Samstag, 19. April 2008

Umweltschutz

Angedroht hatte ich es schon im vorigen Beitrag, daher hier ein paar Vorschläge zum praktischen Umweltschutz. Damit eng verbunden ist das wohl ohne Zweifel bevorstehende Ende des Erdöl-Zeitalters und der Abschied von Atomkraft und Kohleenergie in der Stromgewinnung. Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass unser bisheriges Gefasel "irgendwann muss man mal irgendwas tun" schlichtweg lächerlich ist. Man muss von zwei Gedanken weg kommen:
  • Man darf nicht immer nur warten, bis die anderen etwas tun; sonst tut am Ende keiner was.
  • Technologische Verbesserungen werden zwar einen Teil der Probleme abfangen, jedoch keineswegs einen wirklich bedeutenden Anteil.
Daraus folgert, dass man also jetzt handeln muss und dass manche Handlungen auch eine Einschränkung des persönlichen Lebensstils sind. Das im Grunde einfachste ist das Thema elektrischer Strom. Der Stromverbrauch pro Kopf in Deutschland (inkl. umgelegtem Gewerbe- und Industriestrom) sind 7,5 MWh. Der Private Strom macht in etwa 1/4 davon, also 1,875 MWh aus. Durch erneuerbare Energien (Ökostrom) werden pro Kopf aber gerade einmal 1,065 MWh gedeckt (14,2%). Dementsprechend ist es also nicht möglich, den persönlichen Anteil auf einen wirklich durch Ökostrom abdeckbaren Wert zu drücken - selbst wenn man gar nichts verbraucht, bleiben immer noch 4,56 MWh zu viel; selbiges ist aber nicht wirklich praktikabel. Wenigstens den privaten Strom durch Ökostrom (wenn man denn diesen nicht nutzen will, zumindest mengenmäßig) zu decken (also auf unter 1000 kWh) ist hingegen sowohl rechnerisch wie auch praktisch machbar. Der tatsächliche Stromverbrauch in Deutschland staffelt sich nach der Größe der Haushalte, so ist für einen Haushalt mit drei oder mehr Personen der genannte Wert heute der Durchschnitt, Single-Haushalte liegen hingegen teilweise beim doppelten. Ich möchte hier jetzt ausdrücklich nicht die zigtausendste Seite mit den immer wieder gleichen Stromspar-Tipps liefern - nur eine Bitte: Beachtet sie endlich mal! Wenn man diese Tipps konsequent umsetzt (idealerweise mit jemandem, der dies schon getan hat als Berater), sind die hier genannten Zahlen keine Utopie - ganz im Gegenteil. Mir selbst ist es übrigens auf diese Art gelungen, den Stromverbrauch eines Einfamilienhauses (immer noch eine zusätzliche Gemeinheit) von 5200 kWh zu halbieren - ohne dabei irgendwo auch nur den kleinsten Komfortverzicht einzubauen.

All dies kann jedoch nur ein erster Schritt werden, denn auf die Dauer muss der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion nun einmal 100% betragen - und dahin ist es noch ein weiter Weg, der möglicher Weise auch einen Stromverbrauch _weit_ unter 1 MWh erforderlich macht.

Während es beim Strom derjenige mit einer Wohnung mit mehreren Personen besonders einfach und der mit einem Haus besonders schwer hat, ist dies bei den Heizkosten genau andersherum: Da Eigentümergemeinschaften in aller Regel stockkonservativ agieren (der langsamste Eigentümer zählt jeweils), passiert hier in Sachen Energiesparen kaum etwas. Ein Mieter kann sowieso nichts erreichen - dank absurder Umlagen, die denjenigen noch fördern, der seine Wohnung als Sauna missbraucht, hilft nicht einmal frieren. Ein Eigenheimbesitzer kann hier weitaus mehr erreichen. Dass das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (toller Name, nicht?) ab 2009 einen EE-Anteil von über 50% für die Heizung von Neubauten vorschreibt (in Baden-Württemberg übrigens schon in Kraft!) und auch das EnEV zum gleichen Zeitpunkt um 30% verschärft werden soll (dann auf das heute als "KfW 60" bezeichnete Niveau), sagt relativ deutlich, was hier möglich ist - Gesetze sind bekanntlich immer nur ein Minimalkonsens. Achja: Für 2012 ist "KfW40" dann als Vorschrift geplant - das nennt man dann schon bald Passivhaus.

Bei der Heizung ist insofern absehbar, dass langfristig Passivhäuser mit einer vollständig aus erneuerbaren Energien versorgten Heizanlage (soweit man da noch von einer solchen reden kann) vorgeschrieben werden. Es ist keine sonderlich gewagte These, dass spätestens 2015 "Heizung" ein veralteter Begriff sein wird.

Ein wesentlich größeres Problem stellt der Bereich Verkehr dar - sämtliche bisher vorhandenen Ansätze kratzen hier nur an der Oberfläche oder produzieren neue Probleme. Aufgrund des Tempos, mit dem in diesem Bereich ein sehr akutes Problem - der Mangel an bezahlbaren Erdöl - auftreten wird, werden hier wohl nur mehrere bisher propagierte Lösungen zusammen helfen:
  • eine Ausstattung von mehr oder minder sämtlichen Fahrzeugen mit einem (Plugin-)Hybrid-Antrieb.
  • Befeuerung der Verbrennungsmotoren in diesen mit 100% Biosprit.
  • eine sehr sehr massive Reduzierung der Motorleistung (etwa in einen Bereich von 1 l Hubraum für ein Oberklasse-Fahrzeug).
  • und eine fast ersatzlose Abschaffung des privaten Auto- und Flugverkehrs.
Eine wirkliche Alternative hierzu dürfte es kaum geben - selbst ein Fahrzeug mit einem Verbrauch von 1 l Benzin auf 100 km wird bei den in näherer Zukunft zu erwartenden Benzinpreisen kaum finanzierbar sein - und wann derartige Fahrzeuge denn einmal in Serie gehen, nachdem selbst 3 l immer noch Wunschdenken sind, ist eh offen.

Für den einen oder anderen mögen die hier geforderten Maßnahmen rigeros erscheinen - doch eine wirkliche Alternative sehe ich kaum, trotz aller dadurch erzeugten Folgen für die Wirtschaft - oder vielleicht gerade um diese wenigstens etwas abzumildern.

Keine Kommentare: