Donnerstag, 7. Februar 2008

religiöse Kleidungsvorschriften

Die Diskussion darum, welche Bekleidung angemessen ist und welche nicht, wird immer wieder geführt, ganz aktuell Form des Kopftuchstreites in der Türkei. Gerade religiöse Gruppen - egal, ob christliche oder muslimische - sprechen sich hierbei meist für eine mehr oder weniger umfangreiche "Verhüllung" des menschlichen Körpers aus. Demgegenüber wird in extrem atheistisch geprägten Kulturen, etwa in der ehemaligen DDR, eine sehr liberale Haltung hierzu vertreten.

Oftmals wird von religiösen Gruppen hierbei als Argument angeführt, dass die Personen (meist geht es um Frauen) dadurch sexuell anziehender wirken, was mit der eher negativen Einstellung vieler dieser Gruppen zur Sexualität kollidiert. Hierbei wird jedoch ein Punkt nicht oder nur wenig bedacht: Die sexuelle Anziehung durch mehr oder weniger Bekleidung ist keine bei allen Menschen gleiche Konstante. Vielmehr ist eben diese ein Ergebnis der gesellschaftlichen Entwicklung, in der eine Übertretung der Grenzen zudem nur eine vor allem zeitlich extrem begrenzte Wirkung zeigt.

So dürfte bei den meisten mitteleuropäischen Männern eine nennenswerte aufreizende Wirkung frühestens bei Minirock und bauchfreiem/ärmellosem Top auftreten. Alles darunter wird als normal empfunden - wobei Frauen, die sehr stark den persönlichen oder dem allgemeinen Idealvorstellungen entsprechen, natürlich weitaus früher eine Wirkung erzeugen. So haben sichtbare Haare, wie sie von vielen Muslimen kritisiert werden, auf christlich geprägte Menschen _keinerlei_ derartige Wirkung; sie werden (bis auf sehr wenige Ausnahmen) vielmehr als selbstverständlich angesehen. Auch die Beine unterhalb der Knie (beliebtes Thema katholischer Kleiderordnungen) dürften auf kaum einen Mitteleuropäer sexuell anregend wirken.

In vielen Regionen Europas geht dies jedoch noch wesentlich weiter - bis hin zu Umständen, unter denen jeder Verzicht auf Kleidung akzeptiert wird (FKK, Sauna). Hier wird nicht etwa mit sexuellen Reizen gearbeitet, sondern vielmehr diese ausdrücklich abgeschaltet. Besonders ausgeprägt ist dies in Dänemark, wo am Stand eher bekleidete Personen schief angeguckt werden, ähnliches gilt für viele Regionen in Frankreich und Kroatien. "Oben ohne" wird sowieso in den meisten europäischen Ländern akzeptiert - unabhängig von theoretischen Gesetzen.

Ein Wandel dieser Normen - praktisch nur in Richtung mehr Toleranz - ist ebenfalls weitreichend zu beobachten: Lange Hose und höchstens (!) kurzärmelige Oberbekleidung waren noch für 100 Jahren selbst als Badebekleidung (das ganze dann aber hauteng) weit verbreitet - selbst in Regionen, in denen Badebekleidung heute als solche ausgestorben ist. Begrenzt wird die Kleindernorm heute eher durch ästethische Gründe: es gibt Körperformen, die man besser _nicht_ anderen Leuten zeigen sollte...

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