Samstag, 29. November 2008

Second Life im Selbsttest

Jeder noch so schlechte Journalist meint, darüber berichten zu müssen; also dachte ich mir, das ganze kann ich mir ja auch einmal selbst ansehen.. Gesagt, getan.

Als Avatar, wie die Figuren dort genannt werden, habe ich eine junge Frau gewählt, die möglichst natürlich gestaltet ist; im doppelten Sinne: also weder auffälliges Outfit, Makeup u.ä. noch irgendwelche unrealistischen Merkmale. Selbiges kann man ob der Abgrenzung zur Mehrheit als "Volltreffer" bezeichnen. Die Einkleidung so eines "langweiligen" Charakters ist dann auch nicht ganz einfach - auf Schuhwerk verzichtet dieser (nicht zuletzt ob der beknackten Optik) ganz und der Rock ist "Marke Eigenpfusch" mit Sand-Textur.

Die große Mehrzahl der Avatare, so einem überhaupt mal viele Leute begegnen, sind als Menschen gestaltet (Tier-Avatare gibt es zwar, sind aber eine absolute Ausnahme, eher findet man irgendwelche "wandernden Staubwolken"), wobei die Outfits fast durchweg dem Grundsatz "Auffallen um des Auffallens willen" folgen. Die im echten Leben allgegenwärtigen Hiphopper sind mir dort überhaupt nicht aufgefallen (entweder, es sind keine da, oder sie gehen zwischen den Paradiesvögeln unter), dagegen gibt es jede Art von Gruftis, Fetisch-Kleidung und Blink-Kram.

Die Inhalte sind entsprechend auf zwei Schwerpunkte fixiert: Outfit tunen und Sex. Eine Alterskontrolle, und sei sie noch so primitiv, gibt es übrigens nicht - allerdings wird in den Sex-Bereichen darauf hingewiesen, dass kindliche Avatare (die mir eh kaum begegnet sind) und Accounts von Minderjährigen (wie immer man das kontrolliert) unerwünscht sind und entfernt werden. Ich hoffe, die Kontrolle ist besser, als die der virtuellen Nacktheit am virtuellen Nacktstrand... Diese Strände sind übrigens ebenfalls kinderfrei, nicht zuletzt, weil sie eher als "Fickstrände" ausgelegt sind.

Technisch fallen vor allem zwei nervige Schwächen auf: Die Logik, nach der die Texturen geladen werden, verdient diese Bezeichnung nicht - da steht man dann auch mal minutenlang vor einem Hinweisschild (auf dem durchaus etwas wirklich wichtiges stehen kann), während erstmal in Ruhe irgendwelche beknackten Werbeschilder 50m weit weg geladen werden. Daneben gibt es Clippingfehler ohne Ende an den Avataren - Halsbänder liegen so öfter vor oder hinter dem Hals als um diesen herum. Festhängen kann man übrigens durchaus öfter mal, zur Not kann man sich aber immer in Sicherheit teleportieren. Das gängigste Problem ist hierbei, dass man in irgendein Loch gefallen ist und nicht wieder raus findet.

Was gibt's sonst noch? Achja: Sollte die durchschnittliche Männerwelt im Real Life genauso plump an die Frauen rangehen, müssen wir uns über den schlechten Ruf nicht freuen - Fragen in der Reihenfolge erst "do you wanna fuck?" und später mal "from where are you?" sind schon bezeichnend. Nach Alter und Herkunft wird man übrigens dauernd gefragt; allerdings nicht penetrant: bei letzterem hat nur einer nach der Nennung des Kontinentes weiter gefragt (und der war Italiener, der sich über mein gutes englisch wunderte *gg*)...

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