Sonntag, 14. Dezember 2008

Second Life, Teil II

Nach den Anfängen habe meine Erkundungen weiter fortgesetzt und bin zunehmend fasziniert. Weniger von der technischen Seite, denn diese ist eher grottig als von der inhaltlichen.

Technisch habe ich inzwischen eine Lösung für zumindest einige der Clippingfehler gefunden: Zum einen scheint gerade dieser Punkt schlechte von guten Gegenständen zu trennen, zum anderen kann man das ganze bei sich selbst zumindest korrigieren. Zwei weitere Mankos merkt man erst mit der Zeit: Zum einen ist der Client das so ziemlich instabilste Stückchen Software, dass mir seit Jahren untergekommen ist - so alle 2-3 mal am Tag sieht man ungeplant sienen Desktop mal wieder. Außerdem hat SL nicht gerade "die Schnelligkeit erfunden": offenbar werden sämtliche Scripte auf dem Server ausgeführt und der Client erfährt _nur_ deren Ergebnisse. Als Ergebnis sind besonders die scheinbar einfachen Scripte, die die Farbe oder Textur irgendeines Objektes ändern, besonders belastend für die Leitung - und genau von diesem Typ gibt es extrem viele. Entsprechend haben einige Regionen einen wirklich nervigen Lag, der durch schlampig geschriebene Scripte (von denen es wimmelt) noch verstärkt wird.

Auf der inhaltlichen Seite sind mir inzwischen zwei Punkte aufgefallen. Zum einen ist irgendwie fast jeder Bereich, in dem etwas anderes als Shopping los ist als "ab 18" gekennzeichnet - selbst, wenn es beim besten Willen nicht um Sex oder auch nur nackte Haut geht. Vermutlich will man sich so auch einiges anstrengendes Verhalten von Jugendlichen vom Hals halten. Zum anderen ist die Community teilweise echt unglaublich und geht extrem offen mit Neulingen um. Egal, wie blöd man sich auch anstellt; an einen bösen Kommentar kann ich mich kein einziges Mal erinnern - und die ersten Tage macht man alleine durch die Bedienung mehr als genug Mist.

Samstag, 29. November 2008

Second Life im Selbsttest

Jeder noch so schlechte Journalist meint, darüber berichten zu müssen; also dachte ich mir, das ganze kann ich mir ja auch einmal selbst ansehen.. Gesagt, getan.

Als Avatar, wie die Figuren dort genannt werden, habe ich eine junge Frau gewählt, die möglichst natürlich gestaltet ist; im doppelten Sinne: also weder auffälliges Outfit, Makeup u.ä. noch irgendwelche unrealistischen Merkmale. Selbiges kann man ob der Abgrenzung zur Mehrheit als "Volltreffer" bezeichnen. Die Einkleidung so eines "langweiligen" Charakters ist dann auch nicht ganz einfach - auf Schuhwerk verzichtet dieser (nicht zuletzt ob der beknackten Optik) ganz und der Rock ist "Marke Eigenpfusch" mit Sand-Textur.

Die große Mehrzahl der Avatare, so einem überhaupt mal viele Leute begegnen, sind als Menschen gestaltet (Tier-Avatare gibt es zwar, sind aber eine absolute Ausnahme, eher findet man irgendwelche "wandernden Staubwolken"), wobei die Outfits fast durchweg dem Grundsatz "Auffallen um des Auffallens willen" folgen. Die im echten Leben allgegenwärtigen Hiphopper sind mir dort überhaupt nicht aufgefallen (entweder, es sind keine da, oder sie gehen zwischen den Paradiesvögeln unter), dagegen gibt es jede Art von Gruftis, Fetisch-Kleidung und Blink-Kram.

Die Inhalte sind entsprechend auf zwei Schwerpunkte fixiert: Outfit tunen und Sex. Eine Alterskontrolle, und sei sie noch so primitiv, gibt es übrigens nicht - allerdings wird in den Sex-Bereichen darauf hingewiesen, dass kindliche Avatare (die mir eh kaum begegnet sind) und Accounts von Minderjährigen (wie immer man das kontrolliert) unerwünscht sind und entfernt werden. Ich hoffe, die Kontrolle ist besser, als die der virtuellen Nacktheit am virtuellen Nacktstrand... Diese Strände sind übrigens ebenfalls kinderfrei, nicht zuletzt, weil sie eher als "Fickstrände" ausgelegt sind.

Technisch fallen vor allem zwei nervige Schwächen auf: Die Logik, nach der die Texturen geladen werden, verdient diese Bezeichnung nicht - da steht man dann auch mal minutenlang vor einem Hinweisschild (auf dem durchaus etwas wirklich wichtiges stehen kann), während erstmal in Ruhe irgendwelche beknackten Werbeschilder 50m weit weg geladen werden. Daneben gibt es Clippingfehler ohne Ende an den Avataren - Halsbänder liegen so öfter vor oder hinter dem Hals als um diesen herum. Festhängen kann man übrigens durchaus öfter mal, zur Not kann man sich aber immer in Sicherheit teleportieren. Das gängigste Problem ist hierbei, dass man in irgendein Loch gefallen ist und nicht wieder raus findet.

Was gibt's sonst noch? Achja: Sollte die durchschnittliche Männerwelt im Real Life genauso plump an die Frauen rangehen, müssen wir uns über den schlechten Ruf nicht freuen - Fragen in der Reihenfolge erst "do you wanna fuck?" und später mal "from where are you?" sind schon bezeichnend. Nach Alter und Herkunft wird man übrigens dauernd gefragt; allerdings nicht penetrant: bei letzterem hat nur einer nach der Nennung des Kontinentes weiter gefragt (und der war Italiener, der sich über mein gutes englisch wunderte *gg*)...

Freitag, 31. Oktober 2008

Wenn Geschichte im Weg steht

Heute ging in der deutschen Hauptstadt ein Stück Geschichte zu Ende. Der älteste Flughafen der Welt wurde geschlossen. Soweit traurig genug, doch die Vorstellungen über die Nachnutzung sind viel viel trauriger. Den 1923 eröffneten Flughafen, dem Berlin zu verdanken hat, dass es heute noch existiert (man denke an die Luftbrücke) als Luftfahrt-Museum zu erhalten, wäre wohl zu viel gewesen. Nein, man möchte doch wirklich die legendäre kreisförmige Startbahn, auf der heute letztmals einer der Rosinenbomber (Bild unter CC-BY-SA) startete, abreißen und die Fläche "nachnutzen" - was immer dies bedeutet. Vielleicht ein Parkplatz? Oder einfach ein riesiges Einkaufszentrum? Oder doch ein Wohngebiet? Na Hauptsache nichts, was an die 85-jährige Geschichte erinnert...

Irgendwie erinnert mich das ganze fatal an "Berlin Hauptbahnhof" - anfangs stand der traditionelle Name "Lehrter Bahnhof" noch drunter, inzwischen ist er ganz weg. Ich hoffe, dass wenigstens das Tempelhof-Gebäude mehr Glück hat.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Prioritäten

Dass die deutsch- und die englischsprachige Wikipedia unterschiedliche Prioritäten zu haben scheinen, ist keine sonderlich neue Erkenntnis. Doch heute Nacht wurde dies einmal mehr besonders deutlich...

In der englischsprachigen Wikipedia wurde mit 2,6 Millionen Artikeln einmal mehr ein 100.000er voll - inzwischen kaum noch einer Meldung wert.

In der deutschsprachigen gibt es dagegen eine andere Neuigkeit: Seit heute sind alle Artikel zu tatsächlich fliegenden Airbus-Flugzeugen wenigstens lesenswert, was in der Wikipedia die Bezeichnung für Artikel ist, die einen bestimmten Qualitätsstandard erfüllen, zu dem unter anderem Vollständigkeit und Quellen gehören. Der letzte war der A310, nachdem erst vor einiger Zeit der A300 zunächst zum lesenswerten und dann zum exzellenten Artikel erklärt wurde. In dem letzteren Fall ist zudem noch der Stil wichtig und die anderen Kriterien werden noch strenger ausgelegt. Insgesamt sind bisher 13 Artikel zu zivilen Flugzeugtypen mindestens lesenswert - neben allen Airbus-Typen sind dies die Boeing 737, 747, 757 und 767, die Junkers Ju 52/3, die Douglas DC-8 und die BAC 1-11. Über alle Themenbereiche zusammen hat die deutschsprachige Wikipedia gar fast 4100 solcher Artikel.

Darum meine Meinung: Besser Klasse als Masse.

Freitag, 17. Oktober 2008

Natur um die Ecke

Da fliegen Leute tausende von Kilometern in Urlaub, um sich zu erholen und eigentlich machen sie genau das gleiche, was sie auch zu Hause machen könnten: Nichtstun, sich besaufen und sich ungesund ernähren. Mit lokalen Gewohnheiten wollen die meisten ja eh nichts zu tun haben.

Dabei kann man zumindest die schöne Natur auch direkt um die Ecke haben - wie hier, keine 5 Minuten Fußweg von mir (in die Innenstadt dauert's übrigens genauso lange).. Naja, nur das Wetter im Herbst ist auf "Malle" vielleicht besser :)

Sonntag, 12. Oktober 2008

Küchentipp

Sowas, jetzt werde ich auch noch zum Koch... Naja, vielleicht übertrieben - aber an der "Selbstbau-Quote" meiner Ernährung zu arbeiten, macht immer wieder Spass. Vorgenommen, eine "Pizza selbst zu machen" hatte ich mir schon vor nicht messbarer Ewigkeit. Die Idee, das ganze endlich dann endlich mal zu machen entstand ziemlich spontan und entsprechend vielleicht etwas einfallslos: Salami-Schinken-Pizza.

Braut es also: Salami (ach ne), gekochten Schinken (genauer: eine Scheibe), geriebenen Käse und den fertigen Pizzaboden. Beim Käse hab ich mich mehr als gewaltig bei der nötigen Menge verschätzt, denn in so einem Beutel sind 250g - "reicht das? Besser zwei"... Naja, jetzt hab ich Vorrat; gebraucht wurden ziemlich genau 60g! Effektive Kosten des ganzen 3,75€ für eine Pizza von 40*25cm. Oder wenn man die diverse Kalorien-Angaben zusammenaddiert 1750 kcal. Das entspricht ~2,3 Fertig-Pizzen normaler Größe und ist somit auch noch deutlich günstiger, als diese.

Ergebnis: Man kann seine Kreativität ausleben, es schmeckt besser (sonst selbst schuld) und billiger isses auch noch. Was will man mehr?

Update 24. 10.2008: Die Salami ist jetzt weiter "preisoptimiert" - statt 1,09€ für 80g jetzt 1,99€ für 225g, von denen etwa 1/3 verwurstelt sind; also effektiv für die ganze Pizza nun 3,32€.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Weissbier mal wieder

Ja, der Chef-Löschtroll ist mal wieder in Hochform, genauer war es am 2. Oktober. Diesmal in seinem Fundus: "Dafür stinkst Du aus dem Mund und bist häßlch wie die Nacht. Argumente sind das auch nicht, aber Du scheinst ja auf Pöbeleien zu stehen..". Dafür gab es einen Tag Sperre. Das ganze relativiert sich jedoch, da sein Gegenüber dafür, ihn als "Troll", der "ständig hirnlose Löschanträge stellt" bezeichnet hat (also nur die Wahrheit gesagt hat) ebenfalls einen Tag Pause bekam. Anlass war diesmal ein Feldzug gegen diverses aus dem Bereich Fotographie, was nach Weissbier nur "inhaltsleer", "den Leser verarschend" und "Product-Placement" wäre.

Ungesühnt blieb dagegen dieser Erguss: "Es ist erschreckend, daß diese Rapfuzzis offensichtlich nicht einen klaren Satz auf die Reihe bekommen. Scheinen mir sämtlich einen Logopäden zu benötigen" - um es platt zu sagen: Würde man "Rapfuzzies" durch irgendein Volk oder eine Religionsgemeinschaft ersetzen, wäre das ganze Volksverhetzung :(

Schon im Sommer ist ihm wohl die Hitze zu Kopfe gestiegen; so am 29. Juli für: "Wäre nicht das erste Mal auf dem Gebiet, das irgendwelche verrohten ballerspielenden Jugendlichen sich wichtig machen wollen, obwohl sie nur für den nächsten Amoklauf üben" (gemeint waren diesmal professionelle PC-Gamer).

Dienstag, 12. August 2008

gesichtete Versionen

Bei Wikipedia löst derzeit kaum ein anderes Thema so viele Diskussionen aus, wie die sogenannten "gesichteten Versionen".

Zu dem Thema gibt es sehr viel, oftmals unsachliche und mit Verschwörungstheorien (wegen des zeitlichen Zusammentreffens mit dem "Einbänder", einem gemeinsam mit Bertelsmann geplanten Druckwerk) gekoppelte Kritik. Zudem wird von Seiten der Verfechter, insbesondere von P. Birken auf Kritik praktisch gar nicht reagiert.

Die "gesichteten Versionen" sind eine Markierung, ob ein Benutzer mit einer Änderung einverstanden ist oder nicht - bereits hier ergeben sich zwei kritische Fragen: Wer kann diese Markierung setzen und wann sollte er sie setzen?

Das "Wer" wurde auf "jeder, der stimmberechtigt ist" festgelegt, wobei die Auslegung vergleichsweise lach vorgenommen wird - idr. wird bereits einige Zeit vor den geforderten 200 Bearbeitungen der Status erteilt. Eine automatische Erteilung erfolgt erst etwas später, warum weiß wohl niemand so genau. Ob der Benutzer konstruktiv an Wikipedia mitmischt oder ein "Sperrlog bis Bagdad" wegen Einfügens wertender Äußerungen und Editwars hat, spielt hierbei keine Rolle - im Gegenteil: so eines erreicht man eigentlich nur, wenn man die Kriterien lange erfüllt. Entsprechend sind die gesichteten Versionen auch hierfür keinerlei Mittel, obgleich dies möglich wäre.

Für das "Wann" wurde "offensichtlicher Vandalismus" genannt - eine nähere Spezifikation gibt es nicht, von vielen wird es jedoch als ziemlich klar zu lasch angesehen. Die Praxis schwankt entsprechend: Während einige Benutzer selbst sehr unglaubwürdige und komplett unbelegte Zahlenänderungen ohne jeden Zweifel sichten (etwa eine Änderung einer Bevölkerungszahl im Bereich von 10% binnen wenigen Monaten), lassen andere Benutzer praktisch jede Änderung liegen, deren Richtigkeit sie nicht einschätzen können.

Es gäbe an dieser Stelle noch eine zweite Markierung, die "geprüften Versionen", für diese gibt es aber bisher weder Kriterien noch ist auch nur in Ansätzen klar, wer den Status setzen können soll - entsprechend wird diese Option zumeist im weiteren Verlauf ignoriert.

Die zweite und in dem Meinungsbild zu meinem Erstaunen sehr deutlich bejahte Frage ist die, ob grundsätzlich die aktuellste gesichtete Version gegenüber einer eventuellen neueren, aber ungesichteten bevorzugt werden soll. Kritiker sehen hierin ein Aussperren von unangemeldeten Autoren, Befürworter betonen, dass eine vandalierte Version dem Leser eben keinen Nutzen bringt.

Aus dem Umfeld der Eingangskontrolle wird darüber hinaus kritisiert, dass die Erteilung des "gesichtet"-Status ein zusätzlicher Klick ist (und diese Arbeit ist teilweise arg zeitkritisch) - vergessen wird dabei jedoch, dass das ganze durch die gesichteten Versionen eben _nicht_ mehr ganz so zeitkritisch ist: Wenn sich zumindest die Mehrheit der Benutzer auf die Änderungen konzentiert, die noch nicht gesichtet sind, würde jede Änderung nur einmal gesichtet werden müssen, statt wie bisher von jedem Benutzer für sich. Auch ist es so möglich, Benutzer "im Blick zu behalten", deren Account schon länger als 4 Tage existiert; denn bisher gibt es keine Möglichkeit, die "letzten Änderungen" anders einzugrenzen, als auf "alle Benutzer", "unangemeldete Benutzer" und "neue Benutzer" (letzteres meint eben diese 4 Tage). Ein Account, der 4 Tage unbenutzt existiert, ist also so nicht von dem eines seit Jahren etablierten Admins unterscheidbar...

Nachdem relativ viele Benutzer die gesichteten Versionen mit dem Argument "überflüssig" ablehnen und die Anzeige-Frage dagegen nur eine sehr begrenzte Bedeutung zu haben scheint (viele Benutzer haben sogar nach dem System "ganz oder gar nicht" abgestimmt), sollte imho vor allem die Frage nach den Kriterien gestellt werden - imho sollte nicht nur "offensichtlichem Vandalismus" (den man sowieso sofort rückgängig macht) die Sichtung verweigert werden, sondern auch anderen Beiträgen, bei denen man eben nicht sagen kann, ob es sich hierbei um eine Verbesserung oder eine Verschlechterung handelt, während ein anderer Benutzer dies sehr wohl können wird. Auch sollte Benutzern, denen zumindest ein nenneswerter Teil der Benutzer eindeutig misstraut (erkennbar an regelmäßigen Sperren wegen Editwars) dieser Status generell entzogen werden. Hierdurch wird ein 4-Augen-Prinzip für diese Benutzer erzwungen - eine imho wesentlich härtere Strafe, als eine selbst dauerhafte Benutzersperre, der man mit einem neuen Account begengen kann, der dann binnen kürzester Zeit wieder selbst sichten darf und die ganze Aktion, die dann nach Jahren vielleicht einmal in einer dauerhaften Sperre endet, beginnt von neuem.

Ein Problem wird hierbei jedoch, wie schnell eine Änderung gesichtet wird: Bei unkritischen Änderungen (Rechtschreibung, gut belegte Änderungen, Entfernen von bisher übersehenem Unfug) sollte dies sehr schnell erfolgen, idealerweise binnen weniger Minuten. Bei Änderungen, deren Beurteilung zumindest eine gewisse Fachkompetenz erfordert, kann dies durchaus auch 1-2 Tage dauern; wenn die nötige Fachkompetenz in Wikipedia nicht anzutreffen ist, auch wesentlich länger. Mit etwas Glück wird eine solche Verzögerung als Aufforderung verstanden, sich in dem Bereich zu beteiligen - sollte aber auch entsprechend vermittelt werden.

Montag, 16. Juni 2008

Green-IT, oder: Wenn intel und Co das Sparen anfangen

Derzeit gibt es ja fast täglich eine neue Meldung, dass irgendein Automobilhersteller mal wieder bei irgendeinem Fahrzeugtyp den Verbrauch um 0,5l pro 100km reduziert hat (also 5-10%). Auch schaffen es jetzt ja schon diverse Hersteller, den CO2-Ausstoß ihrer Kompaktklasse-Modelle auf "unter 120g pro kg" zu drücken (was dann durchweg heißt "119g", kein einziges weniger)...

Aber auch eine andere Branche ist inzwischen ganz groß auf dem Öko-Tripp, die Hersteller von PCs und PC-Bauteilen. Hier beschränkt man sich allerdings eher Selten auf solche Prozentsätze: Derzeit ganz groß "in" sind CPUs mit einer TDP (das ist bei denen der "worst case") von 5W und weniger (derzeit runter bis 2,5W) und die dann auch für Desktop-PCs. Noch vor 5 Jahren waren solche Werte höchstens vor nahezu unbezahlbare Subnotebooks vorstellbar; eine Desktop-CPU zog dagegen 80W und mehr (weitgehend egal, ob unter Last oder nicht). Für den kompletten PC sind die Zahlen zwar nicht ganz so drastisch gesunken, aber bei 35W unter Last sind heute schon drin (vielleicht auch bald 25W; die Desktop-version vom Asus Eee PC wäre da ein Kandidat). Damals freute man sich über "nur 150W". Rechner mit sparsamerer technik (aus der Notebook-Welt entstammend) gab es kaum bis gar nicht zu kaufen.

Doch auch ohne sich auf eine "ausreichende" Leistung zu beschränken, tut sich einiges: Selbst Gamer-PCs können heute unbenutzte Komponenten weitgehend abschalten; über 100W kommt im Leerlauf selbst der schlimmste Proll-PC nur noch selten. Unter Last werden die Zahlen jedoch nach wie vor aberwitzig. Auch an ganz anderen Stellen wird heute gespart - zwecks eines geringeen Stromverbrauchs sind Festplatten mit geringerer Drehzahl (5400 statt 7200 Umdrehungen pro Minute) wieder auferstanden und TFT-Monitore mit 24W für 22" lassen jede noch so wunzige Röhre sehr sehr alt aussehen.

Was uns in den nächsten jahren hier noch erwartet, ist schwer vorhersagbar - womöglich ist bald der Stromhunger des heimischen PCs genauso unbedeutend wie dank Energiesparlampen der der Beleuchtung? 50W inklusive (!) Monitor sind jedenfalls heute schon realistisch und es würde nicht wundern, wenn schon in einem Jahr selbst das als ineffizient angesehen wird.

Freitag, 16. Mai 2008

Betriebssysteme und Wikipedia

Bei Wikipedia wird seit einiger Zeit ermittelt, wie viele Benutzer auf einen Artikel zugreifen. Hierbei sind sehr interessante Zahlen in Bezug auf Betriebssysteme entstanden.

In der englischsprachigen Wikipedia führt - wie weitgehend zu erwarten - Microsoft. Im April führt hier der XP-Artikel hauchdünn vor dem zu Vista (je 300.000), im März hingegen war XP nur hauchdünn vor dem allgemeinen "Linux"-Artikel (224 bzw. 211 damals). Linux liegt jetzt bei 230.000. Weitgehend unverändert bei 120.000 ist Mac OS X. Ubuntu liegt als erste Linux-Distri bei 50.000 im März und 75.000 im April (neue Versionen helfen, die besseren Zahlen halten sich im Mai bisher übrigens). Alles andere ist eher uninteressant.

Ein völlig anderes Bild liefert die deutschsprachige Wikipedia: Ubuntu ist deutlich (!) der beliebteste Betriebssystem-Artikel mit im März 70.000 und im April gar 87.000 Zugriffen (hier geht es im Mai wieder weiter wie vorher). Der allgemeine Linux-Artikel liegt relativ dünn hinter Windows Vista (58.000 und 52.000 im März, beide 55.000 im April), XP ist mit je 30.000 eher abgeschlagen. Mac OS X bildet mit 23.000 das Schlusslicht der ermittelten Systeme. Die Zugriffszahlen im Schnitt entsprechen 1/5 der englischen Version, was auch zu den Zugriffszahlen der Hauptseite passt.

Eine kleine Sensation liefert die französische Wikipedia, in der allgemein die Zugriffszahlen (genannt ist nur März) für Betriebssystem-Artikel extrem niedrig sind. Linux ist hier mit 40.000 der mit Abstand meistgelesene Artikel, Vista kommt auf bescheidene 15.000, Ubuntu und XP jeweils gar nur auf 8.000 (im April hingegen 13.000). Mac OS X ist mit 4.000 dann schon fast "irrelevant". Kurios allerdings, dass die französische Linux-Distri Mandriva hier mit 3.500 Zugriffen wesentlich mehr als in der deutschen und etwa die Hälfte der englischen Wikipedia hat. Zur Einschätzung der Zahlen sei gesagt, dass die französische Hauptseite eigentlich halb so viele Zugriffe, wie die deutsche hat - offenbar kommen davon aber wesentlich weniger bei Betriebssystemen an.

Deutlich mehr ist in der spanischen Wikipedia los, zumal diese auch einige eher arme Länder erfasst. Auch hier ist "Linux" mit 106.000 der mit Abstand meistgelesene Artikel. Dahinter die Microsoft-Systeme mit 56.000 für Vista und 48.000 für XP. Ubuntu kommt auf 26.000 Zugriffe im März, im April dann 44.000, was sich zu halten scheint. Mac OS X ist dagegen mit 14.000 eher unbedeutend. Erstaunlich: Diese Wikipedia hat etwa gleich viele Zugriffe auf die Hauptseite, wie die französische, diverse der Artikel toppen aber sogar die - doppelt so aktive - deutsche...

Samstag, 19. April 2008

Umweltschutz

Angedroht hatte ich es schon im vorigen Beitrag, daher hier ein paar Vorschläge zum praktischen Umweltschutz. Damit eng verbunden ist das wohl ohne Zweifel bevorstehende Ende des Erdöl-Zeitalters und der Abschied von Atomkraft und Kohleenergie in der Stromgewinnung. Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass unser bisheriges Gefasel "irgendwann muss man mal irgendwas tun" schlichtweg lächerlich ist. Man muss von zwei Gedanken weg kommen:
  • Man darf nicht immer nur warten, bis die anderen etwas tun; sonst tut am Ende keiner was.
  • Technologische Verbesserungen werden zwar einen Teil der Probleme abfangen, jedoch keineswegs einen wirklich bedeutenden Anteil.
Daraus folgert, dass man also jetzt handeln muss und dass manche Handlungen auch eine Einschränkung des persönlichen Lebensstils sind. Das im Grunde einfachste ist das Thema elektrischer Strom. Der Stromverbrauch pro Kopf in Deutschland (inkl. umgelegtem Gewerbe- und Industriestrom) sind 7,5 MWh. Der Private Strom macht in etwa 1/4 davon, also 1,875 MWh aus. Durch erneuerbare Energien (Ökostrom) werden pro Kopf aber gerade einmal 1,065 MWh gedeckt (14,2%). Dementsprechend ist es also nicht möglich, den persönlichen Anteil auf einen wirklich durch Ökostrom abdeckbaren Wert zu drücken - selbst wenn man gar nichts verbraucht, bleiben immer noch 4,56 MWh zu viel; selbiges ist aber nicht wirklich praktikabel. Wenigstens den privaten Strom durch Ökostrom (wenn man denn diesen nicht nutzen will, zumindest mengenmäßig) zu decken (also auf unter 1000 kWh) ist hingegen sowohl rechnerisch wie auch praktisch machbar. Der tatsächliche Stromverbrauch in Deutschland staffelt sich nach der Größe der Haushalte, so ist für einen Haushalt mit drei oder mehr Personen der genannte Wert heute der Durchschnitt, Single-Haushalte liegen hingegen teilweise beim doppelten. Ich möchte hier jetzt ausdrücklich nicht die zigtausendste Seite mit den immer wieder gleichen Stromspar-Tipps liefern - nur eine Bitte: Beachtet sie endlich mal! Wenn man diese Tipps konsequent umsetzt (idealerweise mit jemandem, der dies schon getan hat als Berater), sind die hier genannten Zahlen keine Utopie - ganz im Gegenteil. Mir selbst ist es übrigens auf diese Art gelungen, den Stromverbrauch eines Einfamilienhauses (immer noch eine zusätzliche Gemeinheit) von 5200 kWh zu halbieren - ohne dabei irgendwo auch nur den kleinsten Komfortverzicht einzubauen.

All dies kann jedoch nur ein erster Schritt werden, denn auf die Dauer muss der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion nun einmal 100% betragen - und dahin ist es noch ein weiter Weg, der möglicher Weise auch einen Stromverbrauch _weit_ unter 1 MWh erforderlich macht.

Während es beim Strom derjenige mit einer Wohnung mit mehreren Personen besonders einfach und der mit einem Haus besonders schwer hat, ist dies bei den Heizkosten genau andersherum: Da Eigentümergemeinschaften in aller Regel stockkonservativ agieren (der langsamste Eigentümer zählt jeweils), passiert hier in Sachen Energiesparen kaum etwas. Ein Mieter kann sowieso nichts erreichen - dank absurder Umlagen, die denjenigen noch fördern, der seine Wohnung als Sauna missbraucht, hilft nicht einmal frieren. Ein Eigenheimbesitzer kann hier weitaus mehr erreichen. Dass das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (toller Name, nicht?) ab 2009 einen EE-Anteil von über 50% für die Heizung von Neubauten vorschreibt (in Baden-Württemberg übrigens schon in Kraft!) und auch das EnEV zum gleichen Zeitpunkt um 30% verschärft werden soll (dann auf das heute als "KfW 60" bezeichnete Niveau), sagt relativ deutlich, was hier möglich ist - Gesetze sind bekanntlich immer nur ein Minimalkonsens. Achja: Für 2012 ist "KfW40" dann als Vorschrift geplant - das nennt man dann schon bald Passivhaus.

Bei der Heizung ist insofern absehbar, dass langfristig Passivhäuser mit einer vollständig aus erneuerbaren Energien versorgten Heizanlage (soweit man da noch von einer solchen reden kann) vorgeschrieben werden. Es ist keine sonderlich gewagte These, dass spätestens 2015 "Heizung" ein veralteter Begriff sein wird.

Ein wesentlich größeres Problem stellt der Bereich Verkehr dar - sämtliche bisher vorhandenen Ansätze kratzen hier nur an der Oberfläche oder produzieren neue Probleme. Aufgrund des Tempos, mit dem in diesem Bereich ein sehr akutes Problem - der Mangel an bezahlbaren Erdöl - auftreten wird, werden hier wohl nur mehrere bisher propagierte Lösungen zusammen helfen:
  • eine Ausstattung von mehr oder minder sämtlichen Fahrzeugen mit einem (Plugin-)Hybrid-Antrieb.
  • Befeuerung der Verbrennungsmotoren in diesen mit 100% Biosprit.
  • eine sehr sehr massive Reduzierung der Motorleistung (etwa in einen Bereich von 1 l Hubraum für ein Oberklasse-Fahrzeug).
  • und eine fast ersatzlose Abschaffung des privaten Auto- und Flugverkehrs.
Eine wirkliche Alternative hierzu dürfte es kaum geben - selbst ein Fahrzeug mit einem Verbrauch von 1 l Benzin auf 100 km wird bei den in näherer Zukunft zu erwartenden Benzinpreisen kaum finanzierbar sein - und wann derartige Fahrzeuge denn einmal in Serie gehen, nachdem selbst 3 l immer noch Wunschdenken sind, ist eh offen.

Für den einen oder anderen mögen die hier geforderten Maßnahmen rigeros erscheinen - doch eine wirkliche Alternative sehe ich kaum, trotz aller dadurch erzeugten Folgen für die Wirtschaft - oder vielleicht gerade um diese wenigstens etwas abzumildern.

Freitag, 18. April 2008

Gottlos und stolz darauf

Derzeit wird mal wieder überall darüber diskutiert, ob Religion irgendwie wichtig, toll oder sonst etwas sei. Darum möchte ich auch einmal meine Meinung dazu schreiben. Ich selbst bezeichne mich als Agnostiker, also jemand, der weiß, dass wir nie wissen werden, ob es einen Gott gibt; für den das aber eigentlich auch egal ist. Es gibt nichts, was hinreichend klar darauf hindeutet; also gehe ich davon aus, dass es wohl keinen gibt. Wer einen brauchbaren Existenznachweis findet, bitte, her damit.

Zum Glück hat die Gesellschaft zumindest in Europa (in den USA klappt das ja leider nicht so ganz) seit der zeit der Aufklärung verstanden, dass die Kirche nicht die Wissenschaft bestimmt. Es ist also weitgehend Konsens, dass die Schöpfungsgeschichte eben nur eine Geschichte und nicht die Spur historisch korrekt ist. Es ist vielmehr eine symbolische Darstellung, wie man sich die Entstehung der Welt vor 2500 Jahren (so alt ist der Text etwa) vorstellte. Die Erkenntnis, dass die Erde nicht flach und nicht der Mittelpunkt des Universums ist, hat sich dagegen dank Beobachtungen wohl weltweit restlos durchgesetzt; andere derartige Aussagen der Bibel spielten sowieso nie eine nennenswerte Rolle.

Doch noch immer wird die Kirche von vielen als moralische Instanz angesehen, auch wenn die Ächtung von vor- und außerehelicher Sexualität, Scheidung und Verhütung (wie immer die katholische Kirche [übrigens als einzige Weltreligion!] dieses auch immer begründet) in der europäischen Gesellschaft praktisch keine Rolle mehr spielt. Bei Homosexualität sieht dies schon anders aus, hier gehen die Meinungen in der Gesellschaft noch immer auseinander - wobei die Gegner meist nur magere Argumente haben. Abtreibung ist dagegen sowieso ein heißes Eisen, wobei das pauschale und ausnahmslose Verbot der katholischen Kirche (selbst im Falle von Vergewaltigungen ist eine Abtreibung die schwerere Sünde!) wohl dann doch kaum bis keinen Rückhalt hat. An das Thema Polygamie hat man sich im Europa bisher kaum rangewagt - auch hier ist die Position der Kirche (diesmal über alle in Europa vorkommenden Konvessionen hinweg) einheitlich dagegen. Außerhalb der Sexualität kollidieren christliche Positionen nur selten mit der Gesellschaft, was aber nicht zuletzt auch daran liegt, dass Äußerungen zu anderen Themen selten sind - auf die Ächtung kriegerischer Auseinandersetzungen, wie sie der Papst just heute vor dem UN-Sicherheitsrat geäußert hat, hat man ja nun gewiss kein Exklusivrecht. Zur Themen wie Todesstrafe (was ja nun gerade in den USA ein aktuelles Thema wäre), Umweltschutz (ebenso) oder soziale Sicherheit (überall ein Thema) kommt dagegen wenig bis gar nichts. Daneben gibt es einzig noch eine (ablehnende) Haltung zur Embryonenforschung (zum Rest der Gentechnik kommt dagegen nichts).

Insofern hat sich die Kirche als Forderer für die Änderung moralischer Regeln längst überlebt - diese Position haben heute Nicht-Regierungs-Organisationen wie Amnesty International oder Umweltschutzorganisationen übernommen. Selbige Organisationen dürften sogar erfolgreicher sein... Insofern ist die Aussage, dass es einer Religion bedarf, um irgendwelche moralischen Regeln zu haben, zu bezweifeln.

Für mich selbst ist der oberste Grundsatz "Man kann alles tun, solange es keinem anderen schadet." Dabei ist schaden direkt gemeint, also nicht irgendein abstruses "wenn ich dicke Menschen sehe, wird mir übel; also schaden die mir". Für Sexualität folgt daraus, dass die Freiwilligkeit aller Beteiligten die einzige (!) Beschränkung ist. Wer es dabei wie und wo mit wem treibt, ist mir dabei _vollkommen_ egal. Und wenn er das draußen machen will - bitte. Man muss ja nicht hingucken (wobei, vielleicht lohnt der Anblick ja sogar...). Der gleiche Grundsatz auf das Thema "Beleidigungen" angewendet bedeutet, dass Beleidigungen nicht unter Strafe stehen sollten; ganz im Gegensatz zu Verleumdung - DA soll nämlich jemandem geschadet werden (leider meist auch mit Erfolg). Umweltschutz halte ich für das wichtigste Problem des 21. Jahrhunderts, nicht zuletzt, weil hier der wohl größte Nachholbedarf besteht. Was das ganze praktisch bedeutet, will ich aber in einen eigenen Beitrag auslagern.

Insofern: Nein, ich brauche keinen Gott, der mir sagt, was gut und was böse ist. Den braucht man imho nur, wenn man sonst keine Argumente hat - allerdings ist "willst du da das Opfer sein?" eigentlich das beste Argument...

Mittwoch, 16. April 2008

Diäterfolge

Eigentlich bin ich ja kein Fan von persönlichen Geschichten, aber eine dann doch mal. Wie jedes Jahr nimmt man sich jedes Jahr irgendwas vor - nachdem ich vor zwei Jahren schonmal den (nicht nur für mich seltenen) Erfolg hatte, dies auch einzuhalten, hatte ich mir einmal mehr ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Abnehmen. Und bitte nicht nur bis zum Ende der Diät.

Das ganze begann bei einem wenig rühmlichen Gewicht von etwa 100 kg und (noch weniger schön) einen BMI von 31. Den BMI auf 25 (was ja so gemeinhin als "oberes Idealgewicht" gilt) zu bringen, hieße 82 kg, also wurde eben diese Zahl angepeilt. Wie gesagt - ein ehrgeiziges Projekt. Dass das nicht in 3 Tagen zu erledigen ist, war klar; aber immerhin, es gibt inzwischen einige Erfolge - das Gewicht ist seit gestern unter die magische Grenze von 90 kg gefallen (was auch irgendwie der Anlass für dieses Geschreib war).

Zudem habe ich in der Zeit einiges gelernt - über mich, über gesunde Ernährung und über sinnvolle Zielwerte einer Diät. Neben dem allseits beliebten BMI gibt es nämlich noch ca. ein Dutzend (können auch mehr sein) anderer Indizes zur Bestimmung von Übergewicht. Ein paar davon:
  • Der steinalte "Broca-Index", das ist das einfache Ding mit Körpergröße (in cm)-100 = Idealgewicht. Das das ganze maximal ein Richtwert ist, sollte klar sein; in den für Körpergrößen "üblichen" Bereichen zwischen 1,6 und 2m passt es aber so halbwegs für das obere Ende des "Ideal-BMI"...
  • Doch andere Quellen behaupten, das Gewicht wäre völlig egal für die Gesundheit und machen das ganze am Bauchumfang fest. Für Männer sind hier 1m zulässig, was ich inzwischen dann auch erreiche bis unterschreite (Anfangs war das eher 1,15m..). Eine ähnliche Formel vergleich das ganze mit dem Hüftumfang (weniger Bauch als Hufte = gut, mehr Bauch = schlecht). Da dieser bei Männern um 1m pendelt, kommt das ganze auf's gleiche hinaus.
  • Ein ganz anderer Ansatz - und auch der, der den angeblich zu hohen BMI einiger durchtrainierter Stars erklärt - ist den Körperfettanteil (der zugegeben mit dem Körpergewicht korreliert) anzusetzen. Bei einem "durchschnittlichen" Muskelanteil passen dann die BMI-Werte ziemlich genau zu den "guten" und "schlechten" Werten des Körperfettanteils. Hat man aber mehr (womöglich wesentlich mehr) Muskeln, als der Durchschnitt, kommen auch beim Körpergewicht höhere Zahlen heraus - bei dem für mich errechneten Muskelanteil (der zu meinem Erstaunen schon über dem Schnitt liegen soll), komme ich dann auf eine Grenze von 85 kg (BMI = 26), ab wo der Fettanteil rechnerisch "gut" sein sollte - wobei man wohl fast immer auch zumindest etwas Muskelmasse beim Abnehmen verliert; insofern wird's dann wohl leicht tiefer werden.
Stupide Kalorienzählerei ist sicherlich alles andere als sinnvoll und eigentlich auch eher nervig - man sollte aber zumindest für den langfristigen Ernährungsplan einmal nachrechnen, was man so in sich reinstopft - Morgens drei Brötchen, Mittags McDoof-Maximenü, Abends 'ne Pizza und vorm TV noch eine Chipstüte sind definitiv nicht der Hit, da schafft man durchaus mal den Kalorienbedarf eines Leistungssportlers für zwei Tage... Eine Diät der Art "1 Tag hungern, 1 Tag vollfressen" kann man zwar mal machen, um schnell ein paar Kilos zu entsorgen; die sind aber, wenn es nur noch das "vollfressen" gibt schnell wieder drauf. Stattdessen ist es mehr als interessant, zwischendurch einmal einen Zeitraum auszutesten, in dem das Gewicht gehalten werden soll - also weder rauf noch runter. Erst wenn man diesen (sowohl von der Bewegung wie auch dem eigenen Gewicht abhängigen) Wert gefunden hat, bleibt das Ergebnis einer Diät auch erhalten. Das heißt natürlich nicht, dass man nie mehr essen darf, man sollte dann nur irgendwann auch mal wieder weniger essen. Davon abgesehen ist auch nicht ganz unwichtig, was man isst - McDoof und co haben Kalorien ohne Ende (hin und wieder in die Liste auf deren Website gucken lohnt, es gibt Burger, die alleine die 1000 kcal-Marke knacken!), sättigen aber nur relativ kurz - hier ist dann etwas Selbstbeherrschung gefragt, zu wissen, dass die Kalorienmenge durchaus erfüllt ist, obgleich wieder ein Hunger-Gefühl vorhanden ist. Das Gegenteil sagt man diversen Getreide- und Gemüse-Sorten nach. Diese sollen schon bei vergleichsweise winzigen Mengen für ein Sättungungsgefühl sorgen, da der Körper das Zeugs nicht schnell genug verarbeiten kann. Blödsinn sind irgendwelche Geschichten von "fettaufsaugenden Nachrungsmitteln" und "negativen Kalorien". Die Verdauung selbst verbraucht zu wenig Energie, als dass derartiges funktionieren kann. Vermutlich betreffen derartige Aussagen genau jene Lebensmittel, die ein schnelles Sättigungsgefühl erzeugen. Es gibt wohl nichts, was man gar nicht essen darf, wenn man schlank sein will; nur eben nicht einseitig und schon gar nicht einseitig sehr fetthaltiges. Da die Frage eh kommen wird: Der Fleisch-Anteil bei mir liegt irgendwo bei 500g pro Woche, wobei sich das durchaus auf 1-2 Tage konzentieren kann und dann den Rest der Woche nix.

In diesem Sinne: guten Appetit jedem, der gerade beim essen ist, hinterher einfach mal bewegen bringt mehr, als jetzt zu hungern.

Samstag, 29. März 2008

Die Musikindustrie - oder: Wenn die Ratten das sinkende Schiff nicht verlassen

Es ist im Grunde nicht zu übersehen, die Musikindustrie hat ein Problem. Ein großes sogar - und dieses Problem heißt Internet (auch wenn sie selbst es lieber "Raubkopierer" nennt. Sie lebt(e) davon, für einmal erstellte Inhalte immer und immer wieder sehr viel Geld zu kassieren (wesentlich mehr, als die Produktion kostet) und damit "Stars" zu finanzieren, die nach 1-2 Alben niemand mehr kennt.

Das alles funktioniert, wenn das Urheberrecht auch praktisch umsetzbar ist. Aber genau davon ist im Internet nichts mehr zu sehen. Es kann im Grunde jeder alles kopieren; jedes Gesetz, welches dies ändern könnte, tritt den Datenschutz dermaßen mit Füßen, dass sich die Begeisterung der Nutzer vorsichtig ausgedrückt in Grenzen hält. Dazu kommt, dass nicht eben wenige selbst saugen - nicht nur Musik: Es ist heute völlig normal, wenn man auf irgendeiner Veranstaltung von Lehrern, Polizisten oder Richtern (also Leuten, die es besser wissen sollten) aufgefordert wird, ihm oder ihr doch mal irgendetwas zu kopieren. Kurzum: Eigentlich ist das Urheberrecht inzwischen abgeschafft; es hat nur noch nicht jeder gemerkt. Entsprechend entstehen Rückzugsgefechte.

Ein anderes Problem der Musikindustrie macht sich inzwischen zudem auch immer stärker bemerkbar: Die freien Inhalte. Musikstücke, für die man ganz legal kein Geld zahlen muss, weil die Künstler diese bewusst gratis zur Verfügung stellen - ein Spendenaufruf existiert allerdings meistens und ist wohl im Endeffekt sogar rentabler, als ein Plattenvertrag.

Im Grunde haben vielen Branchen dieses Problem - neben der Musikindustrie auch die Filmindustrie, Software-Hersteller, Buchverlage, alle Arten von Nachrichten-Herausgebern (Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender) oder auch der normale Einzelhandel. Sie alle werden von Internet mal mehr, mal weniger ersetzt. Nur kaum einer davon wettert so massiv gegen die bösen Kunden, wie wie Musikindustrie und vor allem sieht dies als einziges "Heilmittel"!

Film-Anbieter wettern zwar ebenfalls gegen Raubkopierer und arbeiten wo immer es nur geht an Kopierschutzmechanismen. Dafür gibt es bei Filmen aber auch einen natürlichen Preisverfall, wenn diese nicht mehr aktuell sind - Musikstücke verschwinden ganz aus dem Handel. Auch werden immer mal wieder Inhalte gratis angeboten und Download-Portale, die (anders als bei Musik!) wesentlich preiswerter sind, als der Kauf oder Leih (diese Option existiert bei Musik gar nicht) einer DVD, gibt es ebenfalls.

Am ärgsten geht es wohl den Software-Herstellern. Neben illegalen Kopien ist hier die Freie Software der Todesengel, so wird im Privatkundenmarkt heute praktisch kein Geld mehr verdient, mit 2 Ausnahmen: 1. Microsoft, 2. Spiele-Hersteller. Beide leben davon, dass man sie nicht ganz so einfach ersetzen kann. Microsoft, weil ein Betriebssystem nun einmal hochkomplex ist und bisher keines existiert, dass wirklich 1:1 kompatibel zu Windows ist; die Spiele-Anbieter, weil ein solches Spiel doch einen sehr hohen Herstellungsaufwand hat. Aber auch hier wankt es, auch komplexe freie Spiele gibt es immer mehr. Dass in 10 Jahren noch irgendjemand mit Softwarelizenzen Geld verdient, glaubt wohl niemand mehr wirklich.

Buchverlage reagieren fast am erstaunlichsten auf das Internet. Zwar sind sie nicht ganz so direkt betroffen, da sich ein Buch eben in Form des berühmten toten Baumes immer noch besser ließt, als am PC, aber dennoch werden nicht selten ganze Bucher (vor allem Sachbücher) gratis als PDF-Dateien freigegeben. Wissens-Datenbanken lassen sich zudem dank Wikipedia kaum noch verkaufen - hier ist der freie Anbieter inzwischen übermächtig.

Nachrichten-Anbietern ergeht es da eher ungemütlich, denn sie haben gleich mit 2 Problemen zu kämpfen: Tageszeitungen hatten früher mehr oder weniger die Welt unter sich aufgeteilt, nur in großen Städten gab es mehrere konkurrierende Anbieter. Und heute? Ist die Konkurrenz nur einen Klick weit weg. Als Ergebnis haben die einstigen regionalen Zeitungen kaum eine Überlebenschance - außer eben für regionale Informationen (noch!). Doch auch die überregionalen Zeitungen, die jetzt mit den Wochenmagazinen Spiegel, Focus und Stern sowie den TV-Stationen konkurrieren sehen oft nicht wirklich gut aus. Dazu kommen komplett neue Anbieter, wie der Heise-Verlag (der in Papierform nur IT macht) oder die Netzeitung. Finanziert wird das ganze übrigens heute alleine über Werbung, alle anderen Modelle sind inzwischen mangels Wirtschaftlichkeit aufgegeben worden. Was herauskommt, wenn erst einmal Blogs eine entsprechende auch professionelle Abdeckungsrate haben, will man wohl kaum wissen - sicherlich nicht gerade ein Umsatzsprung für klassische Nachrichten-Portale. Besonders traurig dabei: Diese schaffen es leider ganz und gar nicht, sich mit dem Argument der Seriösität vor der Konkurrenz zu retten, stattdessen liefert man nicht selten absichtlich (die Sensation ist wichtiger) fehlerhafte Meldungen...

Und dann haben wir noch den klassischen Einzelhandel. Klagte dieser am Anfang noch, dienen ihm heute Amazon oder eBay als Plattform - da wird man eben jeden Ladenhüter los.

Mittwoch, 19. März 2008

Vorratsdatenspeicherung

Langsam aber sicher fragt man sich, ob wir die Gesetzgebung in Deutschland nicht gleich dem Bundesverfassungsgericht überlassen sollten - dann bleibt vielleicht etwas mehr auch einige Zeit übrig. In den letzten Monaten hat ja kaum ein Gesetz diese Instanz überstanden.. Jüngstes "Opfer" ist nun also die Vorratsdatenspeicherung (VDS). Und das gleich auf ganzer Front: Die Daten dürfen zwar erstmal weiter gespeichert werden, nur nutzen darf sie keiner mehr, denn zum einen ist die Nutzung nur für eine eher kurze Liste von schweren Straftaten zulässig (zu denen das Urheberrecht ausdrücklich NICHT gehört), zum anderen muss - und das ist der eigentliche Knackpunkt - bereits vorher ein auf Tatsachen begründeter Verdacht vorliegen, andererseits aber auch eine anderwärtige Verfolgung unmöglich sein. Wer hier 1 und 1 zusammenrechnen kann, weiß dass sich dies beides fast schon gegenseitig ausschließt.

Insofern bleibt also für die VDS praktisch keine Nutzungsoption mehr übrig, mehr noch: Es ist nur noch in sehr sehr wenigen Fällen überhaupt (!) eine Nutzung von Verbindungsdaten zulässig; auch wenn die Ermittlungsbehörden auf andere Art und Weise an diese kommen. Die Gesetzesänderung ging also klassisch nach hinten los...

Sonntag, 9. März 2008

Wikipedia und Neutralität

Wann immer es um die Frage der Manipulierbarkeit von Wikipedia geht, wird die Befürchtung geäußert, dass die Inhalte durch Extremisten gleiche welchen Lagers manipuliert werden - ob dies nun Nazis, Kommunisten, religiöse Fundamentalisten, Esoteriker, politische- und wirtschaftliche Schönfärber oder was auch immer sind. Doch diese Gruppen hat man dort sehr gut im Griff. Oft genug heben sie sich gegenseitig auf oder werden von den jweils in der Mitte stehenden Benutzern gebremst.

Das Risiko ist vielmehr das genaue Gegenteil: Wann immer die Mehrheitsmeinung und der Stand der Wissenschaft kollidieren, DANN rappelt es. Entsprechend muss man in Themen im Grenzbereich zwischen Esoterik und Naturwissenschaft oftmals eher gegen die Naturwissenschaftler (die hier ihre eigenen Forschungen unterbreiten) denn gegen die Esoteriker kämpfen. Ähnlich sieht es bei religiösen Splittergruppen ("Sekten") aus, bei denen jeder glaubt zu wissen, dass diese gefährlich sind; konkretes kann hier jedoch niemand liefern - kein Wunder: die entsprechenden Wissenschaftler halten diese im Vergleich zu den mächtigen Weltreligionen für völlig unbedeutend. Auch die Definition von Begriffen wie Nation oder Volk bietet in diesem Bereich unendliches Potential - hat hier doch jeder seine eigene Definition für, die mit dem, was entsprechenden Wissenschaftler nutzen, oft nur wenig zu tun hat.
Erschwert werden diese Diskussionen dadurch, dass auch Journalisten (die mit Freuden als Quelle dienen, egal wie sehr sie ihre fachliche Inkompetenz bereits unter Beweis gestellt haben) eine eigene Meinung zu diesen Themen haben - und diese Meinung eben selten den Stand der Wissenschaft trifft. Benutzer, die auf diese Probleme hinweisen werden dann - insbesondere ob ihrer oftmals winzigen Anzahl - als das Problem gesehen.

Aus diesem Grunde ein Apell an jeden, der zu Wikipedia beitragen will: NICHT schreiben, was man glaubt zu wissen - auch nicht, wenn einem die Presse hierbei regelmäßig zustimmt, sondern wirklich alles überprüfen - und dabei ruhig verstehen, dass Wissenschaftler mehr Ahnung von einem Thema haben, als Journalisten.

Samstag, 8. März 2008

Die Presse und das Urheberrecht

Dass die Presse doch gerne mal der Musikindustrie zujubelt, wenn diese mal wieder die bösen Raubkopierer verteufelt, ist nichts neues. Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch, wie diese Zunft selbst mit dem Urheberrecht umgeht. Irgendwo Wikipedia-Artikel meist auch nur ohne eine Herkunftsangabe (von den durch die GFDL erforderlichen Links wollen wir gar nicht reden) zu benutzen, ist hier schon fast normal. Auch Bilder (für die das Zitatrecht wirklich nicht mehr gilt), werden dort reihenweise verwendet. Die Liste der Weiternutzungsmängel, wie das ganze bei Wikipedia heißt, ist ein regelrechtes Who-Is-Who der Medienlandschaft: Ob NZZ, AOL, arte, Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), ProSieben, last.fm, Süddeutsche Zeitung (das sind die mit dem Ladenschluss in den Foren), ARD, eBay, SWR, ORF, Die Welt, Chip, Bild oder jüngst Der Standard - es gibt eigentlich niemanden, der sich hier an die Lizenz hält. Aber auch andere Berichte über von privaten Websites geklauten Bildern und Texten durch die Presse sind keine Einzelfälle.

Da fragt man sich doch: Sollte ein Urheberrecht, dass sowieso niemand beachtet, nicht vielleicht mal geändert werden?

Dienstag, 12. Februar 2008

Von der Realität überholt...

Schrieb ich am letzten Donnerstag noch dies, berichten heute die Medien, dass der gedruckte Brockhaus offenbar am Ende ist und man seine Inhalte nur werbefinanziert noch im Internet anbieten will. Je nachdem, wen man fragt, wird dies wahlweise als "das Ende des Brockhaus" oder als "Ernsthafte Konkurrenz für Wikipedia" betrachtet.

Völlig Vergessen wird dabei meiner Meinung nach eines: Zum ersten Mal schafft es das Internet, einen wirklich namhaften Anbieter von Inhalten zur kompletten Aufgabe seines bisherigen Vertriebsmodells zu bewegen. Dagegen sind die inzwischen öffentlichen Archive von Focus und Spiegel gar nix, ersetzen diese ja noch nicht die Druckversion.

Samstag, 9. Februar 2008

Demokratietrolle

Demokratie ist zurecht die Form politischer Betätigung, die heute in den meisten Ländern zumindest von der Bevölkerung (nicht unbedingt immer von den oberen) favorisiert wird, keine Frage. Abr eine Demokratie braucht bestimmte Eigenschaften, um zu funktionieren: ein definiertes "Volk", in dem sich "one man, one vote" umsetzen lässt und eine gewisse Mindestbeteiligung.

Und genau hier liegen die Probleme, die die sogenannten Demokratietrolle - eigentlich ein fürchterliches Wort - in Wikipedia nicht wahr haben wollen. In Wikipedia gilt ein Meinungsbild (eine Art Abstimmungen) als besonders intensiv beachtet, wenn sich insgesamt mehr als ~200 Accounts an diesem beteiligen. Doch im Vergleich zu den eigentlichen Accountzahlen ist dieser Wert lächerlich: jeden Monat schreiben rund 8000 (!) Accounts mehr als 5 Beiträge, rund 1000 sogar mehr als 200 Beiträge. Insgesamt gibt es mehr als eine halbe Million registierter Benutzeraccounts. Wir reden als je nach Referenzwert von 20, 2,5 oder 0,04% aller Benutzeraccounts. Das nächste Problem wird schon daraus deutlich, dass ich hier von Accounts, nicht von Benutzern rede: Niemand weiß, wie viele Personen sich wirklich hinter diesen Accounts verbergen - auch wenn (um dieses Problem etwas abzumildern) Accounts mit weniger als 2 Monaten Mitgliedschaft und weniger als 200 Beiträgen nicht stimmberechtigt sind, ist es dennoch kein wirkliches Problem, sich einen ganzen Zoo von stimmberechtigten Accounts zu züchten. In Verbindung mit dem ersten Problem wäre es also durchaus möglich, dass eine einzige Person ein entscheidendes Gewicht in einer Abstimmung hat, obgleich diese eigentlich eine Randgruppenmeinung vertritt.

Kurzum: eine Demokratie kann in einem dermaßen offenen System nicht funktionieren. Dass es dennoch Meinungsbilder gibt, hat den Grund, dass man Meinungen zu einem Thema sammeln will; darum sind diese auch nicht bindend. Bei Adminwahlen ist es wohl eher ein Mangel an Alternativen, der zu dem aktuellen Modell geführt hat. Die dort eingeforderte 2/3-Mehrheit ist eh nur theoretischer Natur: die meisten Kandidaten werden mit überragender Mehrheit durchgewunken.

Oft wird daneben behauptet, Wikipedia wird von den Admins kontrolliert. Dazu ist erst einmal anzumerken, dass von den 500 aktivsten Benutzern fast die Hälfte Admins sind - und andersherum nahezu alle Admins in den 1000 aktivsten Benutzern zu finden sind. Insofern kann man genauso sagen, dass Wikipedia von den aktivsten Benutzern kontrolliert wird - was ja nun mehr als naheliegend ist. Daneben sind diese Admins aber auch alles andere als eine homogene Gruppe - eher ein wilder Haufen, der schon Probleme hat, sich gegenseitig dazu zu bekehren, doch bitte einander anzusprechen, bevor man die Aktion eines anderen rückgängig macht (das ganze hat bis heute nicht geklappt). Sicherlich vertrauen sich die Admins und sonstigen Stammbenutzer untereinander eher, als einem komplett neuen Benutzer; allerdings gibt es zwischen diesen ebenso Misstrauen und sogar offene Feindschaften, wie sonst überall. Eines sollte aber klar sein: einem jedem Admin wurde schon einmal durch eine Gruppe anderer Benutzer das Vertrauen ausgesprochen. Insofern sollte in Fällen, wo man mit den Entscheidungen eines Admins nicht einverstanden ist, eher nach einer besseren Begründung gefragt werden, als gleich persönliche Interessen oder "Unterdrückung der Wahrheit" zu vermuten - vor allem, wo diese doch in Wikipedia gar nicht gefragt ist.

Donnerstag, 7. Februar 2008

religiöse Kleidungsvorschriften

Die Diskussion darum, welche Bekleidung angemessen ist und welche nicht, wird immer wieder geführt, ganz aktuell Form des Kopftuchstreites in der Türkei. Gerade religiöse Gruppen - egal, ob christliche oder muslimische - sprechen sich hierbei meist für eine mehr oder weniger umfangreiche "Verhüllung" des menschlichen Körpers aus. Demgegenüber wird in extrem atheistisch geprägten Kulturen, etwa in der ehemaligen DDR, eine sehr liberale Haltung hierzu vertreten.

Oftmals wird von religiösen Gruppen hierbei als Argument angeführt, dass die Personen (meist geht es um Frauen) dadurch sexuell anziehender wirken, was mit der eher negativen Einstellung vieler dieser Gruppen zur Sexualität kollidiert. Hierbei wird jedoch ein Punkt nicht oder nur wenig bedacht: Die sexuelle Anziehung durch mehr oder weniger Bekleidung ist keine bei allen Menschen gleiche Konstante. Vielmehr ist eben diese ein Ergebnis der gesellschaftlichen Entwicklung, in der eine Übertretung der Grenzen zudem nur eine vor allem zeitlich extrem begrenzte Wirkung zeigt.

So dürfte bei den meisten mitteleuropäischen Männern eine nennenswerte aufreizende Wirkung frühestens bei Minirock und bauchfreiem/ärmellosem Top auftreten. Alles darunter wird als normal empfunden - wobei Frauen, die sehr stark den persönlichen oder dem allgemeinen Idealvorstellungen entsprechen, natürlich weitaus früher eine Wirkung erzeugen. So haben sichtbare Haare, wie sie von vielen Muslimen kritisiert werden, auf christlich geprägte Menschen _keinerlei_ derartige Wirkung; sie werden (bis auf sehr wenige Ausnahmen) vielmehr als selbstverständlich angesehen. Auch die Beine unterhalb der Knie (beliebtes Thema katholischer Kleiderordnungen) dürften auf kaum einen Mitteleuropäer sexuell anregend wirken.

In vielen Regionen Europas geht dies jedoch noch wesentlich weiter - bis hin zu Umständen, unter denen jeder Verzicht auf Kleidung akzeptiert wird (FKK, Sauna). Hier wird nicht etwa mit sexuellen Reizen gearbeitet, sondern vielmehr diese ausdrücklich abgeschaltet. Besonders ausgeprägt ist dies in Dänemark, wo am Stand eher bekleidete Personen schief angeguckt werden, ähnliches gilt für viele Regionen in Frankreich und Kroatien. "Oben ohne" wird sowieso in den meisten europäischen Ländern akzeptiert - unabhängig von theoretischen Gesetzen.

Ein Wandel dieser Normen - praktisch nur in Richtung mehr Toleranz - ist ebenfalls weitreichend zu beobachten: Lange Hose und höchstens (!) kurzärmelige Oberbekleidung waren noch für 100 Jahren selbst als Badebekleidung (das ganze dann aber hauteng) weit verbreitet - selbst in Regionen, in denen Badebekleidung heute als solche ausgestorben ist. Begrenzt wird die Kleindernorm heute eher durch ästethische Gründe: es gibt Körperformen, die man besser _nicht_ anderen Leuten zeigen sollte...

Brockhaus? Was war das nochmal?

In allen Diskussionen über die Qualität von Wikipedia wird immer wieder mit kommerziellen Enzyklopädien verglichen, allem voran mit der "Brockhaus Enzyklopädie" des gleichnamigen Verlages und mit Microsofts "Encarta". Dabei wird jedoch eines vergessen: Der Umfang beider Werke ist im Vergleich zu Wikipedia geradezu winzig. Dies betrifft weniger die Zahl der Einträge (Brockhaus 300.000, Encarta 50.000, deutschsprachige Wikipedia auch "nur" 700.000, englischsprachige Wikipedia allerdings 2,2 Millionen), als den Umfang der Artikel. So schreibt Microsoft über Encarta, es habe 19 Millionen Wörter - also im Schnitt 380 pro Artikel. Für den Brockhaus werden 33 Millionen Wörter angegeben, was die durchschnittliche Artikellänge auf eher bescheidene 110 Wörter verkürzt. Eben mal einen aktuellen Eintrag aus den ''Kandidaten für Lesenswerte Artikel'' gefischt, der mit einer Länge von 18 kB im Mittelmaß liegen dürfte: Sonnenfinsternis_vom_29._März_2006. Alleine die Einleitung des Artikels hat, so ich mich nicht verzählt habe, 148 Wörter oder eine Länge von knapp 1,2 kB. Die Durchschnittslänge von etwa 3,5 kB (auch schon älter) wird dabei wohl vor allem durch eine große Zahl noch sehr kurzer "Artikelbaustellen" runtergezogen. Was Lesenswert-Status hat (insgesamt inzwischen rund 3500 Artikel) bleibt dagegen selten unter 10 kB. So wir die Wortlänge aus dem Beispiel hierfür ansetzen, wären das etwa 1300 Wörter... Und zumindest bei diesen Artikeln kann man klar sagen, dass Wikipedia _wesentlich_ weiter ins Detail geht, als die beiden kommerziellen Alternativen - mit stark steigender Tendenz. In einigen Jahren werden wir da sicherlich den Brockhaus in dieser Hinsicht nur noch belächeln.

Dienstag, 5. Februar 2008

Richtungsstreit in Wikipedia

Eine Diskussion gestern im IRC zeigte recht deutlich, dass es in Wikipedia zur allseits beliebten Frage der "Relevanz" zwei grundsätzlich unterschiedliche Ansätze gibt. Die derzeitigen Relevanzkriterien orientieren sich in den meisten Bereichen an einer irgendwie messbaren Leistung des betreffenden Objektes. Hieraus ist inzwischen eine nicht eben kurze Liste an Kriterien gewachsen, die ständig durch weitere Kriterien ergänzt wird, weil in dem einen oder anderen Bereich zu viele oder zu wenige Artikel gelöscht werden.

Ein komplett anderer Ansatz ist es, die Relevanz über die Existenz und den Umfang eines Außensicht zu diesem Thema zu definieren. So wäre ein Thema - völlig egal, worum es geht - relevant, wenn in hinreichender Weise hierzu Material (Literatur, wissenschaftliceh Abhandlungen, Medienberichte) existiert. In diesem Moment würde jede Wertung der Leistung aus Wikipedia selbst verschwinden - ob es um Paris Hilton (bekanntlich ohne jede Leistung) oder um einen Wissenschaftler geht, ist dann unwichtig: es zählt nur, ob brauchbare Quellen über das Thema etwas geschrieben haben.

Für eine Übergangszeit sollte die neue Regelung dann _zusätzlich_ greifen; die leistungsorientierten Relevanzkriterien kann dort sofort abschaffen, wo sie sich eh nur über die Außensicht definieren. In allen anderen Fällen kann dies nach und nach geschehen, wenn die Artikelbestände an die sich hieraus ergebende Quellenpflicht angepasst sind.

Sonntag, 3. Februar 2008

Strahlen-Esos

Esoterische Themen haben eines gemeinsam: sie sind ziemlich schwammig definiert, die Wissenschaft lehnt sie ab (das meiste wird dort durch den Placebo-Effekt erklärt) und im Netz finden sich eigentlich nur Seiten, die das ganze für hahnebüchenen Blödsinn halten und welche, die es für gesichertes Wissen erklären.

Ein "Modethema" der Esos sind derzeit offenbar die "Erdstrahlen", also irgendeine Strahlung, die irgendwie entsteht, irgendwie gemessen wird und irgendwas böses machen soll. Zu viel "irgend-" in dem Satz? Nein, denn konkreter wird es nicht!

Als "Quelle" werden vor allem Wasseradern irgendwelche Gitternetze genannt. Wasseradern gibt es nun leider nur in wenigen Regionen, Esos finden sie "zufälliger Weise" überall. Warum? Weil der "Nachweis" nur die Frage klärt, ob da Grundwasser ist; nicht ob woanders keines ist - im Regelfalle ist Grundwasser nämlich flächig verteilt; wer einen Keller hat, der da zu tief geht, weiß darüber sicherlich ein Lied zu singen. Diese Gitternetze sind gleich komplett erfunden, absolut gar nichts deutet auf deren Existenz hin. Sie dienen offenbar dazu, die ins Wanken gekommenen Wasseradern zu ersetzen.

Wie die Strahlung selbst aussieht, schreibt auch keiner. Sie sei aber gerichtet - wenn man die Logik weiter verflogt, offenbar senkrecht nach oben, denn sonst ist ja nicht die Stelle genau über der Quelle die besonders "gute" oder besonders "böse" Stelle. Das ist schonmal alles andere als normal, ist jede bekannte Strahlung doch ungerichtet. Ein weiteres Problem: jede bekannte Strahlung hat eine definierte Wellenlänge - und in diesem Wellenspektrum bleibt kein Bereich mehr für die Esostrahlen übrig. Auch die Frage, aus welcher Energiequelle sich die Strahlung speist, wird nie beachtet. Im ganzen kann man also eine derartige Strahlung als arg unwahrscheinlich bezeichnen - zudem ist die ganze Aussage nichtmal falsifizierbar: "es gibt irgendeine unbekannte Strahlung" - kein Physiker wird dazu ernsthaft "nein" sagen, denn mehr, als "das Strahlenspektrum ist nicht komplett bekannt" (eine Skala ohne Anfangs- und Endpunkte) sagt es nicht aus.

Der "Nachweis" dieser Strahlen erfolgt komplett indirekt: "Finden" die Esos eine Wasserader, ist damit für sie auch die Strahlung da - und zur Not gibt's ja noch andere Quellen. "Gefunden" werden die Wasseradern mittels Wünschelruten und ähnlichem Kram. Das ganze ist ein durchaus interessantes Gebiet und mancher Rutengeher hat wirklich eine gute Trefferquote bei der Suche nach Wasser - kein Wunder, wenn es überall ist. Im Karst (wo man die Ader dann wirklich mal suchen muss), kann man ein wenig auch nach dem Gelände gehen. In einem Versuch, in dem in einem 10m breiten Streifen eine Ader zu suchen war, kamen die besten (!) auf im Schnitt 3,2m Abweichung - und das auch nur in einer von 4 Versuchsrunden. Wenn man immer sagt "in der Mitte", landet man bei 5m. Eine Häufung über alle Treffer auch nur ansatzweise in der Nähe der tatsächlichen Ader gab es in diesem Test nicht.

Ein anderer "Nachweis" sind die angeblichen Wirkungen der Strahlung. Es gibt immer wieder Leute, die sich aus irgendwelchen Gründen scheiße fühlen, aber diesen Grund nicht wirklich finden. Also wird eine Ursache gesucht - lassen wir Google auf das Wort "Erdstrahlen" los, finden sich über 100.000 Treffer - also nehmen wir das doch einfach mal. Der passende Eso, der einem die Vermutung bestätigt wird sich finden und auch gleich ein Heilmittel kennen (gegen €, versteht sich). Siehe da, es wirkt sogar. Den Leuten glaubhaft (da is die Kunst!) zu versichern "es gibt keinen Grund", hat übrigens die gleiche Wirkung - nennt man Placebo-Effekt. Selbst wenn wirklich ein Grund da ist - heiße Kandidaten wären "schlechter Sex", "nerviger Partner/Chef/sonstwer" oder "ungesundes Essen" (in der Reihenfolge) - klappt das ganze: Zum einen hilft alleine der Glaube, das Problem gefunden zu haben zu einer positiveren Lebenseinstellung (durch die vieles schon von ganz alleine geht), zum anderen stellen die Leute die anderen Probleme nach dem Prinzip "jetzt bringen wir hier mal alles wieder in Ordnung" auch gleich ab.

Ganz knackig sind auch die diversen Schutzgeräte, die da so angeboten werden. Um eine Strahlung aufzuhalten, gibt's grundsätzlich 2 Möglichkeiten: Ablenken und "Deckel drauf" (Absorbieren bzw. Reflektieren; Ergebnis dahinter das gleiche). Für "Deckel drauf" muss sich der Deckel - physikalisch bedingt - zwischen der Quelle und dem Ziel befinden. Die Strahlung kommt ja angeblich von unten (gibt auch noch die von den Aliens und die ausm Kabel, aber dazu gleich), also müsste auch der Deckel nach unten - und zwar hübsch flächendeckend. Die Möglichkeit, eine Strahlung abzulenken, erwähne ich mal nur am Rande: für einen nennenswerten Effekt bräuchte es ein _extrem_ starkes Gravitationsfeld - so groß, wie das der Sonne. Insofern kann man irgendwelche Schutzamulette auch gleich in die Rundablage verfrachten - abgesehen von denen, die wenigstens als Schmuck/Dekoration taugen (bevor mich einer fragt, was der Rosenquartzleuchter bei mir soll).

Ganz frisch gibt es für die Esos noch 2 andere "Strahlenquellen": Die Strahlen aus dem All (von den Aliens, die da irgendwas untersuchen) - keine Ahnung, ob es da irgendwelche Untersuchungen zu gibt, möglich isses (wage ich mal zu behaupten), bewiesen is nix.
Die Theorien zu Strahlung über Strom- und Internet-Leitungen sind da schon geradezu herrlich. Erst heute gelesen, dass Strom auf Überlandleitungen eine höhere Spannung hat, weil er dann schneller fließt.. Ahja! Dass das Unsinn ist, lässt sich natürlich problemlos überprüfen. Der tatsächliche Grund ist, dass eine höhere Spannung (U) bei gleicher Leistung (P) eine geringere Stromstärke (I) bedeutet (P=U*I), wodurch wiederum der Widerstand der ganzen Geschichte kleiner wird. Sprich: Das Kabel kann dünner sein. Der Rest ist ähnlich abgefahren, besonders skuril: da man ja den Strom durch lassen muss (sonst hat der "Schutz" unpraktische Nebenwirkungen), wird hier nur mit Schutzamuletten gearbeitet. Zu diesen - siehe oben.

Was nun tun, wenn man glaubt, dass man durch "Erdstrahlen" oder ähnlichen Kram krank ist? Ganz einfach: Reden Sie sich so oft ein, dass Sie gesund sind, bis Sie es selbst glauben. Sie werden sehen: es wirkt! Wenn nicht: In diesem Wikipedia-Artikel findet sich sicherlich eine Lösung. Ein neues Kochbuch oder endlich den Hausdrachen/Hausmacho vor die Tür setzen, wäre sonst auch eine Option. Und vor allem: hören Sie auf, den Quark zu lesen, den Ihnen die Strahlenesos erzählen wollen.

Dienstag, 29. Januar 2008

Wikipedia und die Trolle

Trolle gehören zu einer Internet-Community, wie Populismus zur Politik. Dies alleine ist also nichts neues. Überall finden Trolle ein paar Themen, bei deren Erwähnung "Die Post ab geht" - denn eine Community, die es schafft, Trolle nicht zu füttern, ich mir noch nicht unter gekommen. In Wikipedia ist diese Situation allerdings eine besondere: Dort sind *sämtliche* "Regeln" eigentlich nur Richtlinien, also nicht bis ins letzte Detail verbindlich. Zudem sind diese Richtlinien einem ständigen Wandel unterworfen. Dies alles führt - zusammen mit dem offenen Konzept; insbesondere dem Punkt, dass ständig Benutzer kommen und gehen - dazu, dass so ziemlich um jede Richtlinien ununterbrochen diskutiert wird. In diesem System ist auch der Begriff des "Kompromisses" abgeschafft - wenn auch nur ein einzige Benutzer mit einer Lösung nicht einverstanden ist, kommt er einfach mit einem anderen Benutzerkonto wieder an und die Diskussion beginnt von neuem; eine Endlosschleife. Dazu kommt eine kaum weniger bizarre Diskussion um die Auslegung dieser Richtlinien: Obgleich sie nicht verbindlich sind, sondern vielmehr dem Projektziel untergeordnet werden sollen, wird auch hier je nach Benutzer nach dem Grundsatz "Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt" Überflüssiges in Artikel eingefügt oder nach "Was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten", Unbequemes aus Artikeln entfernt. Greift ein Admin hier ein, handelt es sich _per Definition_ immer um eine persönliche Stellungnahme - das dieser nur von der Aktion im Artikel auf die Diskussion auf der Diskussionsseite umlenken will, ist offenbar für die meisten undenkbar.

In diesem Sinne: Viel Spass beim Trollen!