Freitag, 24. Januar 2014

Arm gerechnet

Da erzählt uns Frau Merkel nun also, dass "man in Deutschland durchschnittlich 3000€ pro Monat verdient". So manch einer fragt sich da "echt jetzt?". Und tatsächlich ist die Zahl ziemlich wertlos – es handelt sich dabei nämlich offenbar um das Brutto-Durchschnittseinkommen. Also mit Steuern und Abgaben – klar, von denen haben wir auch was (auch wenn das viele nicht wahr haben wollen), nur halt nicht so direkt. Netto sind's dann schon nur noch (Zahl von 2010, aber so grundlegend anders wird's heute nicht sein) 1800€.

Zudem aber auch inklusive der statistischen Ausreißer – und da wird es dann interessant, denn diese Ausreißer können sowohl mathematisch (es gibt ja keine negativen Löhne) wie auch gesellschaftlich (Grundsicherung) nur in einer Richtung auftreten – nach oben. Weitaus brauchbarer ist hier der Median. Diesen Wert bekommt man vereinfacht ausgedrückt, wenn man alle Leute nach Einkommen sortiert und das Einkommen von dem genau in der Mitte nimmt. Da sindwa dann bei knapp 1600€ (der Unterschied ist prozentual übrigens seit vielen Jahren weitgehend konstant). Die Zahl kommt einem dann schon vertrauter vor, näch? ;)

Tatsächlich ist der Median auch für die Preisgestaltung der Wirtschaft (zumindest bei Massengütern) der wichtigere. 3 Artikel à 100€ Gewinn bringen halt in Summe weniger als 300 Artikel à 10€ Gewinn.

Kommen wir nun zur Armut. Also "arm", oder genauer "relativ arm im Vergleich zur Gesamtbevölkerung" ist man, wenn man auf weniger als 40% dieses Median kommt; das sind dann um die 600€. Doch von "Armut" redet man bei uns meist gar nicht (das sind nämlich nur sehr wenige, zumal schon Leute mit Grundsicherung oftmals da drüber liegen [Mietzahlung durch den Staat!]), da nimmt man dann lieber "von Armut gefährdet". Hier habwa dann 60% des Median, also schon deutlich mehr – so erwischt man dann natürlich auch mehr Leute (um die 15%).

Diese Beurteilung durch eine Zahl ist dabei natürlich nicht ganz unproblematisch – zumal ja auch das Vermögen nicht betrachtet wird. Wer also aufhört zu arbeiten und von seinem Ersparten lebt, ist "relativ arm", obwohl er eigentlich genug Geld hat. Andersherum haben wir alle Hausratversicherungen, weil halt auch "relativ reich" zu sein nicht dazu führt, dass man sich mal eben alles auf einmal neu kaufen kann. Auch Verschiebungen in der Kaufkraft wirken sich nicht auf – steigen die Preise, aber nicht die Löhne, so kommen zwar weniger Leute mit ihrem Geld aus, nur "relativ arm" sind trotzdem nicht mehr.

Insofern: "Arm" ist man nicht, weil das irgendeine Statistik sagt, sondern aufgrund der eigenen Lebensumstände – und da sollte man sich eher einmal fragen, ob man die ganzen Konsum-Bedürfnisse, die einem von der Werbung ständig eingeredet werden, wirklich braucht.

Sonntag, 5. Januar 2014

Glühlampe, oder was?

Huch, schon so lange kein neuer Beitrag – na dann wäre es ja vielleicht ein guter Vorsatz für 2014, mal wieder mehr zu schreiben. Und so soll es hier gleich losgehen ;)

LED-Leuchtmittel waren bei mir ja schon einmal ein Thema, auch wenn der Beitrag inzwischen drei Jahre alt ist. Damals waren LEDs allerdings noch nur begrenzt eine Alternative – die wenigsten Lampen waren vernünftig dokumentiert, vieles technisch schlicht Schrott, die Preise meist gesalzen und die Vorteile gegenüber ESLs bei Optik und Wirkungsgrad eher bescheiden.

Doch das hat sich inzwischen geändert! Der neuste Trend heißt "Glühfaden-LED". Die Dioden sind dabei langgestreckte Bauteile, die wie ein Glühfaden frei zwischen den Kontakten hängen. Die ganze Lampe sieht dadurch aus, als wäre es eine alte Glühlampe. Dazu haben diese LEDs auch noch einen Wirkungsgrad von rund 100 lm/W.

Das konkrete Modell auf dem Bild links stammt von dem Hersteller "Dotlux" (da man die Website vergessen kann, verlinke ich gleich auf das Angebot bei Amazon) und kostet 15€. 400 lm bei 4 W und eine meiner Meinung nach recht gute Farbwidergabe (deutlich besser als die angegebenen "Ra > 80" erhoffen lassen) machen das Ding zu einem guten Ersatz für 40-W-Glühlampen an solchen Stellen, wo das Erscheinungsbild einer ESL nicht wirklich passt. Die Maße sind übrigens so identisch, dass man die Glühlampe gleich in dem Kunststoff-Einsatz entsorgen könnte, in dem die LED geliefert wird.
Ähnliche Modelle (inklusive einiger Kerzenformlampen) gibt es sowohl von diesem wie auch von anderen Herstellern, zum Teil wird die Sache allerdings dann teuer.

Aber teuer? Wenn die angegebenen 25.000 Stunden zutreffen, hat sich das mit teuer. Alleine die 4 W sparen gegenüber einer ESL (die hätte bei gleicher Helligkeit 8 W) über die lange Zeit 100 kWh oder bei heutigen Preisen 25€. Und dann hat man sich wohl auch noch zwei bis drei Lampenkäufe gespart, was weitere rund 10€ wären. Nachdem bei Leuchtmitteln gemeinhin mit 1000h/Jahr gerechnet wird, ist das allerdings eine ausgesprochen langfristige Rechnung. Bei ungefähr 1,50€ Einsparung pro 1000h Leuchtdauer reicht allerdings wenig mehr als die typische Lebensdauer einer ESL schon aus, um den Mehrpreis wieder drin zu haben.

Und wie sieht die Zukunft aus? Nun, auch wenn 100 lm/W im Vergleich zu anderen haushaltsüblichen Leuchtmitteln schon ein sauguter Wert sind, so erzeugen selbst diese LEDs immer noch mehr Wärme als Licht; hier ist also noch viel Potential. Inzwischen gibt es erste LED-Module (noch nicht als fertiges Leuchtmittel), die einen Wirkungsgrad von 200 lm/W haben. Als Laborobjekte gibt es gar bereits Modelle mit 275 lm/W, was an die physikalischen Grenzen der Leichterzeugung (bei für diese Angaben verwendetem tageslichtweißem Licht 350 lm/W) heranreicht – für warmweißes Licht ist dagegen schon bei etwa 250 lm/W die Grenze erreicht. Damit sind wir von heißen Drähten, deren Glühen als nützliches Abfallprodukt auch ein wenig (5%) Licht produzieren zu wirklichen Lampen mit einer maximal leichten Erwärmung gekommen. Als netter Nebeneffekt können so die unschönen Kühlkörper, die einige leistungsstarke LED derzeit noch besitzen, wegfallen oder zumindest deutlich schrumpfen. Auch wird man sich sowohl über heiße Leuchtmittel wie auch über den Energiebedarf von Beleuchtungen wohl zukünftig kaum noch Gedanken machen müssen.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Computer 2030

Ich habe mir einmal darüber Gedanken gemacht, wie wohl unsere Computer im Jahr 2030 (willkürliche Zahl, aber runde Zahl und gut 15 Jahre in der Zukunft halt) aussehen werden. Dabei geht es mit nicht um irgendwelche wilden Visionen, sondern um das Fortsetzen aktueller Entwicklungen.

Grundsätzlich wird es wohl auf ein zentrales "Gehirn" herauslaufen, welches mit diversen Ein- und vor allem Ausgabegeräten interagiert, die an diversen Stellen in unseren Alltag integriert sind. Dieses "Gehirn" sorgt dafür, dass alle Daten und alle Anwendungen überall in der gleichen Form zur Verfügung stehen und man auch jederzeit von einem Standort zum anderen wechseln kann. Ein Grundsatz ist zudem, dass das Datennetz zur einzigen erforderlichen Infrastruktur wird.

Das besagte "Gehirn" wird wahrscheinlich für die meisten Nutzer ein relativ großes (5-6") Smartphone sein, dass Unterwegs praktisch alle Aufgaben auch alleine erledigen kann. Über den Funktionsumfang heutiger Smartphones hinaus wird das Gerät wahrscheinlich einen ganzen Zoo an Sensoren haben – Ansätze hiervon sind bei Samsungs Galaxy S4 sehr schon zu finden und man fühlt sich durchaus an den Tricorder aus Star Trek erinnert. Es ist anzunehmen, dass das Gerät auch den Hausschlüssel und EC-Karte (-> NFC) und sämtliche Ausweise ersetzen wird – der Sensoren-Zoo sollte über mehrfache Biometrie Möglichkeiten finden, einen Diebstahl praktisch unmöglich zu machen. Zu einer Alternative kommen wir später noch…

Das Gerät wird vermutlich keinerlei Kabelanschlüsse mehr haben, denn Datenübertragung erfolgt per Funk (WLAN und Bluetooth kennt man; für das Bild kommt noch ein Wireless HDMI dazu) und zum Laden dienen kabellose Standards – alles heute schon da; muss nur mal jemand so konsequent umsetzen. Dadurch sind diese Geräte ohne Probleme komplett wasserdicht zu kriegen – darum muss man sich also keine Sorgen mehr machen.Auch eine Solarzelle auf der Rückseite oder sogar als Ebene unterhalb des transparenten Displays wäre eine denkbare Energiequelle.

Das Netz zur Außenwelt wird dabei eine Weiterentwicklung unserer heutigen Datennetze sein: Die Idee, dass alles ein redundanter Knoten ist, wird heute noch an der Schnittstelle des eigenen Gerätes mit dem Internet unterbrochen – hier gibt es eine exklusive Verbindung. Dies ist technisch aber keineswegs erforderlich; vielmehr bucht sich das Gerät der Zukunft in diverse Netze gleichzeitig ein und nutzt diese als Ausfallschutz oder sogar zusätzliche Bandbreite. Eine generelle End-to-End-Verschlüsselung wird dabei freilich selbstverständlich sein.

Tablets sind schon heute technisch enge Verwandte zu den Smartphones und dies werden sie auch bleiben – diese Geräteklasse übernimmt alle "semimobilen" Anwendungen, also immer dann, wenn das eigentliche Smartphone zu klein; ein stationärer Bildschirm aber zu stationär ist. Die Geräte werden im Gegensatz zu heutigen Tablets aber wohl strohdoof sein und entweder das Bild vom "Gehirn" anzeigen (man darf sich hier gerne an das Asus PadFone erinnern) oder für dieses als Tastatur dienen – wobei wer will natürlich auch eine Tastatur mit mechanischen Tasten verwenden kann. Und dann ist da noch die Möglichkeit der Spracheingabe, die sicherlich ein Niveau erreicht haben wird, dass eine vernünftige Eingabe ermöglicht – hierbei dürfte allerdings ein Gag aus Futurama Realität werden, denn die französische Sprache (in der ungefähr 2 von 3 Lauten stumm sind) dürfte sich hierfür wenig eignen. ;)

Die dritte Stufe sind dann wie schon angedeutet die stationären Bildschirme. Diese unterscheiden sich nicht nennenswert von dem Tablet, nur dass sie eben deutlich größer und dafür fest aufgestellt sind. Denkbar wäre, dass sie "ausgeschaltet" als Bilderrahmen fungieren. Das Koppeln wird wahrscheinlich funktionieren, indem man beide Geräte dicht aneinander hält und dann auf dem "Gehirn" eine Taste drückt, die zum Verbinden dient; denkbar wäre aber auch ein gewisses Mitdenken (schleppt man das Ding extra in einen Raum, will man dort wohl länger was machen).

Ein Sonderling unter diesen Displays ist der Nachfahre des heutigen Fernsehers – selbiger ist nun kein mehr oder weniger großer Kasten, den man sich irgendwo vor die Wand stellt oder hängt, sondern er ist praktisch die Wand selbst. Warum sollte es da irgendeine Begrenzung in den Abmessungen geben? Wo auf dieser Fläche irgendein Bild angezeigt wird, kann man dann einstellen – dank OLED sind die inaktiven Bereiche komplett schwarz, so dass man auch nicht mehr an irgendein spezielles Bildformat gebunden ist. Wenn dann während eines Films ein Anruf kommt, kann der Film (wenn auch ohne Ton) weiter laufen, während daneben das Fenster für das Bildtelefon läuft. Oder man pflanzt sich bei einer Sportübertragung die Statistik in eine Ecke neben dem eigentlichen Bild. Man stelle sich vor: Formel-1 auf 2m Bildbreite gucken und statt des Kürzel-Laufbandes unten hat man daneben noch Platz für den Zwischenstand mit entzifferbaren Namen :)

Zu Rechnen gibt es hier natürlich auch genug und das "Gehirn" hat als mobiles Gerät natürlich nur eine begrenzte Leistung. Das macht aber nichts, denn die ganze Rechnerei verlagert man einfach auf einen dezidierten Numbercruncher, der nichts anderes zu tun hat, als rechnen und dem "Gehirn" die Daten für die Ausgabe zu übergeben. Auf ähnliche Weise wird natürlich auch die Audio-Anlage angesprochen (Bluetooth-Audio gibt's schon heute) und auch diverse Steuergeräte im Bereich der Haus-Automatisierung lassen sich in das System einbetten – diese sehe ich derzeit noch als das größte Geheimnis an der ganzen Sache.


Ganz oben hatte ich schon angedeutet, dass zu dem Smartphone auch noch eine Alternative möglich wäre. Wie schon deutlich wurde, braucht man eigentlich nur noch dieses eine Gerät, welches den ganzen Krempel ersetzt, den man sonst so mit sich herumträgt – da wäre es durchaus eine Überlegung wert, wie man auch dieses nicht mehr "herumtragen" muss. Einen Ansatz bietet bereits Googles Datenbrille, wo das herumtragen schon weniger drastisch ist – der nächste logische Schritt wären Implantate in den Körper selbst. Ich denke allerdings, dass diese Idee bei vielen auf Skepsis stoßen wird, so dass die Mehrheit wohl beim klassischen Smartphone bleiben wird – oder lieber nur wie ein Borg aussehen, denn sich ihm zu nähern, indem man die Google-Brille verwendet.

Dienstag, 9. April 2013

Fünf-Punkte-Plan für Deutschland

Ich möchte einmal fünf bewusst ziemlich radikale Forderungen aufstellen, wie man den sozialen Frieden in Deutschland verbessern kann – das ganze kann man getrost als einen Gegenentwurf zu den Geschrei selbsternannter "Alternativen" betrachten. Die fünf Punkte sind dabei nicht gewichtet, sondern einzig in der Reihenfolge entstanden, wie sie mir eingefallen sind.
  • Als erstes brauchen wir eine faire Bezahlung jeglicher Arbeit.  Das heißt ein Mindestlohn von z.B. 7,50€ (kann man später immer noch erhöhen; es braucht erstmal nur überhaupt eine Untergrenze). Dieser Betrag gilt für _absolut alles_; 1€-Jobs und co werden also abgeschafft und ab dem ersten Cent besteht Sozialversicherungspflicht (da diese Abgaben komplett proportional im Lohn sind, entstehen auch keine weiteren Kosten). Am oberen Ende werden alle "Beitragsbemessungsgrenzen" abgeschafft, so dass man sich auch an diesem Ende keine Gedanken machen muss. Dazu wird die Grundsicherung für Arbeitslose oder Personen, die sonst nicht auf diesen Betrag kommen (wobei letzteres rechnerisch recht selten wird) auf 500€ (runde Zahl, zuzüglich eventueller Mietzuschüsse) festgelegt. Dieser Betrag kann nicht gekürzt werden – einzige Ausnahme: Eine Person wurde von einem Gericht wegen Schwarzarbeit verurteilt; dann muss in dieser Zeit bezahltes zuzüglich Zinsen zurückgezahlt werden. Die Kosten, die diese Grundsicherung verursacht, sind vom Staat detailliert offenzulegen – Hintergrund hier ist die vermutlich schnell entstehende Überraschung, wie wenig das ist.
  • Damit sind wir auch schon dem zweiten Punkt, nämlich wesentlich mehr Transparenz und Bildung. "Betriebsgeheimnisse" dürfen kein staatlich geschütztes Gut mehr sein – wenn ein Unternehmen mit dem Staat Geschäfte machen will, sind diese Verträge _vor_ ihrem Inkrafttreten zu Veröffentlichen. Auch die anderen Ausgaben des Staates müssen *detailliert* veröffentlicht werden – im Falle der obigen Grundsicherung muss so ersichtlich sein, wie viel Geld jede einzelne Kommune für diese, für die Mietzuschüsse und für "interne" Kosten ausgibt. Im Gegenzug dazu ist das Bildungssystem soweit zu überarbeiten, dass nahezu jeder in der Lage ist, zumindest die Grundzüge der Wirtschaft zu verstehen und auch in einigen Bereichen gewisses Sicherheits-Verhalten gelehrt wird (Selbstverteidigung im Sport-Unterricht, Grundregeln der IT-Sicherheit in Computerkursen, Einbruchschutz kann man sicherlich in der Physik unterbringen, Deeskalationstechniken in Reli/Ethik etc). Der Einbruchsschutz mag hier albern klingen, allerdings sind etwa 40% aller Straftaten (und 2/3 der nicht aufgeklärten) Diebstahlsdelikte…
  • Als nächstes müssen wir dringend einmal unser Strafrecht von polizeilichen "Beschäftigungstherapien" befreien – es kann nicht sein, dass sich die Polizei und sogar Gefängnisse (!) zu Großteilen mit Kiffern (da gibt's den Irrsinn, dass jede Kleinstmenge zwar zu keiner Strafanzeige führt, wohl aber vernichtet wird und natürlich ein Bericht geschrieben werden muss), Schwarzfahrern, Beleidigungen (210k Fälle – man staunt, wie viele Leute für ein "Arschloch" vor Gericht ziehen…) und ähnlichem Kram beschäftigen müssen und für Straftaten, bei denen wirklich anderen Personen ein Schaden zugefügt wird mehr Zeit bleibt. Zudem verursachen viele dieser Delikte erst andere Delikte (bestes Beispiel Beschaffungskriminalität, aber auch der berühmte "Reiz des Verbotenen"). Es gibt sicherlich noch jede Menge mehr solcher Delikte…
  • Nach Volksabstimmungen wird oftmals gerufen, ich muss allerdings zugeben, hier und da doch skeptisch zu sein, ob solche nicht schnell zu Einschränkungen für Minderheiten führen. Weitaus unkritischer, dafür aber auch ein Reizthema sind Bauprojekte, die sich sicherlich für Volksabstimmungen eignen. Abstimmen sollte dabei Grundsätzlich jeder, der entweder von dem Objekt betroffen ist oder das ganze mit zahlen soll. Wer in beide Gruppen fällt, dessen Stimme sollte dann auch doppelt zählen. Danach sollte das Geschrei über "Geldverschwendung" deutlich abnehmen und so mancher Politiker ein Problem bekommen, sich "ein Denkmal zu setzen".
  • Ein weiteres Thema, über dass ich mich gerne aufrege, sind "Staatsgebühren" – also irgendwelche festen Geldbeträge, die jeder Bürger zahlen muss, weil es der Staat gerne so hätte. Ein einfaches Beispiel ist der Personalausweis, für den man alle 5-10 Jahre Geld zahlen _muss_. Noch schlimmer ist die derzeitige Situation bei der Krankenversicherung, wo Personen ohne sozialversicherungspflichtige Arbeit eine Pauschale zahlen, die einem Einkommen von 1000€ entspricht! Solche Dinge sollten grundsätzlich steuerfinanziert werden, was bedeutet, dass Leute, die wenig oder gar kein Einkommen haben auch wenig oder gar nichts dafür zahlen. Natürlich soll der Staat nicht für verschlampte Ausweise aufkommen müssen, aber der Ersatz eines abgelaufenen ist kein Verschulden des Bürgers, so dass dieser dafür auch nicht aufkommen muss.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Warum die Piraten niemals "ein Programm haben werden".

Derzeit hört man in den Medien das allgemeine Geschrei von „die Piraten haben kein Programm“. Von den Piraten kommt ein „Tippe ‚Piraten‘ und ‚Programm‘ in Google, drücke ‚Enter‘, dann findest du es“.

Einer von beiden lügt also? Nein. Beide meinen mit „Programm“ etwas unterschiedliches. Das gedruckte Wahl- oder Grundsatzprogramm der Piraten unterscheidet sich nicht wirklich elementar von dem anderer Parteien. Hier wie da werden Werte betont, welche man für wichtig hält und ein paar Beispiele benannt, wie man diese fördern will.

Doch diese Art von Programm ist es aber gar nicht, von der die Medien reden! Was auf dem Papier steht, können diese auch nachlesen und ist überhaupt nicht gefragt. Was man vielmehr wissen will, sind die Positionen, die *nicht* in dem Wahlprogramm niedergeschrieben sind.

Wenn ein Vertreter einer klassischen Partei zu irgendwas einen Standpunkt darlegen soll, nimmt dieser einfach die letzten Ausarbeitungen der entsprechenden Arbeitsgruppe und hat seinen Standpunkt.

Ein ganz typisches Beispiel ist das Tempolimit auf Autobahnen. Da gab es nun irgendwann im März glaube ich eine solche Forderung eines Grünen aus NRW. Großes Geschrei aus der Partei gab es deswegen nicht, hatte man früher auch schonmal gehört – also eindeutig Parteimeinung, nicht? Nun: Das Wahlprogramm für NRW war zu dieser Zeit noch gar nicht beschlossen; es gab also gar keine aktuelle Parteimeinung, auf die man sich hätte berufen können. In dem Programm in der jetzt beschlossenen Fassung steht übrigens _kein_ Tempolimit.

Bei den Piraten heißt es in der gleichen Sache „haben wir keinen Standpunkt zu“ (auch heute noch). Doch stimmt das überhaupt? Nun, der Antrag _gegen_ das Tempolimit wurde in NRW nur als Positionspapier angenommen; in der AG Bau und Verkehr ist ein weit verbreiteter Tenor "bringt nichts; geht eventuell sogar nach hinten los". In LQFB gibt es dazu einen angenommenen Antrag „Intelligente Verkehrsbeeinflussung durch Wechselverkehrszeichen flächendeckend einführen“. Bei einer anderen Partei würde ein Vertreter das in den Medien mit „Nein, wir sind dafür weniger radikale Regelungen zu, wie etwa Wechselverkehrszeichen zu verwenden.“ darstellen – sogar mit jeder Menge Argumenten. Macht man eben dies aber als Pirat, ist der Shitstorm sicher, denn das ist ja eben nicht in dem ‚Programm.PDF‘ zu lesen. Eben darum wird auch ein „Wie soll das BGE aussehen?“ mit „Das ist noch nicht beschlossen“ statt mit einem aktuellen Zwischenstand (den man ja durchaus als solchen bezeichnen kann!) beantwortet.

Und weil es eben nicht zu jedem Detail eine exakt ausgearbeitete und von einem Parteitag beschlossene Position geben kann, werden die Piraten eben in dieser Medien-Definition niemals „ein Programm haben“…

Montag, 23. April 2012

The land of the free?

Warum ich mich in Deutschland freier fühle als in den USA
  • Weil der Rechtsstaat in Deutschland jedem eine zweite Chance gibt.
  • Weil hier weniger Morde passieren als in einer einzelnen US-Großstadt.
  • Weil bei uns der Rechtsstaat auch für mutmaßliche Terroristen gilt.
  • Weil hier sogar verurteilte Kriminelle Rechte haben.
  • Weil Strafen bei uns verhältnismäßig sein müssen.
  • Weil „Solidarität“ bei uns kein Schimpfwort ist.
  • Weil wir keine militärisch gesicherten Grenzen (mehr) haben.
  • Weil wir unsere Freiheit nicht auf fremden Ölfeldern verteidigen.
  • Weil unser Staat keine „Rassen“ kennt.
  • Weil man hier die Wahl zwischen über 20 und nicht nur zwischen 2 Parteien hat.
  • Weil bei uns Ideologien bekämpft werden, die gegen Gleichheit sind; nicht solche, die dafür sind.
  • Weil man hier nicht Nacktheit mit Sexualität gleichsetzt.
  • Weil ich lieber Cabrio als Crew-Cab fahre.
  • Weil man hier selbst entscheiden kann, wie schnell man über eine leere Autobahn fährt.
…diese Liste lässt sich vermutlich endlos mit Details füttern. Gerne möchte ich diese Liste zukünftig noch mit einigen weiteren Punkten erweitern, wie etwa:
  • Weil wir keine Kriege in der Welt führen.
  • Weil unsere Energieversorgung nicht vom Öl- oder Kohlepreis abhängt.
  • Weil Religion bei uns Privatsache ist.
  • Weil hier jeder jeden heiraten darf.
  • Weil bei uns nicht Lobbyisten Gesetze machen.
  • Weil unser Staat nicht nur bis zur nächsten Wahl denkt.
  • Weil eine Sucht eine Krankheit und kein Verbrechen ist.
  • Weil unser Staat nicht seine Bürgern bespitzelt.
Und genau um dies und einiges mehr zu erreichen, bin ich Pirat. Für eine Freiheit, die nicht auf Kosten anderer geht.

Freitag, 20. April 2012

Piraten und Nazis

Das Thema Nazis in der Piratenpartei geht derzeit an jeder nur erdenklichen Stelle durch die Medien – wobei es inzwischen gar nicht mehr um die Nazis selbst geht, sondern vor allem um Leute, die sagen "sowas ist eine Scheißmeinung, aber immer noch eine Meinung".

Diesen Leuten sage ich ganz deutlich: Es ist scheißegal, ob das nun eine Meinung ist oder nicht – auf jeden Fall aber ist es 180° gegen den Geist dieser Partei und aus diesem Grund hat es in der Partei nichts zu suchen. Bei weitaus harmloserem wie Befürwortern der Vorratsdatenspeicherung würde man ja auch sagen "Sieh zu, dass du Land gewinnst; hier bist du in der falschen Partei". Warum zur Hölle soll das ausgerechnet bei Leuten anders sein, die den Holocaust leugnen, an die Überlegenheit irgendeiner "Germanischen Rasse" glauben, irgendwelche Religionsgemeinschaften automatisch für Kriminelle halten oder ähnlichen Schwachsinn von sich geben? Darum sag ich hier nochmal jedem, der mit solchem Mist auftaucht: „Pack diese Scheiße zu den Akten und zeige durch TATEN, dass das ein Fehler war. HIER ist jedenfalls der falsche Ort dafür.“ Ich werde sicherlich niemanden ausgrenzen, der sagt „Ich hab da Scheiße gebaut, und will das jetzt wieder gerade biegen“ – im Gegenteil!

Und an den Herrn Thiesen (und Gesinnungsgenossen): Das du nicht längst von _alleine_ ausgetreten bist, um eben diesen Schaden zu verhindern, zeigt, dass es dir definitiv nicht um die Ziele der Partei geht, sondern bestenfalls darum, dir selbst irgendetwas beweisen zu müssen – offenbar zur Not auch, dass du eine Partei zerstören kannst. Und jetzt erzähl nicht irgendeine gequirlte Scheiße von wegen "war ja davor" und "ich hab das nicht so gemeint" – das glaubt dir offensichtlich niemand.

Was Marinas "Mir reichts jetzt." angeht: Nun, in weiten Teilen muss ich ihr zustimmen. Allerdings finde ich das "wofür sie nichts können" persönlich schon zu eingrenzend. Denn ich lehne niemals Menschen ab; nur Verhalten.

Und weil es wichtig ist: Ich distanziere mich hiermit nochmal mit aller Schärfe von:
- Rassismus
- Nationalsozialismus
- Geschichtsrevisionismus
- Antisemitismus
- Islamophobie
- Homophobie
- Sexismus
- und jedem weiteren Weltbild, das Menschengruppen ausgrenzt oder verachtet.