  • Die Nennleistung des Netzteils hat erst einmal nichts mit dem Stromverbrauch des Rechners zu tun!
  • Selbst ein Verbrauch von rund 40W im nicht-3D-Betrieb stellt heute kein Problem mehr dar: AMD Athlon X2 5050e, Onboard-Grafik (z.B. AMD 780G-Chipsatz), 5400rpm-Festplatte (z.B. Samsung Eco oder WD Caviar Green) und ein effizientes Netzteil (z.B. Enermax Pro82+-Serie) - ein solches System lässt sich für unter 400€ zusammenstellen.
Ein paar Zahlen zum Vergleich:
  • Ein PC bis zu etwa 500MHz verbraucht weitgehend unabhängig von der Leistung und Ausstattung 50W - egal ob unter Last oder im Leerlauf. Damals haben sich die diversen Veränderungen gegenseitig mehr oder weniger egalisiert. Rechner dieser Zeit mit modernen Festplatten und/oder Netzteilen ausgestattet erreichen allerdings teilweise Traumwerte weit darunter.
  • Ein AMD Athlon mit 1 GHz und einer GeForce 2 GTS (damals eine sehr verbreitete Kombination) liegt bei etwa 120W. Ebenfalls immer. Moderne Netzteile und Festplatten können kaum unter 100W drücken.
  • Ein Pentium 4-System (oder gar "Pentium D") mit einer GeForce 6 kann durchaus weit über 300W kommen. Die Wirkung von etwaigen Stromspar-Funktionen kann hierbei vernachlässigt werden, da sie eher dazu implementiert wurden, den Prozessor vor dem Hitzetod zu bewahren. Hier ist bezüglich Optimierungen Hopfen und Malz verloren.

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