Sonntag, 9. März 2008

Wikipedia und Neutralität

Wann immer es um die Frage der Manipulierbarkeit von Wikipedia geht, wird die Befürchtung geäußert, dass die Inhalte durch Extremisten gleiche welchen Lagers manipuliert werden - ob dies nun Nazis, Kommunisten, religiöse Fundamentalisten, Esoteriker, politische- und wirtschaftliche Schönfärber oder was auch immer sind. Doch diese Gruppen hat man dort sehr gut im Griff. Oft genug heben sie sich gegenseitig auf oder werden von den jweils in der Mitte stehenden Benutzern gebremst.

Das Risiko ist vielmehr das genaue Gegenteil: Wann immer die Mehrheitsmeinung und der Stand der Wissenschaft kollidieren, DANN rappelt es. Entsprechend muss man in Themen im Grenzbereich zwischen Esoterik und Naturwissenschaft oftmals eher gegen die Naturwissenschaftler (die hier ihre eigenen Forschungen unterbreiten) denn gegen die Esoteriker kämpfen. Ähnlich sieht es bei religiösen Splittergruppen ("Sekten") aus, bei denen jeder glaubt zu wissen, dass diese gefährlich sind; konkretes kann hier jedoch niemand liefern - kein Wunder: die entsprechenden Wissenschaftler halten diese im Vergleich zu den mächtigen Weltreligionen für völlig unbedeutend. Auch die Definition von Begriffen wie Nation oder Volk bietet in diesem Bereich unendliches Potential - hat hier doch jeder seine eigene Definition für, die mit dem, was entsprechenden Wissenschaftler nutzen, oft nur wenig zu tun hat.
Erschwert werden diese Diskussionen dadurch, dass auch Journalisten (die mit Freuden als Quelle dienen, egal wie sehr sie ihre fachliche Inkompetenz bereits unter Beweis gestellt haben) eine eigene Meinung zu diesen Themen haben - und diese Meinung eben selten den Stand der Wissenschaft trifft. Benutzer, die auf diese Probleme hinweisen werden dann - insbesondere ob ihrer oftmals winzigen Anzahl - als das Problem gesehen.

Aus diesem Grunde ein Apell an jeden, der zu Wikipedia beitragen will: NICHT schreiben, was man glaubt zu wissen - auch nicht, wenn einem die Presse hierbei regelmäßig zustimmt, sondern wirklich alles überprüfen - und dabei ruhig verstehen, dass Wissenschaftler mehr Ahnung von einem Thema haben, als Journalisten.

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